Datenschutz-Skandal bei Kaupthing? QUATSCH!

21. April 2010

Nachfolgend zitiere ich aus einer der zahlreichen Aktionsnachrichten des Foren-City Forums oder wie Jan immer so schön sagt: unseren „Nachbarn“, die mich leider immer noch erreichen.

In dieser Mail geht es um 2 Themen:

  1. E-Mails wurden anscheinend ungelesen gelöscht und daraus resultierend
  2. ein Verstoß gegen den Datenschutz

Meine persönliche Meinung: QUATSCH!

Eigentlich ist es schade einen solchen Quatsch überhaupt zu kommentieren. Ich finde nur unsere treuen Leser sollten das wissen: Das hat allenfalls BILD-Niveau.


Zu 1.

Zum Thema Outlook kann ich Folgendes sagen:

Zitat aus der Mail:

Seit heute, 20.04.2010, erhalten Gläubiger Mails von (der Anm.d.R.) Arion-Bank.

Inhalt:
Your message was deleted without being read on Tuesday, April 20, 2010 hh:mm:ss PM (GMT) Monrovia, Reykjavik.

Übersetzung: Ihre Nachricht wurde ungelesen gelöscht.

[…]

today I received the attached automated information the email with my objection has been deleted without reading. In case this was a mistake I attach it again. Please confirm, that you have received my objection.

Jeder IT-Spezialist kennt dieses Problem von Outlook, welches sogar auf der Seite von Microsoft beschrieben ist. Ich zitiere:

Lesebestätigung Vorschaufenster
Wenn der Empfänger die automatische Lesebestätigung eingehender Mails aktiviert hat, kann es vorkommen, dass der Absender nicht informiert wird. Das ist dann der Fall, wenn Sie die Mail im Vorschaufenster betrachten und sie dabei nicht als gelesen markiert wird. Unter Umständen führt das sogar zu Missverständnissen, und zwar dann, wenn Sie die Mail löschen, die Sie ja im Vorschaufenster vollständig gelesen haben. Der Absender erhält dann nur die Rückmeldung, dass Sie die Nachricht ungelesen gelöscht haben.

Daher muss ich fast davon ausgehen, dass die E-Mail diesmal nicht von lavcadio (erst IT-Spezialist und jetzt Unternehmer) stammt, da dies ein Problem ist, welches es schon 1998 gab, als ich meine Ausbildung beendet habe. Die Foren sind voll davon. Weitere Links kann sich jeder Otto-Normal-User selbst googeln.

Zu 2.

Folgender Widerspruch fiel mir auf:

Zitat aus der Mail:

Von der Arion Bank wurden diese (Mail Anm.d.R.), ohne gelesen worden zu sein, gelöscht.
Wer hierfür die Verantwortung trägt ist noch nicht bekannt.

Aha – ein Verstoß gegen den (isländischen) Datenschutz, ohne dass jemand den Inhalt der Mail überhaupt gelesen hat.
Ja was denn nun?

Ob man hier wohl gegen das Persönlichkeitsrecht und den Datenschutz verstoßen müsste um es herauszufinden? 😉

Zum rechtlichen Hintergrund:
Der Autor der Mail scheint sich im isländischen Datenschutzrecht auszukennen, denn das ist bei einem isländischen Insolvenzverfahren anwendbar. Außerdem scheint dem Autor ein kleines Detail entgangen zu sein, vor dem bei uns auf der Seite zum Glück rechtzeitig und mehrfach gewarnt wurde, siehe z.B. die Artikel vom 09.08.09 und 21.07.09.
Kurz zusammengefasst:
Kaupthing hat in seiner Bekanntmachung und auf dem Claim Form auf Folgendes hingewiesen (sinngemäß übersetzt):
Meldet der Gläubiger seinen Anspruch an, so wird er so behandelt, als hätte er auf die Vertraulichkeit seiner Daten (Bankgeheimnis) verzichtet.
Das ist ein weitreichender Verzicht auf den Datenschutz, der dem Autor bei seinem weiteren Vorgehen noch auf die Füße fallen könnte.

6 Reaktionen zu “Datenschutz-Skandal bei Kaupthing? QUATSCH!”

  1. StefanMam 21. April 2010 um 10:31 Uhr

    Hallo Dirk,

    hier bin ich ausnahmsweise mal anderer Meinung, was das Thema „Vorschaufenster“ betrifft.

    Das Zitat ist natürlich technisch zutreffend, aber es ist doch nicht als wahrscheinlich anzunehmen, dass jede Mail zunächst im Vorschaufenster gelesen wurde, dabei der Anhang (!) gelöst und gespeichert wurde und dann die Mail gelöscht wurde ohne sie zu archivieren. Wird sie nämlich archiviert, dann gibt es die Lesebestätigung und nicht die „ungesehen gelöscht“-Bestätigung. D.h. der Text der Mail, d.h. der eigentliche Einspruch, ist in jedem Fall vernichtet worden.

    Es sind doch Hunderte, wahrscheinlich Tausende oder gar Zehntausende von Einsprüchen eingegangen. Jeder wurde einzeln nur im Vorschaufenster gelesen????
    Und dann einzeln gelöscht????
    Anders ginge das, was Du schreibst, nämlich nicht.

    Meine Vermutung:

    Hier wurde ein Filter gesetzt, alle Mails (z.B. mit dem Wort Objection) ausgefiltert, bzw. in einen Ordner verschoben und dieser wurde dann gelöscht. Niemand löscht einzeln so viele Mails von Hand.

    Dummerweise hat der zuständige IT-Admin (oder der „Löscher“) der Bank vergessen, die Quittierung der Lesebestätigung zuvor zu deaktivieren. Und deshalb flog dieses auch m.E. skandalöse Verhalten auf.

    Meine beiden Einsprüche, die ich zu völlig unterschiedlichen Zeiten gesendet hatte, wurden z.B. exakt zum selben Zeitpunkt gelöscht. Auch das spricht gegen die Vorschaufenster-Theorie.

    Viele Grüße

    Stefan

  2. Dirkam 21. April 2010 um 13:03 Uhr

    @StefanM: Da gebe ich Dir recht! Wenn die Situation mit Outlook so ist, dann scheint wirklich etwas anderes dahinter zu stecken. Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, dass hier aus einer Mücke (Moskito) ein Elefant gemacht wird…

  3. Janam 21. April 2010 um 13:45 Uhr

    Interessante Diskussion, die ihr da führt.

    Ich stelle einfach mal die Frage: Kann man anhand dieses Vorgangs sicher sagen, dass…

    1. …die Mails ,,ignoriert“ und ,,gelöscht“ wurden?

    2. … die Mails bei der ,,Arion Banki“ anstatt bei ,,Kaupthing“ gelandet sind?

    Ich würde mal spontan beides mit ,,Nein“ beantworten und mich Dirks Moskito-Theorie 😉 anschließen.

    zu 1. Die Mails können doch auch auf einen anderen Server kopiert und nur die Mails bei Outlook gelöscht worden sein, oder nicht?

    zu 2. Wir wissen doch, dass beide Banken immer noch im selben Gebäude sitzen und sicherlich weiter auf dieselbe personelle und technische Ausstattung zurückgreifen – auch wenn sich manches Türschild geändert haben mag und nun aus einer Aktiengesellschaft isländischen Rechts zwei wurden 😉 . Die Outlook Auto Reply Adresse mag mitterweile ,,Arion Banki“ heißen. Das muss doch aber nicht heißen, dass die Widersprüche nicht beim zuständigen ,,Kaupthing“-Sachbearbeiter gelandet sind?

  4. Lehaneam 21. April 2010 um 15:29 Uhr

    Ich zitiere mich mal selber. Bei FC ich Folgendes dazu geschrieben:

    1. Kommentar:
    Wichtig ist für mich, ob unser Widersprüche erfasst sind. Widersprüche und Begründungen lagen ja als Anhang bei.

    Ich gehe jetzt mal positiv davon aus, das alle Widersprüche gescannt bzw. gedruckt wurden.
    Ich glaube, daß der Server von Ballast befreit wird. Man muß nicht immer Böses vermuten. Könnte auch ein gutes Zeichen sein. Alle eingegangenen Widersprüche sind in sicheren Kisten. Die dazugehörigen Mails also überflüssig. Der Ordnung halber wird allen geantwortet, die eine Bestätigung gefordert haben. Auf ungeschickte Weise.

    2. Kommentar in Unkenntnis irgendwelcher automatisierten Vorgänge:
    Man kann die Mails auch anders interpretieren: Irgendwelche Mitarbeiter wurden beauftragt, im Server aufzuräumen. Und aus datenschutzrechlichen Gründen haben sie uns mitgeteilt, das die Anlagen weder geöffnet noch gelesen wurden. Von den beauftragten Mitarbeitern.
    VERGESST ES – EURE ERKLÄRUNGSANSÄTZE sind weitaus logischer.

    Was ich hier so alles lerne!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Auf jeden Fall habe ich, als ich den Inhalt der ersten Mail gelesen habe,
    an einen automatisierten Vorgang gedacht. Und an nichts anderes. So denke ich immer noch. KE kann sich nicht leisten Widersprüche zu löschen – sie sind gescannt und warscheinlich auch gedruckt. Vor Gericht müssen sie in schriftlicher Form vorgelegt werden. Oder hat sich da was geändert, Jan?

    Ich glaube auch es ist ne Mücke.

  5. Janam 23. April 2010 um 14:27 Uhr

    Lehane, das hängt vom isländischen Prozessrecht ab. In Deutschland können sowohl Ausdrucke als auch Dateien in die Beweisaufnahme einbezogen werden. Ich gehe deshalb mal davon aus, dass auch unter isländischem Recht jedem Gläubiger der Nachweis seines Einspruchs ohne Probleme möglich ist.

  6. Janam 23. April 2010 um 15:49 Uhr

    Nachtrag: Möglicherweise ging es dir, Lehane, nicht um die Nachweismöglichkeit des Zugangs der Mail, sondern um die vorgeschriebene Form des Einspruchs.

    Dazu gilt noch immer das, was in den Handlungsmöglichkeiten unter Weg 2 Punkt 1 steht:
    http://kaupthing-edge.helft-uns.de/2010/01/19/handlungsmoeglichkeiten-nach-der-entscheidung-des-abwicklungskomitees/

    Nach deutschem Recht wäre eine Mail nicht ausreichend, laut isländischem Recht dagegen anscheinend schon (so stand es jedenfalls auf der Kaupthing-Seite in den Verfahrenshinweisen).

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