Bericht vom Kaupthing-Besuch in Island

7. Juni 2009

Hallo zusammen,

wie angekündigt haben wir am 5. Juni das Kaupthing HQ in Reykjavik, Bogartun 19 besucht. Das Gebäude ist architektonisch sehr ansprechend, um ein vielfaches grösser als die isländischen Regierungsgebäude und in direkter Nachbarschaft eines geschichtsträchtigen Orts: Reagan und Gorbatschow hatten dort 1986 beschlossen, den kalten Krieg zu beenden.

Mittlerweile hat dort anstelle des alten Vorstands das resolution comittee für die old Kaupthing das Sagen und genau diese Verantwortlichen waren das Ziel unseres Besuchs. Nachdem dort bereits eine Vorwarnung eingegangen war, wurden wir auch recht zügig von Eva G., der Managing Director für die Rückzahlung der deutschen Kaupthing Edge Konten empfangen. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch die Rückläufer persönlich übergeben. Im Laufe des freundlichen und professionell geführten Gesprächs haben wir folgende Informationen bekommen:

  • Mittlerweile arbeiten 10 Voll- und 5 Teilzeitkräfte an der Bearbeitung der deutschen Briefrückläufer, bisher sind 10.000 Briefe eingegangen und wurden ins System eingearbeitet. Um das procedere weitere zu beschleunigen, werden nächste Woche weitere 10 Resourcen auf dieses Thema allokiert.
  • Damit sollten bis Ende Juni die allermeisten Rückläufer im System sein und die Auszahlung kann beginnen. Da die Auszahlung über die isländische Zentralbank erfolgt, könnten dort noch Verzögerungen auftreten, die vom resolution comittee nur bedingt beeinflusst werden können.
  • Zinsen: unsere Zinsforderungen sind gleichrangig mit den viel, viel höheren Forderungen der institutionellen Anleger – insbesondere deutsche Banken. Ein sinnvolle Verwertung der noch vorhandenen assets ist derzeit nicht möglich. Die Strategie ist, auf bessere Zeiten zu hoffen und die assets zu günstigeren Zeitpunkten zu verkaufen. Dieser Prozess wird sich über Jahre hinweg hinziehen und vermutlich auch nur zur Rückzahlung eines jetzt noch schwer abzuschätzenden Teilbetrags führen. In diesem Zusammenhang wurde das Analogon von Argentinien gebracht, wo nach 8 Jahren mittlerweile gut 2/3 der Forderungen beglichen sind. Ob der isländische Einlagensicherungsfonds an dieser Stelle einspringen wird, konnte nicht geklärt werden.

Meine Bewertung:

  • Es wird ernsthaft und mit Hochdruck an der finalen Rückzahlung der Einlagen gearbeitet. Glasnost vom Nachbarhaus hat offensichtlich auch abgefärbt und es herrscht eine offene Kommunikation. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit entsprechender „Begleitung“ unsere Einlagen in wenigen Wochen zurück haben werden.
  • Die Zinsen werden wir so schnell nicht sehen und ich rechne nur mit einem kleinen Teilbetrag in ein paar Jahren.
  • Mit der Verstaatlichung der isländischen Banken hat der isländische Staat die Verantwortung übernommen und ist jetzt nicht in der Lage, die Verpflichtungen zu begleichen. De facto ist der isländische Staat bankrott.
  • Besonders enttäuschend empfinde ich das Verhalten des deutschen Staates, bzw. des Bundesfinanzministeriums. Von irgendeinem sinnvollen Beitrag war nirgends die Rede. 30.000 Kleinanleger sind denen offensichtlich egal, die haben eine andere Agenda. Wir können uns nur auf uns selbst verlassen.

Die Bilder sind im Anhang [EDIT: sollen im Forum bereitgestellt werden]. Viele Grüße Robert

Quelle: Forum

7 Reaktionen zu “Bericht vom Kaupthing-Besuch in Island”

  1. xyzam 7. Juni 2009 um 21:48 Uhr

    Verlass dich auf dich selbst, sonst bist du verlassen. Für uns deutsche Kaupthing-Sparer – wie wahr. Möge unseren Finanzminister der Blitz beim … treffen.

  2. Freddieleinam 8. Juni 2009 um 06:35 Uhr

    Zum letzten Absatz:

    Wenn mich nicht alles täuscht, forderte ein gewisser Peer Steinbrück vor einigen Tagen „Dankbarkeit und Lob“ für die Vorgehensweise des deutschen Staates.

    Es ist gut, dass ich noch nicht gefrühstückt habe – sonst wäre das schöne Essen jetzt wieder draußen…

  3. Janam 8. Juni 2009 um 12:52 Uhr

    „In diesem Zusammenhang wurde das Analogon von Argentinien gebracht, wo nach 8 Jahren mittlerweile gut 2/3 der Forderungen beglichen sind.“

    8 Jahre – das ist für eine Bankeninsolvenz in dieser Größenordnung schon sehr optimistisch. In Deutschland hat die Abwicklung wesentlich kleinerer Institute schon länger gedauert…

    Und Argentinien? Da habe ich aber ganz andere Informationen als Kaupthing. Sieht mir eher nach steinigem Weg bis hin zu Klagen bis zum Bundesverfassungsgericht aus:

    FAZ

    Pressemeldung zu einem Urteil des OLG Frankfurt

    Mitteilung auf Webseite eines Anwalts

    unterster Kommentar zum Artikel bei Focus.de

  4. nomoneyam 8. Juni 2009 um 14:30 Uhr

    Neben der Sammelklage an Kaupthing solllten wir gleich unsere Bundesregierung und sämtliche Mitlgieder des Bundestages und der Landtage mitverklagen – wegen Inkompetenz, Ignoranz, Verläumdung und Befangenheit!
    Bis die Einlagen gezahlt sind, können wir uns aber erstmal gemütlich zurücklehnen und weiterhin an den Weihnachtsmann glauben! 😉

    Viele Grüße liebe Mitstreiter

    Anmerkung Dirk: Was genau meinst Du mit „Verleumdung und Befangenheit“. Bitte etwas konkreter. Ohne Beispiel ist das sehr pauschal.

  5. nomoneyam 8. Juni 2009 um 16:53 Uhr

    Ich meine damit, daß man (also wer auch immer – am besten alle ;)) doch wohl einig waren, daß wir, die wir bei Kaupthing den großen Schnitt machen wollten, einfach dumme Spekulanten sind, und es nicht anders verdient haben. Wir hätten uns ja auch für seriösen Institute (schicker Anzug, Kravatte, polierte Schuhe – außen hui, innen pfui) entscheiden können.
    Das paßt ungefähr zum Begriff „Verleumdung“. Die Hinhaltetaktiererei auch!
    Und Befangenheit paßt sowieso. Wenn ab Landeseben sogar die Linken Pöstchen schaffen, die keiner braucht, außer derjenige, der es bekommt und seine „Freunde“, und für die ja auch gar kein Geld da ist – oder ist doch Geld da? – dann kann es bei den „seriösen“ kaum besser/anders sein!

    Ja, das ist sehr polemisch und rethorisch bin ich nicht geschult + geübt – ganz im Gegensatz zu den Herren und Damen, die für uns von den offiziellen Instanzen als Public Relation Stuff eingesetzt worden sind.

    Und mit Schwarz-Rot-Gold hammer jetzt ja auch in Eurpa, was Europa braucht.

    Wenn der Mensch auch nur eines richtig gut kann, dann ist es das Sich-Irren. Da ist er Meister und dem Instinkt der anderen Säugetiere auf diesem Planten immernoch haushoch unterlegen. Ganz besonders hinsichtlich der Mengen, in denen er die Erde bevölkert.

    Ich weiß, hat nix mit unserem Geld und den gestohlenen Zinsen zu tun. Darf ja jede Glauben, was sie möchte. Das hat ungefähr die Qualität wie, daß es in Wirklichkeit keine Sau interessiert, daß ungefähr alle 2 Sekunden ein Kind an Hunger oder Durst stirbt auf dieser Welt. Ja, auch ich schere mich meistens nicht darum und fühle mich wohl, wenn mich einigermaßen gute Nahrungsmittel gesättigt, oder leckere Naschereien befriedigt haben. Aber, ich tu auch nicht so, als ob mich das Wohl des Volkes, oder gar das der Menschheit weit über mein eigenes Leben und das meiner Freunde (würde ich noch auf freundliche Menschen ausdehnen – Freundlichkeit, ganz klar und unbedingt wichtig von Höflichkeit zu unterscheiden) hinaus in Wahrheit interessiert!

    Viele Grüße

  6. Heindieteram 9. Juni 2009 um 14:43 Uhr

    Hallo Dirk,

    ich vermisse eine Aussage der Kaupthing Bank, warum die Rückläufer
    nicht unmittelbar nach Kontrolle zur Auszahlung gelangen.

    Keine Bank der Welt sammelt Überweisungen oder Zahlungsanweisungen
    um sie dann (irgendwann nach Wochen/Monaten) per System auszulösen bzw.
    abzuwickeln.

    was hat man Euch dazu gesagt?

    viele Grüsse an Alle

    Heindieter

  7. Dirkam 9. Juni 2009 um 14:48 Uhr

    …genau hierzu warte ich auch noch auf eine Antwort. Haben wir natürlich schon angefragt.

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