Bankenneuordnung in Island verzögert sich weiter

16. Mai 2009

Sinngemäße Übersetzung der englischen Reuters-Meldung vom 12.05.:

Gespräche in Island über zusammengebrochene Banken verzögern sich

Island sagte am Dienstag (12.05.), dass sich die Gespräche mit den Gläubigern über die Aufteilung der Vermögenswerte der zusammengebrochenen Banken verzögern. Dies sei Problemen bei der Bewertung des Vermögens der neuen Banken, die nach der finanziellen Kernschmelze des Landes errichtet wurden, geschuldet.

Informelle Gespräche über die Bewertung der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten der zusammengebrochenen Banken haben begonnen, aber eine endgültige Abmachung mit den Gläubigern könnte sich nun sehr wahrscheinlich um ein paar Wochen verzögern. Dies sagte Indridi Thorlaksson – Parlamentarischer Staatssekretär beim Finanzministerium – gegenüber Reuters.

Die Finanzaufsichtsbehörden waren zuvor davon ausgegangen, dass eine Vereinbarung bis zum 18. Mai erreicht werden könnte.

„Ich würde erwarten, dass irgendwann Anfang Juni das wahrscheinliche Datum sein wird“, sagte Thorlaksson. „Das Schiff war schwerer als erwartet.“

Neuordnung und Wiederaufbau des Bankensektors, ebenso wie Rückzahlungen an Gläubiger und die Festigung der Währung (Isländische Krone), sind die Schlüsselelemente des 10 Mrd. US-Dollar-Plans, das mit dem Internationalen Währungsfonds und Islands europäischen Nachbarn letztes Jahr vereinbart wurde.

Die größten Geschäftsbanken – Kaupthing, Landsbanki und Glitnir – sind allesamt letztes Jahr zusammen gebrochen, eingeknickt unter dem Gewicht von massiven Schulden. Zurückgelassen wurden die Gläubiger, denen Milliarden US-Dollar geschuldet werden.

Die Regierung spaltete den inländischen Betrieb ab, um auf der Insel ein funktionstüchtiges Finanzsystem zu erhalten. Die neuen Banken wurden New Kaupthing Bank, NBI und Islandsbanki getauft.

Die isländische Finanzaufsichtsbehörde hatte erklärt, dass die „Alten Banken“ und Gläubiger dafür durch Zahlungen in Form von Anleihen entschädigt würden. Die Anleihen würden die neuen Banken aufgrund einer Netto-Vermögensbewertung durch Deloitte & Touche herausgegeben.

Die größte Aufgabe besteht nun in dem Risiko, dass in den Bilanzen der sog. neuen Banken verbleibt. Die Regierung könnte neues Eigenkapital bereitstellen müssen, um das Risiko zu beseitigen, damit die Gläubiger sicher sein können, dass diese Anleihen zurück gezahlt werden.

Einflüsse wie z.B. wirtschaftliche Unsicherheiten und eine mögliche Neuordnung von Krediten machen die Annahme „unwahrscheinlich“, dass eine Vereinbarung mit Gläubigern auf einen Einheitskurs für die Vermögenswerte erreicht werden könnte, meinte das Finanzministerium.

Weitere finanzielle Angaben über die neuen Banken, z.B. Geschäftspläne, werden ebenfalls benötigt, sagte das Ministerium.

Gestern, am 15.05. hat die isländische Finanzaufsicht FME dann bekannt gegeben, dass sie nicht mehr an den ursprünglichen Endterminen für die Anleihen festhalten werde. Die Verlängerung der Ablauffristen sei notwendig, da der endgültige Fahrplan für die Vervollständigung der Bedingungen für diese Finanzinstrumente noch nicht vorliege. Dabei sei es möglich, dass diese Bedingungen vorsichtig überarbeitet würden. Es sei nicht klar, wie lange die Verlängerung andauern werde, da ein erfolgreiches Ergebnis entscheidend sei. Allerdings werde eine Entscheidung darüber nicht später als 15. Juni 2009 fallen.

Siehe zum Prozess der Bankenneuordnung in Island auch unsere Berichte vom 12.05., 04.05., 26.04., 23.04., 19.04., 15.04., 29.03., 07.03., 26.02., 20.02. und 30.01.

Eine Reaktion zu “Bankenneuordnung in Island verzögert sich weiter”

  1. Janam 16. Mai 2009 um 21:13 Uhr

    Wie zu erwarten war, machen die mächtigen Gläubiger (zahlreiche internationale, auch deutsche Großbanken) den Isländern anscheinend mächtig Druck hinsichtlich der Konditionen der Anleihen. Da war der ehrgeizige Fahrplan der Isländer für die Bankenneuordnung wohl nicht zu halten.

    Den 15.06.2009 werde ich mir dick im Kalender anstreichen und das Geschehen der Bankeneuordnung weiter verfolgen. Für mich gibt es da einen klaren Zusammenhang zwischen diesem und der Freigabe unserer Gelder.

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