Monatsarchiv für Januar 2009

Danke sagen!

30. Januar 2009

Hiermit möchte ich meinem Arbeitgeber, der Digital Identification Solutions AG und meinem geduldigen Kunden, dem hervorragenden Landhaus Hotel Waitz vor den Toren Frankfurts, meinen herzlichen DANK aussprechen.

digital_identification_solutions

Mein Arbeitgeber produziert unter anderem die Visitenkarten für den Island-Trip und hat es mir auch sehr kurzfristig ermöglicht die Reise überhaupt anzutreten zu können!

waitz_logo

Das Landhaus Hotel Waitz ist ein langjähriger treuer Kunde, der seit Oktober auf seine neue Internetseite wartet. Die jetzige steht schon seit ca. 2001 im Netz und benötigt jetzt doch mal einen neuen Anstrich! Im Hotel Waitz kann man sich übrigens ideal vom Kaupthing-Stress erholen. Auf eBay kann man die Angebote sogar ersteigern.

Einlagensicherung

30. Januar 2009

Vorneweg ein ganz großes Dankeschön an die Macher dieses Forums. Mit dem Wissen, dass man nicht alleine ist mit dem ganzen Mist ist es schon etwas erträglicher. Hier meine Frage: Ist jemandem bekannt, inwieweit die Rückerstattung gem. Einlagensicherung bis zur Garantiehöhe grundsätzlich geregelt ist? Also auf deutsch: Ist Island durch die EU-Regularien ohne wenn und aber verpflichtet zumindest die Garantiesumme (rd. 20.000€) zurückzuzahlen oder kann dies auch durch Regierungsbeschluss bzw. Nichthandeln einfach ausgeschlossen werden? Wie stehen die Chancen bei einer (Sammel)Klage? Wenn diese Frage bereits früher beantwortet wurde, bitte ich um Entschuldigung, dann habe ich es nicht gefunden.

Anmerkung Jan: Island ist nach der Richtlinie 94/19/EG verpflichtet Einlagen bis zu je 20.000 € zu 90% abzusichern. Nach Art. 6 der Verordnung 120/2000 steht uns ein Rückzahlungsanspruch bis zu je 20.887 € zu. D.h. die Regierung muss uns entschädigen, sonst verstößt sie gegen EU-Recht und isländisches Recht. Zu den derzeitigen Chancen einer Klage siehe in unseren FAQs hier.

Serienbrief an IWF kann versandt werden

30. Januar 2009

Alle Infos zu der Aktion eines Forums-Nutzers (Herzlichen Dank an Raubtier Ätsch für die große Mühe!) findet ihr unter http://kaupthingedge.foren-city.de/topic,3601,-schreiben-an-den-iwf-ist-fertig-zum-verschicken.html:

Aktueller Stand vom 29.01.2009:
Die endgültigen Versionen des Briefs sind fertig und können versendet werden.

Infos zum Versenden und die deutsche Original-Fassung findet ihr auf Seite 7 in diesem Fred; hier der direkte Link: http://kaupthingedge.foren-city.de/topic,3601,90,-schreiben-an-den-iwf-ist-fertig-zum-verschicken.html#39288

2 postings darüber die englische Übersetzung; auch hier der direkte Link: http://kaupthingedge.foren-city.de/topic,3601,90,-schreiben-an-den-iwf-ist-fertig-zum-verschicken.html#39280

Ursprüngliches Eröffnungs-Posting vom 26.01.2009:
Im Fred http://kaupthingedge.foren-city.de/topic,2963,-ard-videotext-iwf-gewaehrt-island-kredit.html hatte ich zur Diskussion gestellt, ob wir uns auch mal an den IWF wenden sollten. Da wir – wie wir seit eben wissen – nicht kurzfristig entschädigt werden, schlage ich vor, ein entsprechendes Schreiben an den IWF zu formulieren und dies vor der nächsten Inspektionsreise des IWF nach Island abzuschicken. Ob das dann mehrere einzeln machen oder ob wir nur ein Schreiben im Namen aller Geschädigten (bzw. aller Forums-Mitglieder) machen, kann noch diskutiert werden.

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass wir auch die IWF-Schiene nutzen sollten; insbesondere nach der heutigen Verlängerung der Entschädigungsfrist und den Berichten der letzten Tage und von heute über die unklaren politischen Verhältnisse in Island (mit den daraus folgenden, mehr denn je zu befürchtenden Unsicherheiten, wann wir unsere Kohle wiedersehen).

Ich habe mal folgendes Schreiben entworfen (zunächst auf Deutsch, da leichter zu formulieren; wenn später mal ein endgültiger Entwurf abgestimmt sein sollte, findet sich sicherlich ein Kompetenter hier im Forum für die Übersetzung):

[…]

Meinungen, Stellungnahmen, Änderungen, Ergänzungen dazu??

Wie gesagt, abschicken würde ich den Brief möglichst schnell, auf jeden Fall vor der Delegetionsreise des IWF nach Island Anfang Februar.

Wenn die Diskussion zeigen würde, dass die Mehrheit hier nicht für den Brief an den IWF sein sollte, würde ich einen entsprechenden Brief dennoch allein an den IWF schicken, dann allerdings nicht im Namen aller Betroffenen, sondern natürlich nur in meinem Namen.

Wenn ein gemeinsamer Brief rausgehen sollte, dann würde ich am Schluss Jemanden hier aus dem Forum bitten (wir haben hier doch auch Englisch-Muttersprachler, oder?), den Brief „sauber und exakt“ zu übersetzen. Das traue ich mir mit meinem eher holprigen Englisch nicht richtig zu, zumal dann sicher nicht die vielen Nuancen sprachlich genau rüberkämen, was ich aber sehr wichtig fände.

Edith meint: Während ich hier geschrieben habe, wurde die Fristverlängerung des TIF bekannt gegebenen. Einige Formulierungen haben sich somit schon überholt. Ich habe sie aber soeben auf den aktuellen Stand angepasst.

Mann, Mann, Mann, jetzt überschlägt sich aber alles!

Einkommensteuererklärung 2008

30. Januar 2009

Ihre Anfrage wurde an das Steuerliche Info-Center (SIC) im Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zur Beantwortung weitergeleitet. Das SIC erbringt Serviceleistungen und beantwortet allgemeine und grundsätzliche Fragen, insbesondere zu den Aufgabenbereichen, die dem Bundeszentralamt für Steuern
(BZSt) durch das Finanzverwaltungsgesetzes übertragen wurden.

Zur Ihrer Anfrage teile ich Ihnen mit, dass Zinsen grundsätzlich dann zugeflossen sind, wenn diese fällig sind. Zinsen auf Sparguthaben sind grundsätzlich am 31.12. fällig und gelten damit grundsätzlich auch dann noch im abgelaufenden Kalenderjahr als zugeflossen, wenn die Gutschrift erst im neuen Kalenderjahr erfolgt. Ob dies aufgrund des Moratoriums auch gilt kann hier nicht beurteilt werden. Insoweit handelt es sich um eine spezielle Frage, die von der zuständigen Landesfinanzbehörde im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung zu entscheiden ist.

Aufgrund der finanzverfassungsrechtlichen Vorgaben sind die Landesfinanzbehörden (Finanzämter) für die Erhebung der Einkommen- und Umsatzsteuern zuständig und damit auch für die steuerrechtliche Beurteilung aller Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen. Finanzbehörden des Bundes haben rechtlich keine Möglichkeit in die (Entscheidungs-) Kompetenz der Länder einzugreifen oder durch Weisung Einfluss hierauf zu nehmen. Daher wäre ein Auskunft des SIC zu Ihrer Anfrage auch nur unverbindlich und ohne jede auswirkung gewesen.

Finanzämter haben im Bedarfsfalle die Möglichkeit, sich an Ihre Fachaufsichtsbehörde zu wenden. Das ist, je nach Bundesland, die zuständige Oberfinanzdirektion, die Landesfinanzdirektion oder das Landesamt für Steuern.

Aus vorgenannten Gründen schlage ich Ihnen vor, die Anfrage an Ihr zuständiges Wohnsitzfinanzamt zu stellen oder den Sachverhalt im Rahmen der nächsten Einkommensteuerveranlagung entscheiden zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Steuerliches Info-Center

Quelle: http://kaupthingedge.foren-city.de/topic,3663,-einkommensteuererklaerung-2008.html

Isle of Man: Umfassendes Entschädigungsprogramm für dortige Kaupthing-Kunden geplant

30. Januar 2009

Die Regierung der Isle of Man plane nach Zustimmung des Parlaments Tynwald, die frühe Vorabentschädigung für die Kunden von Kaupthing Singer & Friedlander Isle of Man (KSFIOM) von umgerechnet ca. 1080 € auf umgerechnet ca. 10.800 € zu erhöhen. Dadurch würden 40% der Sparer bei KSFIOM vollständig entschädigt.

Zusätzlich soll ein Entschädigungsprogramm eingerichtet werden, dass die Sparer vollständig entschädigen soll: 54% der Sparer sollen demnach innerhalb von drei Monaten vollständig ausgezahlt werden, 65% innerhalb von 12 Monaten vollständig ausgezahlt werden und 71% sollen ihr gesamtes Geld innerhalb von zwei Jahren zurückerhalten. Die verbliebenden 29% der Sparer würden zwischen 65% und 100% ihres Geldes zurück erhalten, was von der Höhe der letztendlich verwerteten Vermögenswerte abhänge. Das Entschädigungsprogramm wird von der Regierung der Isle of Man, dem dortigen Bankensektor und verwerteten Vermögenswerten [von KSFIOM?] finanziert.

Allerdings sind Aktionsgruppen von durch die Entschädigung Begünstigten gegen dieses Programm und wollen KSFIOM lieber in die Liquidation schicken. Dies würde dazu führen, dass die Sparer aus der Einlagensicherung der Isle of Man umgerechnet ca. je 54.000 € erhalten würden und zusätzlich das, was der Konkursverwalter zu Geld machen könne. Ungefähr 10.000 Sparer haben zusammen umgerechnet ca. 910 Mio. € bei KSFIOM angelegt.

Siehe die Meldung von Press Association sowie die Berichte von Manx Radio und MoneyMarketing (allesamt auf Englisch).

Iceland Review: Zur Einrichtung der drei neuen isländischen Banken

30. Januar 2009

Der Zeitplan, auf den sich die isländische Regierung und der IWF zur Verteilung von Vermögen und Schulden auf die drei neuen Banken geeinigt haben, kann wohl nicht eingehalten werden. Statt Ende Februar werde man voraussichtlich bis in den späten April brauchen. Das Verfahren habe sich als zeitraubender erwiesen als ursprünnglich gedacht.

Dennoch sei es wichtig, dass die Arbeit beschleunigt werde, damit Familien und Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten den bestmöglichen Bankenservice bekommen und damit die Banken wieder zu unabhängigen Einheiten werden könnten. Es wird erwartet, dass der Staat die neuen Banken mit etwa 2,5 Milliarden € ausstatten werde. Der endgültige Betrag bleibe aber solange unklar, bis die Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten abgeschlossen sei. Das Anteilskapital [des Staates?] werde in Form von Schatzbriefen zu Marktpreisen ausgegeben.

Eines der ersten Ziele bei der Bewertung der Vermögenswerte und Schulden gegenüber den Gläubigern der alten Banken bestehe darin, dass kein Vermögenswert unberücksichtigt bleiben dürfe. Die neuen Banken würden daher Anleihen für alle Vermögenswerte ausgeben, welche die Schulden übersteigen. Diese Anleihen müssten angemessen für die neuen Banken sein und würden als Sicherheiten an die alten Banken ausgegeben.

Siehe den vollständigen Bericht hier.

Pläne zur Reform der EU-/EWR-Einlagensicherung: Stellungnahmen von vzbv und Finanztest

30. Januar 2009

Erneuter Dank an Thomas, der uns regelmäßig über offizielle Statements der Politik zum Thema Kaupthing auf dem Laufenden hält!

Zur Einlagensicherung hat der Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Antworten auf die Fragen, die hier (siehe Teilüberschrift ,,Zur Zukunft der Einlagensicherung nach dem Fall Kaupthing“)  gestellt wurden.

Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv):

Der Fall der isländischen Bank Kaupthing, aber auch der Fall anderer in Mitgliedstaaten der EU in Schwierigkeiten geratenen Banken muss einen Ausbau der Absicherung der grenzüberschreitenden Einlagensicherung zur Folge haben. Die aktuellen Initiativen der EU (z.B. Änderung der Einlagensicherungsrichtlinie) reichen dabei nicht aus, da sie sich nur auf Sicherungsbeträge und Auszahlungsfristen beziehen, nicht aber das grundlegende Krisenfestigkeit sowie das grenzüberschreitende Funktionieren der Systeme überprüfen.

Dabei ist zu beachten, dass es nicht nur Aufgabe der Einlagensicherung ist, die jeweiligen Kontogelder der Verbraucher zu sichern. Vielmehr dient die Sicherung auch dazu, den Markt und die Institute selbst vor den Folgen einer aufgetretenen Schieflage zu schützen. Denn es ist diese Sicherung, die alleine den Verbraucher davon abhalten kann, nicht sofort und schnellstmöglich alle irgendwie verfügbaren Bestände in einer sich andeutenden Notlage einem Institut entziehen zu müssen. Dieses ansonsten absolut vernünftige Verhalten aus der Individualperspektive, das man etwa vor kurzem in Großbritannien, aber eben auch in Island erlebt hat, kann sonst alle Stabilisierungsbemühungen vereiteln und führt zu einem sicheren Bankmoratorium durch die Finanzaufsicht mit Folgeschäden für Dritte und all jene, die nicht als erste ihr Geld von der Bank geholt haben. Da diese Sicherung auf ein spürbares Vertrauen in die Leistungsfähigkeit aufbauen können muss, hat auch das potentielle Versagen eines solchen Systems im europäischen Ausland, einschließlich dem EWR, gefährliche Folgen auf die Wirkweise unserer Systeme im Schadensfall. Innerhalb der EU ist zu ergänzen, dass das Tagesgeld mit zu einem der bisher einzigen wirklich funktionierenden Finanzdienstleistungen im Binnenmarkt gehört hat. Nehmen wir dessen Idee ernst, muss die Einlagensicherung gestärkt werden, da ansonsten der ohnehin wenig etablierte grenzüberschreitende Finanzdienstleistungsmarkt künftig ganz wegbrechen dürfte, weil der Verbraucher aus dieser Krise die Botschaft mitnimmt, dass im Ernstfall nur das eigene Land sicher erscheint.

Die Kommunikationsschwierigkeiten mit dem ausländischen Sicherungssystem sind unserer konkreten Erfahrung nach erheblich. Das betrifft zum einen die Distanz (in Bezug auf Postlaufzeiten, Kontaktaufnahme, in diesem Fall sogar Zeitverschiebung), zum anderen die Sprache(isländisch beziehungsweise englisch; wenn man das Auswahlfeld auf der Webseite fand; in Teilen auch deutsche Hinweise zu Kaupthing, die man ohne Kenntnis der englischen Sprache aber eigentlich nicht erreichen konnte). Ein weiterer Punkt, der auch Schwierigkeiten bereitet, war die Frage, bis zu welchem Grad Rechtsgrundsätze, wie sie bei uns zur Einlagensicherung gelten, auch auf Island übertragbar sind beziehungsweise dort genauso interpretiert werden. Der letzte Punkt betrifft schließlich die Kapazitäten. Der Sicherungsfonds in einem Land mit etwas mehr als 300.000 Einwohnern ist rein personell mit einer Zahl von Zehntausenden von Anträgen auf Entschädigung überfordert, geschweige denn mit der Möglichkeit zur Auskunftserteilung. Über einen Kontakt mit dem isländischen Wirtschaftsministerium hat der Verbraucherzentrale Bundesverband versucht, eine Reihe von Informationen und Fragen der Verbraucher aufzufangen.

Ganz generell empfiehlt sich aus dieser Erfahrung:

Die nationalen Einlagensicherungssysteme sollten, ungeachtet der Frage, welcher Fonds dann für die Entschädigung in der EU und im EWR zuständig ist, immer als Kopfstelle für die Verbraucher im eigenen Land fungieren. Hier können keine Sprach- und Rechtsverständnisprobleme auftreten beziehungsweise sie sind frühzeitig entdeckbar, und jedes Land bereitet sich ohnehin kapazitiv auf eine entsprechende Bevölkerungs- beziehungsweise Betroffenenzahl personell vor. Der Austausch von Fragen und der nötigen Informationen zur Umsetzung der Anträge kann gebündelt und verbindlich viel einfacher nur unter den Fonds selbst dann erfolgen. Dies würde die Fähigkeit zur Regulierung auch durch eine Entlastung der kleineren Stellen beschleunigen helfen.

Einlagensicherungssysteme dürfen nicht versagen. Es ist aus unserer Sicht ein Mechanismus vorzusehen, mit dem in der EU und in den teilnehmenden Ländern ein Ausfallnetzwerk konzipiert wird. Es ginge dabei nicht darum, die Haftung für das Geschäftsgebaren ausländischer Banken auch unserer Volkswirtschaft aufzuerlegen. Zahlungspflichtig sollte daher der Fonds bleiben, in den letztlich auch von dem Bankhaus Sicherheit geleistet wurde, in der Regel also in jenem Heimatland. Aber es geht um ein Netzwerk zur Zwischenfinanzierung, das man besser vor als in der Krise knüpfen sollte. Der Verbraucher kann einen Ausfallbetrag nicht vorschießen, und der Ausfall trifft auch die einheimische Konjunktur. Damit so ein System kein eigenes Risiko wird, bedarf es dazu dann auch funktionsfähiger Grundsätze, wie die Fonds angemessen zu dem von ihren Instituten gestalteten Risiko aufzustellen sind.

Es gibt im Übrigen verschiedene Möglichkeiten, die Einlagensicherung europaweit zu gestalten, deren einzelne Auswirkungen aber gesondert zu evaluieren wären. Etwa Verbundsysteme für zumindest kleine Staaten, bei denen wie in Island eine volkswirtschaftliche Überforderung droht. Man könnte ferner aber auch eine Pflichtbeteiligung in den nationalen Systemen vorsehen, wenn ein bestimmtes Geschäftsvolumen mit Verbrauchern in jenem Land aufgelaufen ist. Dies kann dem Effekt vorbeugen, dass sich ein Institut gezielt in einem anderen Land etabliert, als in dem, in dem dann es einen wesentlichen Teil seines Geschäftsbetriebes und Risikos gestaltet. Dazu sind die Zugangsvoraussetzungen zu den Sicherungssystemen zu erweitern. Kaupthing wäre es gegenwärtig gesetzlich nicht einmal möglich gewesen, am deutschen staatlichen System zu partizipieren und einzuzahlen. Möglich wäre eine Beteiligung am privaten System. Dies ist aber kein hinreichender Schutz, da es nur den Bereich abdeckt, der den staatlich gesicherten Einlagebetrag übersteigt. Damit sichert das System des Bundesverbandes deutscher Banken für teilnehmende Auslandsbanken zwar sehr hohe Einlagen ab. Fällt das nationale System des anderen Landes aber aus oder kann es nicht zeitig leisten, steht die Mehrheit der Kontoinhaber trotzdem ohne Ersatz oder mit hohem Verlust dar, weil gerade die Einlagen zwischen 0 und 20.000 Euro nicht abgesichert sind.

Einlagensicherungssysteme müssen schnell arbeiten, aber auch nur so schnell, dass die Auszahlung auch wirklich gewährleistet werden kann, denn sie müssen wie dargestellt, bedingungslos zuverlässig operieren. Überlegungswürdig wäre eine Absicherung in zwei Stufen, die sehr schnell einen Teilbetrag für den monatlichen Bedarf verfügbar macht und dannzügig aber zuverlässig den Restbetrag.

Ein besonderes Problem entsteht, wenn sich eine Auslandsbank wie Kaupthing eines anderen Dienstleisters bedient, der Auszahlungsbeträge auf Grund mangelnder rechtlicher Absicherung der Kunden in den Verträgen einbehält und mit eigenen Forderungen aufrechnet. Im Zuge der Einlagensicherung ist nachhaltig festzulegen, dass Kontoeinlagen solange mit einem Erstattungsanspruch zu versehen sind, bis die Auszahlung des Kontobetrages in die Sphäre des Kontoinhabers tatsächlich bewirkt wurden, alternativ sind diese Gelder als Einlagen von jeder Aufrechungsfähigkeit durch Dritte deutlich gesetzlich auszuschließen und als Sondervermögen insolvenz- und drittanspruchsfest zu deklarieren.

Stiftung Warentest (Finanztest):

Firmen, die auf einem Markt wie Deutschland operieren, sollten natürlich über eine deutsche Infrastruktur zur Information ihrer Kunden verfügen. Eine bessere EU-weite Mindestregelung für Einlagen ist wünschenswert. Die Abwicklung der Ansprüche sollte am besten über die jeweils national zuständigen Stellen erfolgen. Diese nationalen Stellen könnten die Auszahlung berechtigter Ansprüche übernehmen und das Geld dann in den Partnerländern eintreiben. Vorstellungen zur konkreten Abwicklung sind hier sicher Aufgabe des VZBV.

Zur politischen Situation in Island: Regierungsbildung und Ausblicke auf den möglichen Kurs der neuen Regierung

30. Januar 2009

Die Koalitionsverhandlungen für eine Minderheitsregierung zwischen dem Juniorpartner in der alten Regierung, den Sozialdemokraten und den bisher oppositionellen Links-Grünen gehen anscheinend gut voran. Einig sind sich die Parteien, von denen die Sozialdemokraten den EU-Beitritt wollen und die Links-Grünen dem bisher skeptisch gegenüber standen, dass ein Referendum über EU-Beitrittsverhandlungen abgehalten soll – die Rede ist vom 30. Mai. Es wird außerdem erwartet, dass die Sozialdemokraten und die Links-Grünen je 4 Minister stellen wollen – 2 Minister sollen von außerhalb des Parlaments kommen. Der Parteiführer der Links-Grünen, Steingrimur Sigfusson, ist demnach als Finanzminister vogesehen, während das Finanzministerium und das Justizministerium mit unabhängigen Hochschulprofessoren (Gylfi Magnusson bzw. Bryndis Hlödversdottir) besetzt werden sollen. Unklarheit herrscht noch über das Datum der Neuwahlen – während Links-Grüne für April oder den frühen Mai sind, sind die Sozialdemokraten für den späten Mai – der isländische Präsident sprach sogar von Juni, was Mr. Sigfusson umgehend als ,,kein Gesprächsthema“ zurückwies. Siehe die Berichte von International Herald Tribune (auf Englisch), Iceland Review zum Ersten und zum Zweiten (beide auf Englisch) und Die Presse.

Porträts über die höchstwahrscheinlich künftige Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir findet man bei AP Associated Press (auf Englisch), Die Presse, Telepolis und WELT (03.02.). [Anmerkung Jan: Die sexuelle Ausrichtung spielt für mich keine Rolle für die Beurteilung, ob jemand ein guter oder schlechter Politiker ist. Für die Medien ist es anscheinend wichtig 😉 .] Update 31.01.: Ein weiteres Porträt findet sich in Süddeutsche Zeitung.

Mrs. Sigurdardottir wird bei Reuters (auf Englisch) mit den folgenden Worten zitiert: ,,Es ist klar, dass eine der ersten Amtshandlungen dieser Regierung die Ablösung der Gouverneure der Zentralbank sein wird.“ Auch Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson, immerhin seit 1996 an der Staatsspitze und bisher immer voll der Lobes für die Banken, bestätigte dies und sprach ebenfalls von der Notwendigkeit, die Bankgesetze zu verändern und den Vorstand der Zentralbank zu ändern (siehe Iceland Review – auf Englisch). [Anmerkung Jan: Das hätte Mr. Grimsson – immerhin seit 1996 an der Staatsspitze – mal ein paar Jahre zuvor fordern sollen anstatt die Banken bis zuletzt über den grünen Klee zu loben.]

Außerdem werde man nach Aussage von Mrs. Sigurdardottir die Entscheidung des noch amtierenden Fischereiministers, die Walfangquoten zu erhöhen, aller Voraussicht nach rückgängig machen. Dies berichtet Luxemburger Wort.

Der Standard berichtet, dass der EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn noch dieses Jahr einen Beitrittsantrag Islands erwartet. Allerdings sind nach letzten Umfragen nur 38% der Befragten für einen EU-Beitritt, aber 56% für die Einführung einer neuen Währung (davon wiederum 70% für den Euro). Die einseitige Einführung des Euro werde man aber nicht akzeptieren, machte der EU-Erweiterungskommissar aus Finnland klar.

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