Post aus Großbritannien: So lief dort die Auszahlung der Sparer

13. Mai 2009

Nachfolgender Text darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung der zuständigen Behörde weiterverbreitet werden!

Nachdem ich das britische FSCS angeschrieben habe, bekam ich folgende Hinweise zum Rückzahlungsverfahren.

The FSCS would like to point out:

1. The Financial Services Compensation Scheme (FSCS) is the UK’s statutory fund of last resort for customers of authorised financial services firms. This means that the FSCS can pay compensation if a firm is unable, or likely to be unable, to pay claims against it. The FSCS is an independent body, set up under the Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA). Its service is free to consumers. More information about the protection provided is available from www.fscs.org.uk http://www.fscs.org.uk

2. The FSCS does not endorse or recommend this website.

Sinngemäße Übersetzung der Erklärung des FSCS:

Das FSCS möchte betonen:

1. Das Financial Service Compensation Scheme (FSCS) ist der britische, gesetzliche Fonds des letzten Auswegs für Kunden von zugelassenen Finanzdienstleistungsunternehmen. D.h. dass das FSCS Entschädigung zahlen kann, falls ein Unternehmen nicht in der Lage ist oder wahrscheinlich nicht in der Lage sein wird, Ansprüche gegen es zu bedienen. Das FSCS ist eine unabhängige Einrichtung, eingerichtet unter dem Financial Service and Markets Act 2000 (FSMA). Sein Angebot ist für Kunden kostenlos. Mehr Informationen über die bereitgestellten Sicherheiten sind verfügbar unter www.fscs.org.uk www.fscs.org.uk .

2. Diese Webseite wird vom FSCS weder unterstützt noch empfohlen.

Auszüge aus der Mail des FSCS an uns (sinngemäße Übersetzung):

[…]Unsere oberste Dringlichkeitsstufe/Priorität war es, dass die Kunden von Icesave UK so schnell und sicher wie möglich ihr Geld bekommen, wobei das einfachst mögliche System verwendet werden sollte, mit dem die Kunden – als Internet-Nutzer – vertraut sein sollten. Wir entschieden uns dafür, mit den Icesave Kunden per E-Mail in Kontakt zu treten, da dies den wirksamsten/effizientesten und schnellsten Kommunikationsweg darstellt.

Der Mehrheit der Icesave-Kunden wurde die Möglichkeit angeboten, ihre Spareinlagen elektonisch zurückzufordern, indem sie sich in ihre Konten einloggen sollten, wenn sie vom FSCS dazu angewiesen werden. Das elektronische Überweisungsverfahren schloss am 30. Dezember 2008 und beinahe 200.000 Anspruchsberechtigte wurden auf diesem Wege entschädigt.

Die übriggebliebenen Anspruchsberechtigten [Anmerkung: ca. 16.000 – siehe Nr. 41 der Icesave FAQ’s auf der Website des FSCS ], die aus einer Reihe von Gründen nicht im elektronischen Verfahren entschädigt werden konnten, mussten Antragsformulare ausfüllen. Es war unser Ziel, die Entschädigung innerhalb von sechs Wochen nach Erhalt eines ausgefüllten Antragsformulars zu zahlen. Allerdings war dies nicht immer möglich, was mit den Umständen des Anspruchs zusammenhing. Der Mehrheit der Icesave-Ansprüche per Papier sind nun abgeschlossen worden.[…]

Icesave-Sparer waren durch das isländische Heimatstaatprogramm für die ersten 20.887 € abgesichert, während der Restbetrag ihrer Spareinlage bis zu insgesamt 50.000 Pfund [Anmerkung: ca. 56.000 € ] je Sparer und Einrichtung durch das FSCS abgedeckt war. Allerdings übernahm das FSCS – nach Gesprächen zwischen FSCS, H M Treasury [Anmerkung: Britisches Finanzministerium ] und isländischen Behörden – das gesamte Verfahren zur Entschädigung von Anspruchsberechtigten, sodass diese ihre Ansprüche nicht bei mehr als einer Behörde stellen mussten. Mit Annahme der Entschädigung durch das FSCS verschafften uns die Anspruchsberechtigten das Recht, Rückerstattung bei der isländischen Regierung und jeder anderen in Frage kommenden dritten Partei für die vom FSCS gemachten Zahlungen. Wie Ihnen vermutlich bekannt ist, fror H M Treasury die Finanzmittel der Landsbanki im UK ein, um die britischen Wirtschaftsinteressen zu schützen [Anmerkung: Hieran hat sich der Streit um die Anwendung von Anti-Terror-Gesetzen bei diesem Vorgehen entzündet. ].

Das FSCS hat die Anspruchsberechtigten von Icesave vollständig entschädigt, aber die britische Regierung hat 2,3 Milliarden Pfund [Anmerkung: umgerechnet ca. 2,76 Mrd. € ] an die isländischen Behörden geliehen, sodass diese uns den Teil der Icesave-Ansprüche erstatten können, für den sie verantwortlich sind (20.887 €).

Darüber hinaus hat das H M Treasury bekannt gegeben, dass alle privaten Sparer, die berechtigt waren, Entschädigung nach den FSCS-Regeln zu erhalten, – in Überschreitung unserer Entschädigungsgrenze von 50.000 Pfund – vollständig für ihre Spareinlagen entschädigt würden.

Kaupthing Singer & Friedlander Ltd. (ein im UK eingetragenes Unternehmen) war vollständig durch die Finanzmarktaufsicht (Financial Services Authority – FSA) zugelassen, sodass die dortigen Spareinlagen bis zu 50.000 Pfund durch das FSCS geschützt waren. Kaupthing Edge-Konten wurden – ebenso wie die Mehrzahl der Konten bei Heritable [Anmerkung: ebenfalls eine britische Niederlassung der Landsbanki ] auf die ING Bank übertragen.

Hinsichtlich der Zinszahlungen wurden die Anspruchsteller für ihren Kontostand am Tag der Zahlungseinstellung, dem 07. Oktober 2008, entschädigt, wobei keine Zinsen nach diesem Tag gezahlt wurden – mit Ausnahme der Anspruchsteller, die Festgeldkonten hatten. Diese Anspruchsteller, die sich dafür entschieden, ihr Festgeldkonto bis zur Fälligkeit zu halten, werden die aufgelaufenen Zinsen am Fälligkeitstag erhalten, in Übereinstimmung mit der mit der Bank getroffenen vertraglichen Vereinbarung.[…]

Ebenfalls interessant sind die News vom 08.10.2008 auf der Website des FSCS . Bereits zu diesem Zeitpunkt gab H M Treasury bekannt (sinngemäß übersetzt):

HM Treasury [britisches Finanzministerium] bekräftigte an diesem Morgen, dass – falls für Landsbanki wie erwartet sehr bald die Zahlungsunfähigkeit bekannt gegeben wird – die Regierung sicherstellen wird, dass kein privater Sparer als Folge der Schließung von Icesave Geld verlieren wird.[…]

Wie das vom BMF so vielzitierte Topping-Up wirklich funktioniert, wird auch noch einmal deutlich in den News vom 07.10.2008 auf der Website des FSCS erklärt (siehe auch Nr. 4 der Deposit claims FAQs auf der Website des FSCS ). Sinngemäße Übersetzung:

[…] Icesave ist die britische Niederlassung von Landsbanki Islands hf. (die hier unter dem eingetragenen Namen Icesave Geschäfte macht). Es ist eine EWR-Bank, die von der isländischen Finanzmarktaufsicht (FME) zugelassen ist. […]

Berechtigte Sparer bei Icesave sind hinsichtlich ihrer Spareinlagen durch den isländischen Einlagensicherungsfonds TIF [unterlegt mit dem uns bestens bekannten Link] bis zu einer Höhe von 20.887 € abgesichert. Da sie eine isländische Bank ist, ist Icesave nicht von selbst Mitglied des FSCS – allerdings hat sie sich dafür entschieden, ein ‚top-up‘ Mitglied zu werden. D.h. dass berechtigte private Sparer bei der britischen Niederlassung von Icesave, deren Ersparnisse die isländische Sicherungsgrenze übersteigen, von der darauf gesetzten Entschädigung des FSCS profitieren würden – diese deckt den Betrag über der isländischen Sicherungsgrenze bis zur neuen Entschädigungsgrenze des FSCS für Spareinlagen i.H.v. 50.000 Pfund ab.[…]

In den News vom 10.10.2008 erklärt das FSCS auf seiner Website , wie dieses Verfahren im Fall von Icesave im Interesse der Sparer vereinfacht wurde (sinngemäße Übersetzung):

[…] Viele Anrufer bei unseren Hilfe-Telefonnummern erfragten, ob sie getrennte Anträge stellen müssen – in Island, an uns und an die Regierung. Wir bleiben hoffnungsvoll, dass wir in der Lage sein werden, eine Vereinbarung über Regelungen zu erreichen, durch die Sie direkt nur mit einer der drei Organisationen zu tun haben werden: dem FSCS.[…]

Auch kamen die britischen Behörden in ihren Verhandlungen mit den isländischen Behörden zügig voran. So meldete das FSCS am 17.10.2008 auf seiner Website (sinngemäße Übersetzung):

Über 200.000 britische Sparer mit ungefähr 300.000 Konten bei Icesave, der Niederlassung UK von Landsbanki, sind einen Schritt näher dran, ihr Geld diese Woche zurück zu bekommen, da die Behörden des UK und Islands am Verfahren zur Beschleunigung der Entschädigungszahlungen arbeiten.

Das FSCS – zusammen mit Vertretern des britischen Finanzministeriums, der Finanzmarktaufsicht und der Bank von England – traf sich letztes Wochenende mit ihrem Gegenüber in Island. Bedeutende Fortschritte wurden gemacht und ein beschleunigter Ansatz für die Entschädigungszahlung wurde im Grundsatz vereinbart.

Seitdem haben die britischen Behörden an den Einzelheiten der Alternativen zum herkömmlichen, formulargebundenen Entschädigungsverfahren gearbeitet – diese wurden den isländischen Gegenüber zur Eröterung übergeben.

FSCS-Vorstandsvorsitzende Loretta Minghella sagte heute: „Unsere Botschaft zu unseren Sparern, denen Schutz durch uns eingeräumt wird, ist einfach: Ihr Geld ist sicher. Unser oberstes Anliegen ist es sicherzustellen, dass Sie es so schnell wie möglich zurückbekommen. Deshalb unternehmen wir alles, was wir können, um eine erfindungsreiche Lösung zu finden, die das Verfahren merklich beschleunigen wird.“

Währenddessen haben wir eng mit den Systemadministratoren für Icesave zusammen gearbeitet, sodass wir zeitnah Zugang zu den Daten erhalten, die wir für die Nachprüfung der Ansprüche brauchen. Wir sind erfreut zu berichten, dass wir ausgezeichnete Zusammenarbeit von diesen erhalten.[…]

Wer diese Informationen noch vertiefen möchte, dem empfehle ich auf der Seite des FSCS die Icesave FAQs (insbesondere Nr. 25 und 27 zu den Zinsen) sowie zum Entschädigungsverfahren die News vom 08.10.2008 und vom 28.11.2008 .

I would like to thank the employees at the FSCS a lot for enabling us to present the FSCS‘ s great success regarding Icesave to German savers at Kaupthing Edge via this website.

[Ich danke den Mitarbeiterinnen des FSCS vielmals, dass sie es uns ermöglicht haben, den deutschen Kaupthing-Sparern über diese Webseite den großen Erfolg des FSCS hinsichtlich Icesave vorzustellen.]

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