Reaktionen in Island auf die Einigung zwischen Island, GB & NL

13. Juni 2009

In Island haben ca. 700 Leute wie im letzten Winter gegen die Icesave-Einigung (siehe unsere Artikel vom 07.06.09 Nr. 1 und Nr. 2) vor dem Parlament demonstriert, v.a. gegen den hohen Betrag, für den die isländischen Steuerzahler bürgen müssen, sowie den vereinbarten Zinssatz. Finanzminister Steingrimur Sigfusson sagte währenddessen im Parlament, dass die alte Regierung zugesichert habe, dass die Spareinlagen in den Niederlanden und in Großbritannien durch Island abgedeckt werden, sodass der Finanzminister nun an dieses Versprechen gebunden sei. Außerdem erinnerte Steingrimur Sigfusson daran, dass es letzten Oktober danach aussah, als ob Island mit den Niederlanden einen Vertrag über einen 10-Jahres-Kredit mit beginnenden Zahlungen ab 3 Jahren und einem jährlichen Zinssatz von 6,7 % unterzeichnen würde. Siehe IceNews (in Englisch).

Insgesamt schuldet Island Großbritannien und den Niederlanden 3,88 Mrd. €, wovon umgerechnet ca. 2,68 Mrd. € auf GB und auf 1,2 Mrd. € auf NL entfallen. Der Vorsitzende des isländischen Icesave-Verhandlungskomitee – Svavar Gestsson – sagte: „Alles war auf dem Scheiterhaufen. Alles wackelte und schwankte hier in diesem Winter, auch der EWR-Vertrag, soweit ich es verstehe, auch wenn ich nicht die ganze Geschichte wiedergeben kann. Wir standen schlicht vor zwei Möglichkeiten: Einerseits Möglichkeit A, die aus dem Erreichen einer Vereinbarung mit der internationalen Gemeinschaft bestand. Andererseits Möglichkeit B, die die Lossagung von ihr einschloss. Denn wäre Island in Gefahr gewesen, isoliert zu werden, sodass meiner Meinung nach die Armut und die Schwierigkeiten sehr viel schlimmer gewesen wären als andersherum.“ Der Wirtschaftsminister Thórólfur Matthíasson sagte, dass die Isländer zufrieden mit der Vereinbarung sein können, obwohl er natürlich die Kritik derjenigen verstehen könne, die eine für Island günstigere Lösung gewollt haben. Siehe Iceland Review (in Englisch).

Außerdem wird erwartet, dass die neue Landsbanki (NBI) umgerechnet ca. 1,6 Mrd. € an die alte Landsbanki zahlen wird, nachdem die Abrechnung für die übertragenen Vermögenswerte feststeht (siehe auch unsere Artikel vom 16.05.09, 04.06.09 und 05.06.09 und die dort enthaltenen Verweise). Außerdem wurde bekannt, dass die Landsbanki-Tochtergesellschaft in London mindestens ca. 730 Mio. € Kredite an isländische Unternehmen, die an sog. „Finanzwikinger-Expansionsgeschäften im Ausland“ beteiligt waren, vergeben hat. Siehe erneut Iceland Review (in Englisch).

Eine Reaktion zu “Reaktionen in Island auf die Einigung zwischen Island, GB & NL”

  1. xyzam 14. Juni 2009 um 11:30 Uhr

    Ich kann es verstehen, dass die isländische Bevölkerung gegen die enorme Schuldenlast protestiert und empfinde mit, was die Menschen jetzt und zukünftig dafür entbehren müssen. Aber als noch alles scheinbar bestens gut ging, hat sich dort auch niemand beklagt, wieso und woher das kommt.

    Und für meine Probleme empfindet niemand etwas, schon gar nicht in Island. Die muss ich alleine lösen. Und ich habe einen Geldanlage-Vertrag mit einer isländischen Bank geschlossen, der ist einzuhalten, andernfalls handelt man widerrechtlich, ist ggf. ein Betrüger – auch wenn man sich auf eine entsprechend gemachte Rechtslage beruft. Denn Vertrag ist Vertrag. Auch ich muss meine vertraglichen Verpflichtungen einhalten, andernfalls bin auch ich ggf. ein Betrüger und werde zur Rechenschaft gezogen. In der Vereinbarung mit der isländischen Bank ist ein Zinssatz festgeschrieben, der einzuhalten ist. Ich will mein Geld dafür haben, insbesondere, weil man meine Geldanlage schon über Monate widerrechtlich festhält und mir auch über eine langen Zeitraum gar nicht oder nur minimal zurück zahlen wollte, mir nun schon über bald ein Jahr schlaflose Nächte und finanzielle Probleme bereitet hat. Von meinem weiteren finanziellen Schaden durch dieses Geschehen mag ich hier nicht erst etwas sagen, der wäre auch anzuführen.

    Dies soll die isländische Bevölkerung auch einmal überdenken. Und wenn man sich dort beklagt, so muss es auch an die richtige Adresse gerichtet sein, nicht an Unschuldige. Dass nun der eine Betrogene versucht, sich so auf Kosten des anderen herauszuhelfen, ist ebenfalls nicht rechtmäßig.

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