Bloomberg: Kaupthing-Insolvenzquote bekannt gegeben!

8. September 2009

Diesen Artikel von Bloomberg (in Englisch) übersetze ich noch einmal sinngemäß ganz, weil er sehr wichtige Informationen enthält. Hervorhebungen von mir:

Die Gläubiger der Kaupthing Bank hf. würden von  ihren Forderungen etwa 20% im Abwicklungsverfahren ersetzt bekommen.

„Einige der Tochtergesellschaften der Bank wurden verkauft oder wurden von Finanzaufsichtsbehörden der jeweiligen Länder übernommen“, sagte Steinar Thor Gudgeirsson, Vorsitzender des Resolution Committee (Zwangsverwaltungskomitee) von Kaupthing, gestern in einem Interview in Reykjavik. Schulden von „knapp über 3000 Mrd. Isländischen Kronen (24 Mrd. US-Dollar) stehen aus. Im November schätzten wir, dass die Vermögenswerte der Bank zur damaligen Zeit ca. 618 Mrd. Isländische Kronen (ISK) wert waren. Es deutet alles darauf hin, dass sich ihr Wert seitdem erhöht hat.“

Kaupthing war die größte der drei wichtigsten isländischen Banken, die zusammenbrach, nachdem sie sich nicht mehr kurzfristig finanzieren konnten. Der Zusammenbruch ließ das Resolution Committee, das die Befugnisse eines Vorstands hat, mit der Aufgabe zurück, 50 Mrd. US-Dollar an Forderungen zu begleichen.

Die meisten Sparer der Bank hätten bereits ihr Geld erhalten. Dagegen sei es noch nicht absehbar, wann die gewöhnlichen Gläubiger Geld zurück erhalten, sagte Gudgeirsson. Spareinlagen sind zusammen mit Löhnen, Gewerkschaftsbeiträgen und Pensionszahlungen als vorrangige Forderungen („Priority Claims“) eingestuft. Gewöhnliche Forderungen, z.B. solche von Geldgebern und Anleihegläubigern von Kaupthing werden noch länger nicht ausgezahlt werden. Das Resolution Committee schätzt, dass es einen vollständigen Überblick über seine Gläubiger am 30. Dezember haben wird – dem Tag, an dem der allgemeine Anspruchsprozess enden wird.

„Im Moment ist es nicht möglich, den genauen Wert der Ansprüche gegen die Bank und den rückzahlbaren Wert der Vermögenswerte der Bank zu schätzen“, sagte Gudgeirsson. „Das Ziel des Resolution Committee ist es, die Vermögenswerte der Bank zu erhalten und die Gläubiger so hoch wie möglich auszuzahlen.“

Jedenfalls wird erwartet, dass bis zum Ende des Prozess des Forderungsanmelden 30.000 bis 50.000 Ansprüche gegen die Bank gestellt werden.

„Die Bank hat Sparern ca. 130 Mrd. ISK zurückgezahlt. In Deutschland wurden ungefähr 33.000 Sparern ungefähr 57 Mrd. ISK zurück gezahlt“, sagte Gudgeirsson.

Die Ziel des Committees ist es, die Vermögenswerte der Bank zu halten, ihren Wert höchstmöglich zu erhöhen und sie am Ende des Moratoriumsprozesses zu übergeben. Das könne Jahre dauern, sagte er.

„Es gebe hauptsächlich zwei Alternativen“, sagte Gudgeirsson. Die erste erlaubt es, dass die Bank „die Chance zur Neuordnung erhält und ihre Vermögenswerte unterstützen kann, anstatt zu einem sofortigen Verkauf der Werte gezwungen zu sein.“ Die andere Möglichkeit sei ein Insolvenz- oder Abwicklungsverfahren, sagte er. „Von Beginn an war es unsere Vorstellung, mit dem Abstoßen von Vermögenswerten nicht direkt nach dem Zusammenbruch der Bank zu beginnen“, sagte Gudgeirsson. „Wir erhielten zahlreiche Angebote unter dem Marktpreis – einige für Bargeld. Aber wir entschieden uns, die Vermögenswerte der Bank zu halten, sie zu unterstützen und sie im Wert zu erhöhen.“

8 Reaktionen zu “Bloomberg: Kaupthing-Insolvenzquote bekannt gegeben!”

  1. Janam 8. September 2009 um 20:08 Uhr

    Und hiermit wird auch deutlich, warum wir fast 7 Monate auf Rückzahlung warten mussten:

    Die Bank hat ihre Vermögenspositionen nur sehr langsam und konservativ zu Geld gemacht, d.h. nur dann, wenn es ein faires Angebot gab. Dadurch wurde lange Zeit Geld gesammelt. Da die Bundesregierung im Gegensatz zu anderen Ländern keinerlei Vorfinanzierungen leisten wollte, dauerte es bei uns damit länger.

    Und ich bin doch etwas überrascht: Die Meldung bestätigt im Wesentlichen meine Einschätzungen vom 28.06.09 (Punkt 1) und 23.08.09 (Kommentar von 13:41 Punkt Sicherheit der Anmeldungen). Vielleicht sollte ich doch noch den Beruf wechseln und Bankanalyst mit meiner eigenen Rating-Agentur werden. 🙂

  2. budisovam 8. September 2009 um 20:27 Uhr

    also 20 % von 5,65 % macht 1,13 %. Zu diesem Zinssatz hätten wir somit unser Geld angelegt. Macht bei 20.000 EUR Zinsen in Höhe von 226 EUR im Jahr. Davon müssen dann noch ggf. ZAST und Soli gezahlt werden.

  3. oertheedgeam 8. September 2009 um 22:07 Uhr

    Na, 20% klingt ja schon einmal gar nicht soo schlecht. 🙂

    Das finde ich jedenfalls ganz große Klasse, dass ihr weiter am Ball bleibt, die Seite weiterbetreibt und geballte Informationen sammelt! Helft-Uns war die ganze Zeit meine wichtigste Informationsquelle. Vielen Dank dafür!

  4. Janam 9. September 2009 um 12:21 Uhr

    Ich würde aber noch nicht mit festen 20% rechnen. Die Zahl kann sich noch ändern. Wenn man den Artikel genau liest, spricht Steinar Thor Gudgeirsson von Schätzungen vom November 2008. Das Entscheidende ist immer noch:

    “Im Moment ist es nicht möglich, den genauen Wert der Ansprüche gegen die Bank und den rückzahlbaren Wert der Vermögenswerte der Bank zu schätzen”, sagte Gudgeirsson.

    Der Artikel zeigt aber, wo ungefähr der „Boden“ ist. Denn Steinar Gudgeirsson geht ja sogar davon aus, dass sich der Wert seit November erhöht hat. Sollte das Resolution Committee weiter gute Arbeit leisten, könnte die Quote noch höher liegen, bei einem erneuten Einbruch der Weltwirtschaft könnte es bei den 20% bleiben oder sogar darunter fallen.

    Und als letzte Möglichkeit: Vielleicht erkennt das Winding-Up bzw. Resolution Committee die Zinsen (wenigstens teilweise) noch als Priority Claims an.

  5. Janam 9. September 2009 um 19:04 Uhr

    Interessanterweise ist auf der Kaupthing-Webseite gestern mit Datum vom selben Tag eine Stellungnahme zum selben Thema veröffentlicht worden:

    http://www.kaupthing.com/Pages/4007?NewsID=4220

    Ich kann mir das nur so erklären, dass man inzwischen gehörig Angst vor Presseenten und voreiligen Meldungen hat. 😉

    Kurzfassung auf Deutsch zu der Veröffentlichung auf der Kaupthing-Seite: Substanziell steht da wenig anderes drin als im Interview.
    Man weist aber noch einmal (wie schon im Interview) darauf hin, dass es im derzeitigen Stadium unmöglich sei, den genauen Wert von Ansprüchen gegen die Bank und den genauen rückzahlbaren Wert der Vermögenswerte der Bank zu schätzen. Außerdem wird noch einmal ausdrücklich festgehalten, dass die letzte Schätzung des Vermögens der Bank vom 15. November 2008 noch nicht die Strategie des Resolution Committee zur Unterstützung und Erhaltung der Vermögenswerte berücksichtige. Genauer: In der Schätzung vom November 2008 wurden noch nicht die (später erfolgte) Auszahlung der Spareinlagen und auch nicht der mögliche zukünftige Wert der Vermögenswerte berücksichtigt. Kurz: Der aktuelle Wert des Bankvermögens könne von der Schätzung vom November 2008 abweichen.

    Fazit: Die Pressemitteilung von Kaupthing ist keine wirkliche Überraschung, die Einschränkungen sind ja bereits im Artikel von Bloomberg wieder gegeben. Festhalten kann man aber: Die 20% sind schon mal ein erster Richtwert.

  6. Koeppiam 9. September 2009 um 21:36 Uhr

    … das ist ja alles gut und schön…. die geschätzten 20% beziehen sich wohl aber auf alle Gläubiger?…
    also sowohl die institutionellen (im MRD-EUR-Bereich) als auch die privaten Kleinsparer (im kleinstelleigen MIO-EUR-Bereich)….
    …angenommen, eine gute Fee erkennt, dass die Kleinsparer (in Deutschland) zu 100% auszuzahlen sind, weil dies gängigen normen entspräche und diese Erkenntnis an die Verantwortlichen weiterleitet…. dann hätten die Kleinsparer 100% ihrer Ansprüche und die Institutionellen statt der geschätzten 20% nur noch 19,9984564% (gerundet)….
    FAZIT: jeder deutsche Kleinsparer der seine Ansprüche bis Mitte/Ende Dezember nicht geltend macht,
    verschenkt seinen Anteil zu Gunsten des internationalen Großkapitals bzw. den Banken, u.a. der DZ Bank!
    Kein betroffener Isländer hat auch nur einen Cent davon, wenn ihr Eure Ansprüche nicht anmeldet….
    Aber die DZ Bank würde u.a. profitieren!

    Also, auch die, die der isländischen Bevölkerung wohlgesonnen sind, sollten auf jeden Fall ihre Ansprüche bis Ende Dezember geltend gemacht haben und ggf. sinnvoll spenden…

  7. Janam 12. September 2009 um 13:09 Uhr

    Die gute Fee war sogar schon einmal da und hat DZ-Bank und anderen Großgläubigern – legal – 330 Mio. an Insolvenzmasse gemopst und an deutsche Kleinsparer verteilt. 😉 Da hätte die DZ sicher auch gerne zu 100% ihre vergebenen Kredite zurück bekommen.

    Aber wenn die gute Fee noch einmal vorbei kommen soll, immer gerne. Hat man nicht drei Wünsche frei oder ist das zu gi€rig? 😉

  8. Koeppiam 12. September 2009 um 21:28 Uhr

    ja, es sind drei …
    (…Köppi glaubt dies in den AGB’s gelesen zu haben, aber wer hält sich heute noch daran?
    Auch Feen werden moderner und gehen mit der Zeit…..)

    …aber das mit den 330 Mio war schon eine gute Tat der guten Fee…
    … sicher war die DZ Bank mit den 55 Mio zu gi€rig und hat sich dadurch den Zugriff auf die 330 Mio vermasselt…. andersherum wäre es für sie besser gelaufen…. schlechtes/gutes Timing oder wie man so sagt…. wäre die DZ Bank mit dem Abgreifen der 55 Mio schon aufgeflogen, hätte sie vielleicht kurze Zeit später Zugriff auf den sechsfachen Betrag…. wer weiß?

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