Neues von der Insolvenzquote: Belangloses und Interessantes

18. April 2010

Diese Information ist für alle gedacht, die ihre Zinsen bei Kaupthing angemeldet haben. Da nach derzeitigem Stand – abgesehen von Rechtsmitteln – für diese Forderung weiterhin mit einer Insolvenquote (dort unter 1.) zu rechnen ist, bleibt interessant, welche Höhe an Vermögenswerten sich auf welche Höhe von Forderungen verteilen wird. Dazu gab es in der letzten Zeit zwei Meldungen, die hier kurz besprochen werden sollen:

Einerseits hat Kaupthing eine Pressemitteilung zum Untersuchungsbericht herausgegeben. Für den Laien mag es sich so darstellen, dass Kaupthing kurzfristig auf die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts reagiert habe. Richtig ist, dass hier das Zwangsverwaltungskomitee der Bank (Resolution Committee – seit 09.10.08 im Amt) darauf verweist, dass nach erster Prüfung alle im Bericht genannten Fälle bereits untersucht wurden bzw. werden. Dazu werden allgemein das Vorgehen des Zwangsverwaltungskomitees und seiner rechtlichen Partner beschrieben. Im Gegenteil habe man den Sonderermittlern sogar wichtige Hinweise gegeben. Dies verwundert nicht, denn bei einer Insolvenz sind vorher oft einige Dinge im Unternehmen ,,schief gegangen“. Daher ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Insolvenzverwalters (dessen Teil-Rolle das Resolution Committee übernommen hat), die Geschäfte des insolventen Unternehmens zu überprüfen. Das ist auch in Deutschland so. Einem Insolvenzverwalter stehen zahlreiche Rechtsinstrumente gegen krumme Geschäfte zu Lasten der Gläubiger zu.  Diese Instrumente muss er im Interesse der Gläubiger einsetzen. Kurz gesagt: Die Pressemitteilung enthält nichts Neues, sondern ist eher PR der Isländer, die auf die Wahrung der Interessen der Gläubiger verweisen. Denn schließlich ist man auf die ,,big player“ als künftige Geldgeber angewiesen und will wieder (neue) Geschäfte mit ihnen machen.

Andererseits wurde Anfang April bekannt, dass die Ansprüche von Vincent und Robert Tchenguiz (bzw. diesen zuzuordnenden Unternehmen) vom Winding-up Committee (Abwicklungskomitee) der Kaupthing Bank abgelehnt wurden (siehe den englischsprachigen Telegraph). Die Verbindung von Robert Tchenguiz zu Kaupthing beleuchteten wir bereits am 19.04.09 und 19.05.09. Es geht also um keine kleinen Summen.  Die Tchenguiz-Brüder verlangten zusammen umgerechnet ca. 2,6 Mrd. € Schadensersatz als ,,priority claim“, was 5% aller angemeldeten Forderungen entspricht! Behält die Entscheidung Bestand sinkt die Forderungssumme und es ist mehr für die übrigen Gläubiger (also auch für uns) zum Verteilen da – wenn auch nur wenig mehr pro einzelnem Gläubiger. Tchenguiz steht für ein Geschäftsbaren, das nun im Untersuchungsbericht (siehe hier und hier) erneut schonungslos offen gelegt wurde: (Mit-)Eigentümer der Banken nutzten diese (und damit auch unsere Einlagen), um großzügig Kredite für eigene Geschäfte in Anspruch zu nehmen. Nach einem Bericht von Times Online (in Englisch) wurden dabei selbst bestehende Gesetze gebrochen: Isländische Verordnungen besagten bereits damals, dass nicht mehr als 25% des eigenen Unternehmensvermögens (Eigenkapital) an eine einzelne Person oder mit ihr verbundene Personen vergeben werden dürfen. Robert Tchenguiz erhielt aber sogar Kredite, die 60% des Wertes des Eigenkapitals entsprachen. Noch doller trieben es Jon Asgeir Johannesson, der über die Baugur Einzelhandelsgruppe die Glitnir Bank kontrollierte, und Bjorgolfur Gudmundsson, der die Landsbanki kontrollierte und gleich einen ganzen englischen Fußballclub (West Ham United) kaufte. Ersterer erhielt Kredite, die 80% des Eigenkapitals entsprachen, letzterer und dessen Sohn sogar im Wert von 140% des Eigenkapitals!

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