Monatsarchiv für März 2010

Vulkanausbruch in Island

22. März 2010

„Reykjavík – Nach Behördenangaben brach am frühen Sonntagmorgen ein Vulkan im Gebiet des Eyjafjallajökull-Gletschers im Süden des Landes aus, dem fünftgrößten Gletscher auf der Insel. Vermutlich sei niemand in Gefahr, sicherheitshalber sei jedoch ein Evakuierungsplan in Kraft getreten, sagte Sigurgeir Gudmundsson von der isländischen Zivilschutzbehörde der Nachrichtenagentur AFP. Verletzte oder Vermisste wurden dem öffentlich-rechtlichen Radiosender RUV zufolge nicht verzeichnet.“

Quelle und alles Weitere bei: SPIEGEL Online

Es gibt auch ein schönes Video dazu.

Das Märchen von den Fantasiezinsen der Kaupthing Bank

19. März 2010

Vorspann

Immer wieder wurde und wird Kaupthing als Beispiel für die Finanzregel ,,Hohe Zinsen = Hohes Risiko“ herangezogen. Beispielhaft ist der (ansonsten recht gute) kürzlich erschienene Artikel der FTD, in dem es wie folgt heißt:

Knapp eineinhalb Jahre ist es her, dass die isländische Kaupthing Bank pleiteging. Zehntausende deutsche Kunden kamen monatelang nicht an ihr Erspartes, die Lehre schien eindeutig: Hohe Zinsen (Kaupthing bot noch am Tag vor dem Untergang 5,65 Prozent aufs Tagesgeld) bedeuten auch hohes Risiko.

Es wird also mal wieder unterstellt, dass man das Risiko allein aus dem Zinsangebot hätte ablesen können, da es angeblich so deutlich viel besser als andere Neukundenangebote gewesen sein soll. Dass das Beispiel Kaupthing schlecht gewählt ist und nichts mit der Realität zu tun hat, wollen wir in 5 Akten ein für allemal klarstellen und mit Beweisen unterlegen.

1. Akt: Februar/März 2008

a) Kaupthing: 4,8% bis zum 01. Januar 2009.

b) Volkswagen Bank (über Lidl): 4,8% bis 20.000 €. Comdirect (Commerzbank-Direktbank-Tochter) 4,75%

2. Akt: Sommer 2008

a) Kaupthing ab April 2008: 5,65% (Basiszinssatz von 5,1% bis zum 01.01.2009 und 0,55% Bonuszinssatz für 6 Monate)

b) Comdirect (Tchibo): 5,55% bis 10.000 €

3. Akt: Oktober 2008

(Lehman ist pleite, Finanzkrise eskaliert zunehmend)

a) Kaupthing: Pleite

b) Deutsche Bank: 5,25% auf einjähriges Festgeld für Einlagen zwischen 2500 und 100.000 €. BMW-Bank: Zinsanhebung Festgeld auf 5,00 bis 5,40% für Einlagen ab 25.000 €. DAB bank (HypoVereinsbank-Tochter): 5,5% für 6 Monate auf Tagesgeld bis 30.000 €

c) Marktüberblick Tagesgeld am 09.10.2008 (Tag der Kontenschließung bei Kaupthing): DAB bank 5,5%, netbank (Tochtergesellschaft der sparkasseneigenen Landesbank Berlin) 5,10%, 1822direkt (Tochtergesellschaft der Frankfurter Sparkasse), ING-DiBa 5%, comdirect 5%

4. Akt: Dezember 2008

a) Kaupthing: Warten

b) DAB bank 5,5%, GE Money Bank 5,5%, Audi Bank 5%, CortalConsors 5%, ING-DiBa 5%, Volkswagen Bank 5%

5. Akt: Winter/Frühjahr 2009

( – bisheriger? – Höhepunkt der Finanzkrise: Lehman ist Pleite, isl. Banken sind pleite,  Börse im freien Fall, Interbankenzins gegenüber 2008 von 4-4,5% mehr als halbiert!!)

a) Kaupthing: Warten

b) Mercedes-Bank: Immer noch 4,5 % auf Tagesgeld und 5,4% Zinsen auf Festgeld

Nachspann

  • Jetzt mögen die Ewigklugen sagen: Ja, aber bei Kaupthing war das Angebot ein wenig besser als bei den genannten Wettbewerbern. Richtig, kann man da nur sagen! Denn eine Bank, die vollständig unbekannt ist, muss eben ein wenig bessere Konditionen bieten, als die ,,normalen“ Marketing-Neukundenangebote. Die Ewigklugen mögen sagen: Ja, aber bei den anderen Banken galt der Zinssatz nur für Einlagen bis 20.000 € oder 30.000 €, bei Kaupthing dagegen unbegrenzt. Da kann man nur sagen: Ja, das ist 1.  neben dem Zehntelprozentpunkt genau der kleine Unterschied zu anderen Angeboten (s.o.) und 2. für 90% der Zielgruppe überhaupt nicht relevant gewesen (dieser Teil der Sparer lag nämlich unter der Sicherungsgrenze, der Durchschnittsanlagebetrag lag bei 10.000 €). Und zu guter Letzt: Durch die beschränkte Einlagensicherung auf 20.887 € lag faktisch eine ,,Summen-Bremse“ für die Sparer vor. Außerdem bot Kaupthing nur jährliche Zinsgutschrift, zahlreiche der anderen Angebote dagegen monatliche Zinsgutschrift, weshalb Kaupthing in diesem Bereich sogar schlechter war als die o.g. Neukundenangebote deutscher Banken.
  • Fakt ist jedenfalls: Die Angebote sind vergleichbar. Auch das Kaupthing-Angebot hatte wie die anderen Neukundenangebote Haken und Ösen (Beschränkung einerseits auf 6 Monate und andererseits bis zum 01.01.09, nur jährliche Zinsgutschrift, begrenzte Höhe der Einlagensicherung). Und keiner hat auch nur bei einem der genannten anderen 5 – 5,5% Tages- oder Festgeldangeboten allein aufgrund des Zinssatzes oder der Einschränkungen pauschal von einem ,,hohen Risiko“ gesprochen, obwohl dies gerade im 3., 4. und 5. Akt durchaus nahe gelegen hätte.  Fakt ist auch: Aus dem Angebot und insbesondere dem Zinssatz allein ließ sich kein übertriebenes Risiko zu den anderen Wettbewerbern ableiten, denn 4,8% und 5,65% lagen durchaus im Rahmen des Üblichen für Neukundenangebote im Jahr 2008.
  • Und wenn es dann heißt: Ja, aber vor Kaupthing wurde doch gewarnt, kann man nur sagen. Richtig, aber die meisten dieser Warnungen rieten nur dazu, die Sicherungsgrenze einzuhalten. Das sah dann meistens SO aus. D.h. die isländische Einlagensicherung wurde nur von ein bis zwei Artikeln in Frage gestellt (und man kann nicht alles lesen). Außerdem gab es mindestens genauso viele Empfehlungen (z.B. in ARD Ratgeber Geld, Capital, Guter Rat oder auf der WiSo-Homepage), insbesondere wegen der nach EU-Recht garantierten Sicherung bis 20.887 € (die letztlich ja auch mittelbar gegriffen hat, wie der Rückzahlungsprozess gezeigt hat). Und man sollte nicht vergessen, dass es bei in Deutschland angebotenem Tages- und Festgeld seit 1931 keine Probleme mehr gegeben hat.
  • Und zu guter Letzt: Kaupthing machte auch während der Finanzkrise im Jahr 2008 noch Gewinn und wurde von den Rating-Agenturen bis zum Tag der Kontenschließung mit gutem A bewertet. Sollen Sparer nun schlauer sein als institutionelle Anleger, die den ganzen Tag nichts anderes machen als Geld anzulegen? Auch diese haben in Massen ihr Geld bei Kaupthing angelegt, zum Großteil sogar in ungesicherte Anleihen, und haben nun im Gegensatz zu uns Sparern ein ,,echtes“ Problem wie die Forderungen zeigen. Denn warum wurden nochmal Banken wie die Commerzbank im Winter 2008/2009 vor der Pleite gerettet? Eben. Darum.
  • Und wenn die Ewigklugen immer noch ,,Ja, aber…“ rufen, sollte man nur noch den ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in der Sendung ,,Beckmann” vom 27.10.2008 zitieren:

Ich hätte Ihnen vor vier, fünf Wochen die isländische Situation, also eines drohenden Staatsbankrotts nicht voraussagen können. Übrigens nicht nur ich, sondern auch viele andere auch. Und das muss man dem Publikum auch sagen, damit es sich nicht hinters Licht geführt fühlt. […] Die 5,5% [der Kaupthing Bankniederlassung Deutschland] sind ja vergleichbar mit der Verzinsung auch von deutschen Kreditinstituten.

Aktualisierte Version der Forderungsliste steht online

15. März 2010

Heute erreichte uns folgende Pressemeldung von Kaupthing:

An updated version of the list of claims is now available on the secure website for creditors. A list of the corrections made to it is also available.

Secure website for creditors: https://kaupthinglistofclaims.hysing.is/

Die Liste der Forderungen wurde auf der geschützen Internetseite aktualisiert. Auch eine Liste der Korrekturen ist verfügbar.

Zinsen – so „einfach“ kann es auch gehen

11. März 2010

„Zinsen sind da“

Liebe Nathalie, lieber Dirk und natürlich auch lieber Jan,

es wird ruhig auf Eurer Seite, auch ich kommen nicht mehr jeden Tag dazu, zu gucken, ob was interessantes gemeldet wird. Im Handelsblatt ist gerade wieder ein toller Artikel über Island und die Abstimmung am Samstag.

Eigentlich wollte ich auch ganz zufrieden melden, dass unsere Rechtsschutzversicherung 500,- € (1000,- € Zinsanspruch gegenüber Kaupthing) gezahlt hat. Ohne Eigenbeteiligung und ziemlich unkompliziert und unbürokratisch. Wir haben uns sehr gefreut und können sogleich einen Teil sowohl nach Haiti und nach Chile weiterleiten.

Im Anhang eine „Baustelle“ des letzten Jahres….

Mit ganz vielen Grüßen und den besten Wünschen für viel Freizeit

gudrun m.


Anmerkung Nathalie:
Erst einmal vielen Dank, dass wir die Mail veröffentlichen dürfen. Wie schon per E-Mail geschrieben, freuen wir uns natürlich mit euch.
@all: So schnell und „unbürokratisch“ kann es gehen. Siehe auch schon unsere Artikel hier und hier
.

Keine Zinszahlung

10. März 2010

Wenn die Justiz entscheidet ob die Isländischen Banken den vereinbarten Zins zu zahlen haben oder ob die Anleger vertragswidrig als zinslose Kreditgeber eingestuft werden; das dürfte ein globaler Dammbruch in Bezug auf Zinszahlungsverweigerung bedeuten.

ARD Bericht: Personen gesucht

10. März 2010

Folgende Anfrage der ARD erreichte mich gestern:

Ich suche DRINGEND Personen, die über die wirtschaftliche Situation in Island, über die Finanztricksereien etc. sauer sind. Diese können sich unter den folgenden Daten bei mir melden:

Redakteur
Mitteldeutscher Rundfunk
Redaktion Zeitgeschehen
Kantstraße 71-73
D-04275 Leipzig
Tel.:    +49 (0)341 300 4092
Mobil: +49 (0)179 45 179 43
Fax:     +49 (0)341 300 8445

Nachtrag zu den Zinsen: Isländischer Wirtschaftsminister äußert sich

7. März 2010

Immer wieder liest und hört man, dass eine Gruppe von Sparern die Insolvenzverwalter und Gläubiger der Kaupthing Bank durch eine ,,geniale Verzögerungstaktik“ zur vorrangigen Auszahlung der Zinsen ,,zwingen“ möchte. Dabei wird die tatsächliche isländische Rechtslage entweder verkannt oder verschwiegen. Zu den Zinsen äußerte sich nun von höchster Stelle der isländische Wirtschaftsminister Gylfi Magnusson – und bestätigte das, was wir bereits in den Handlungsmöglichkeiten als Verfahrensgang skizziert hatten:

Zu [den ungeklägten Fragen gehört] unter anderem die […], wann die etwa 30000 deutschen Sparer Ihr Geld vollständig wiederhaben…

Schon jetzt hat jeder Sparer seine Einlagen zurückbekommen. Aber es ist richtig, nach wie vor steht die Frage im Raum, was mit den kumulierten Zinsen passiert. Aber soweit wie wir das bisher beurteilen können, ist das keine Frage an den isländischen Staat mehr.

Sondern?

Das ist eine Rechtsfrage. Es muss geklärt werden, ob die Zinsen der Anleger zu den vorrangigen Ansprüchen zählen. Die Frage ist, welche Gläubiger zuerst ausgezahlt werden. Das wird aber die Justiz entscheiden.

Das gesamte Interview ,,Kaupthing ist jetzt eine Frage für die Justiz“ kann man bei Handelsblatt nachlesen.

Warum die Isländer die Zeche nicht zahlen wollen

4. März 2010

Im HANDELSBLATT erschien am 3. März ein interessanter und sehr lesenswerter Artikel zum Thema „Warum die Isländer die Zeche nicht zahlen wollen“.

Siehe hier.