Aufklärung des Bankenzusammenbruchs in Island gestaltet sich schwierig

15. Juni 2009

Einerseits wurde eine prekäre familiäre Verbindung bekannt: Der Sohn des isländischen Generalstaatsanwalts ist einer von zwei Vorstandsvorsitzenden bei Exista, die einer der größten Anteilseigner bei der Kaupthing Bank war. Und alle Fälle, die Islands Komitee zur Untersuchung des isländischen Bankenzusammenbruchs zur Strafverfolgung bringen will, gehen an den Generalstaatsanwalt. Wegen dieser (und anderer Familienverbindungen von Staatsanwälten) will der Justizminister eine neue Staatsanwaltschaft schaffen, die sich – unter Umgehung des Generalstaatsanwalts – ausschließlich mit den Fällen des Sonderuntersuchungskomitees beschäftigen soll.

Der Chef des Sonderermittlungskomitees, Olafur Thor Hauksson, sagte dass er eine Aufstockung seines Ermittlungspersonals um „absolut mindestens“ die Hälfte benötige.

Die bekannte Ermittlerin Eva Joly, Beraterin des Sonderermittlungskomitees und kürzlich gewähltes, französisches Mitglied des Europäischen Parlaments, teilte die Meinung und brachte in einem Interview ihre eigene wachsende Unzufriedenheit mit den fortlaufenden Ermittlungen zum Ausdruck. In ihren Augen müsse außerdem der Leiter der Ermittlungen durch drei ersetzt werden: Einen für jede Bank. Außerdem müsse Island mehr auswärtige Experten engagieren, um die Ermittlungen zu unterstützen. Eva Joly hielt es für möglich, dass sie ihre Aufgabe in Island aufgeben werde, falls die Regierung ihren Ratschlägen in Zukunft nicht mehr Aufmerksamkeit schenken werde.

Siehe IceNews (in Englisch) und zur Untersuchung des Bankenzusammenbruchs in Island auch unsere Artikel vom 09.04.09, 30.03.09, 13.03.09, 05.02.09 und 15.01.09.

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