Art. „Bankkunden – vertraulich“

3. Dezember 2008

Erstes Urteil zu Lehman-Zertifikaten: keine Falschberatung

Die Frankfurter Sparkasse hat sich keine Falschberatung zuschulden kommen lassen. Das entschieden die Richter des Frankfurter Landgerichts am Freitag letzter Woche. Geklagt hatte ein älteres Ehepaar, das auf Empfehlung seines Bankberaters 12.000 Euro in Zertifikete der US-Investment-Bank Lehman Brohers investiert hatte und nach deren Insolvenz erfahren musste, dass diese Papiere so gut wie nichts mehr wert sind. Die Frankfurter Sparkasse habe sie falsch beraten, so die Kläger. Deshalb müsse sie ihnen den vollen Schaden ersetzen. Die Richter sahen das aber anders und gaben der Bank recht.

Diese Entscheidung zeigt: Wer als geschädigter Anleger seine Ansprüche gerichtlich durchsetzen möchte, hat oft ein Beweisproblem. Es genügt nicht zu behaupten, der Bankberater habe nicht auf mögliche Risiken – hier das Emittentenrisiko – hingewiesen. Sie müssen das auch belegen, denn noch liegt die Beweislast beim geschädigten Anleger und nicht bei seiner Bank. Überdies haben Sie nur eine Chance auf Schadenersatz, wenn Sie zeigen können, dass Ihnen eine Geldanlage aufgeschwatzt wurde, was Ihren Zielen (z. B. Ihrem Wunsch nach hoher Sicherheit) komplett zuwiderlief.

Im Falle Lehman Brothers ist das ausgesprochen schwierig. Eine Pleite dieser Großbank hielten viele Profis aus dem Finanzbereich lange Zeit für nahezu ausgeschlossen. So taten die meisten das Emittentenrisiko als eher theoretische Gefahr ab. Das anerkannten auch die Richter des Landgerichts Frankfurt: Eine Insolvenz von Lehman Brothers sei zum Zeitpunkt der Bankberatung noch keinesfalls absehbar gewesen.

Dies lässt nur den klaren Schluss zu: Versuchen Sie lieber, einen Schaden vorher zu vermeiden. Denn im Nachhinein haben Sie oft keine Chance, das verlorene Geld erstattet zu bekommen. Setzen Sie nicht blind auf die Beratung Ihrer Bank. Informieren Sie sich lieber aus anderen Quellen.

Und noch eines: Auch wenn sich jetzt scharenweise Anwälte als Anlegerschützer präsentieren und Ihnen anbieten, Sie vor Gericht zu vertreten. Seien Sie vorsichtig. Sehr häufig werden sie der Bank – siehe Frankfurter Sparkasse – keine Falschberatung nachweisen können. Dann tragen Sie als Anleger nicht nur den ursprünglichen Schaden, sondern müssen obendrein auch noch für Gerichts- und Anwaltskosten aufkommen.

Herzlichst

Ihr

Dr. Erhard Liemen,
Chefredakteur von:
„Bankkunden – vertraulich“
„Der Deutsche Wirtschaftsbrief“

Anmerkung von Jan: Die Erfolgsaussichten scheinen stark vom Einzelfall der Beratung abzuhängen: In dem von Herrn Liemen zitierten Urteil (siehe den Bericht der FAZ und den Bericht von bbv-net.de) gab es anscheinend eine ausreichende Aufklärung über die Risiken im Verkaufsprospekt. Aber das zweite Urteil in Sachen Lehman gegen die Citibank hat den Anlegern Recht gegeben, siehe die News von gestern auf unserer Seite und die Kurzzusammenfassung bei jurablogs.com.

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