Island zwischen 2006 und 2008: Geschichte wiederholt sich… nicht?

12. Mai 2010

Im Bundestag wird mal wieder über ein Rettungspaket diskutiert. Dabei streitet man sich, ob man lieber ,,Finanztransaktionssteuer“ oder ,,Finanzaktivitätssteuer“ haben möchte (siehe Focus Online und Handelsblatt). Alles, um der vermeintlichen Ursache der Krise, den ,,Spekulanten“, an den Kragen zu gehen. Nebenbei: Der Begriff Spekulant ist dehnbar, auch wir Kaupthing-Sparer wurden mehr als einmal als solche bezeichnet.

Dabei werden Ursache und Wirkung vertauscht. Natürlich ist es unverschämt, wie die Banken und großen Fonds mit ihren Rating-Agenturen versuchen, aus der Krise noch ordentlich Gewinn rauszuholen. Das ist aber die eine Erscheinung, nicht die Ursache der Krise. Warum haben sie denn überhaupt die Chance für das ,,Geschäft ihres Lebens“? Die Antwort ist simpel: Weil die Staaten (und daher die Politik) und letztlich wir alle auf Pump das Kredit-Rad zu groß gedreht haben.

Und warum ging das so lange gut? Da müsste man über die menschliche Psyche philosophieren… Das ist wie bei einem geschäftstüchtigen Bekannten, der erst zuverlässig immer eine gute Rendite geboten hat und jeden Monat 1000 € erwirtschaftet, und dem deshalb alle ihr Geld hinterherwerfen. In der Hoffnung, er steigert seine Einnahmen. Das geht lange gut, irgendwann hat er 2.000.000 € Schulden. Die Einnahmen des Bekannten sind aber nicht im gleichen Maß gestiegen, es kommen monatlich inzwischen nur 2000 € rein. Den ersten wird das zu riskant, sie steigen aus und so geht die Lawine langsam los…

Ähnlich ist’s bei den Staaten. Die können sich natürlich als sehr gute Schuldner mehr erlauben als Otto-Normalverbraucher. Aber irgendwann reichen auch dort die Einnahmen für die Rückzahlungen, Zinsen und Zinsesezinsen nicht aus.  Wieviel Schulden für einen Staat so gesund sind, wurde einmal in den EU-Stabilitätskriterien (siehe dazu taz) berechnet und festgelegt… Die Spekulanten sind also nur Folge der Schuldenkrise.

Und nun kommt wieder Island ins Spiel. Auch dort gab es diese Schieflage, die Spekulanten bereits 2006 (!!) zu einem Angriff ausnutzten. Island konnte den Angriff abwehren (siehe Wirtschaftswoche), zog aber nicht die Konsequenzen daraus (keine neuen Schulden – in dem Fall der Banken), sondern machte weiter wie bisher. Die Folgen haben wir alle im Oktober 2008 zu spüren bekommen und sicher noch gut in Erinnerung… Hinterher zeigten isländische Banker mit dem Finger auf die Gewinner-Banker (siehe aspect online). An Ursache und Folge ändert das nicht. Was können wir von unserem isländischen Begleiter über lange Monate lernen? Das Rettungspaket für den Euro ist sicher richtig. Jetzt haben wir die Situation ,,Island 2006″ – alles hängt davon ab, ob man danach weitermacht wie bisher oder ob man für lange Jahre einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorlegt (was natürlich auch wieder Einschnitte bringen wird).

Für die Fußballbegeisterten unter uns: Team Staat spielt gegen Team Spekulanten. Im Team Staat stimmt die Zuordnung im Mittelfeld und der Abwehr überhaupt nicht. Mittelfeld-Regisseur Blank Fein vom Team Spekulant sieht die desolate Verfassung von Team Spekulant und spielt einen überlegten Pass auf Mitspieler A. Kermann. Der steht nicht im Abseits, ist plötzlich ganz frei vor Staat-Torwart M. Erkel… Jetzt kommt alles auf den Torwart an, ob A. Kermann den Siegtreffer erzielt… 😉

Eine Reaktion zu “Island zwischen 2006 und 2008: Geschichte wiederholt sich… nicht?”

  1. Dirkam 17. Mai 2010 um 18:00 Uhr

    …oder Kevin Prince kommt von Hinten und grätsch Team Staat einfach unerwartet um und alles geht einen ganz anderen Weg…. 😉

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