Irland und Schuldzuweisungen

22. November 2010

Darum geht es um diesen Artikel bei Focus Online.

Es ist mehr oder weniger pervers. Am Ende soll es die Bundesregierung gewesen sein, die mit der Forderung nach künftiger (Mit-)Haftung der Gläubiger an allem Schuld war?

1. sollte diese (Voll-)Haftung eigentlich selbstverständlich sein.

2. haben die Iren das versucht, was Island nicht konnte (und Irland letztlich auch nicht). Einen Bankensektor komplett zu retten – einen Bankensektor, dem die westlichen Regierungen/Zentralbanken die Waffe ,,Kredite“ in die Hand drückten und der dann damit wild um sich schoss.

3. Dagegen hilft langfristig nur: a) Dem Bankensektor das Spielzeug ,,Zentralbankgeld“ endlich wegnehmen (am besten gleich die Zentralbanken abschaffen). b) Eigenkapital muss bei Banken wirklich ,,eigenes Kapital“ sein, d.h. eingezahltes Bargeld oder andere Wertgegenstände (KEINE Kredite). c) Banken dürfen nur noch das Drei- oder Vierfache und nicht wie vor der Krise das Fünfzigfache ihres Eigenkapitals vergeben. Schritt für Schritt in diese Richtung. Natürlich führt das zu weniger Wachstum (und in der Zwischenzeit sogar zu einer volkswirtschaftlichen Schrumpfung), dafür ist das Wachstum dann nachhaltiger und wechselt nicht ständig zwischen ,,aufblähen“ und ,,platzen“. Davon hat besonders die Masse der Bevölkerung erst Recht nichts, weil auf einen Schlag alles weg sein kann.

8 Reaktionen zu “Irland und Schuldzuweisungen”

  1. Pressam 23. November 2010 um 12:35 Uhr

    Hallo Jan,
    hinter jedes deiner Worte setze ich 100 Ausrufezeichen!!!!
    Nur eine kleine Korrektur hätte ich vorzuschlagen bezüglich Eigenkapital der Banken!
    Eigenkapital sollte wirklich eigenes Kapital der Banken, Kreissparkassen und Volksbanken sein – und dazu zähle ich das eingezahlte Bargeld der Kunden nicht, weil es deren/unser Geld ist.
    Dann hätte es sich übrigens auch ganz schnell mit den protzigen Glaspalästen, den bestausgestattetsten Büros, Schreibtischen, Stühlen, Füllfederhaltern, Kunstausstellungen etc.
    Die Wirklichkeit: Wir bekommen miese Zinsen – und die Banker leben mehr denn je in Saus und Braus.
    Das darf nicht (mehr) sein.

  2. Janam 24. November 2010 um 07:21 Uhr

    ​Danke, Press. Aber selbst in dem einen Punkt liegen wir auf einer Linie. Ich hatte ja geschrieben (,,KEINE Kredite“): Rechtlich und wirtschaftlich gesehen ist unser eingezahltes Bargeld auch nur ein Kredit (auf dem Girokonto oft auch noch zinslos). Aber besser, du stellst es nochmal ausdrücklich klar, bevor eine Branche das nächste Schlupfloch findet 😉

    Noch ein paar kleine Betrachtungen am Rande:

  3. Janam 24. November 2010 um 07:27 Uhr

    Die Norweger hätten ihre Öleinnahmen komplett im eigenen Land auf den Kopf hauen können. Als Dank hätten sie von der internationalen Finanzwelt bestimmt noch ein paar Extrakredite oben drauf bekommen. Dann hätten sie schönes Superwachstum wie in Island erzeugen können (mit dicker Inflation als Nebeneffekt). Sie machen es aber nicht und haben festgelegt, dass die Regierung nur maximal 4% der Einnahmen im eigenen Land verbraten darf (auch wenn das mal vor ein paar Jahren umstritten war, siehe hier). Der Rest wird weltweit (auch nach ethischen Gesichtspunkten) angelegt. Die Folge: Den Norwegern geht’s trotzdem gut, ihre Wirtschaft wächst besser als in manchem ,,Boom-Land“ und die Inflation ist auch noch eine der niedrigsten der Welt.

  4. Janam 24. November 2010 um 07:34 Uhr

    Den Iren werden allein (!!!) vom deutschen Anteil auf einen Schlag 20.000 € pro Kopf extra (!!!) Schulden bekommen. Das sind soviel wie Deutschland seit den 60er Jahren, inklusive Wiedervereinigung und Bankenkrise Stück für Stück pro Kopf angehäuft hat.

    Die Griechen sind ja schon mit 110 Mrd. € ,,gerettet“. Eine Kreditausfallversicherung in Bankenkreisen für griechische Staatsanleihen kostet mittlerweile 970 Dollar pro abgesicherte 10.000 Dollar Staatsanleihen (siehe Focus Online). Stolze 9,7%. Und was habe ich Schönes gefunden in der Kaupthing-Eiszeit? Im März 2008 (Kaupthing-Markteintritt Deutschland) kostete eine Kreditausfallversicherung in Bankenkreisen für Forderungen gegen Kaupthing 902 Dollar pro abgesicherte 10.000 Dollar Forderung (siehe thisismoney.co.uk). Macht 9,02%. Was lernen wir draus? Tagesgeld bei Kaupthing ohne Rettungsschirm 2008 ist nach der Bewertung des Marktes sicherer als griechische Staatsanleihen mit Rettungsschirm 2010. Gi€rig€ Z€it€n? Wo sind eigentlich die Gier-Kommentatoren aus den Medien?

    Die Zahlen werden immer verrückter. Da muss man sich fragen, ob die Isländer die Deppen waren? Die sind nämlich schon 2008 beim Lauf auf’s Dach des Hochhauses wieder auf der Straße gelandet. Der Fall war hart, aber man kann neu/besser beginnen (siehe oben). Der übrige, ungi€rig€ Westen rennt dagegen weiter hoch…

  5. Janam 24. November 2010 um 07:36 Uhr

    Viele reden davon, was der ,,Markt“ dem ,,Staat“ angetan hat. In Wirklichkeit ist es doch so: Die Banken dürfen Kredite ohne Ende vergeben und wer drückt ihnen das Geld in die Hand? Der Staat und seine Zentralbanken (siehe Nullzinspolitik, Anleihenkauf und ,,Wert“hinterlegung). Dadurch kann eine Branche schön für Boni durch kurzfristige Superspekulation sorgen und dankt es dem Staat mit ,,nachhaltigem“ Blitzwachstum irgendeiner Modebranche. Der hart sparende Sparer ist der Dumme (Press beschrieb es oben), obwohl er eigentlich nach gesundem Menschenverstand mit seinem ihm wirklich gehörenden Geld König sein müsste. Das nenne ich im besten Fall Mega-Subvention für eine Branche, im schlimmsten Fall (Geld-)Adel bzw. (Geld-)Politbüro-Kommunismus.

  6. Janam 5. Dezember 2010 um 11:57 Uhr

    P.S.: Die Risikoprämien steigen. Angeblich weil die deutsche Regierung private Gläubiger beteiligen will (eigentlich das Normalste von der Welt, normaler ist die Vollhaftung, s.o.)? Quatsch! Weil die Länder in der Euro-Zone nun mal sehr unterschiedlich sind, das war auch vor dem Euro so (da gab es auch unterschiedliche Zinssätze). Neu war, dass unzuverlässige Schuldner mit dem Euro plötzlich den D-Mark-Zinssatz bekamen – und diesen zu weiterer Verschuldung nutzten. Nun zeigt sich aber, dass manche Länder ganz erheblich besser durch die Krise kamen als andere. Dass der Euro auf gut Deutsch an der volkswirtschaftlichen Situation/Einstellung in den einzelnen Ländern gegenüber Vor-Euro-Zeiten nichts geändert hat: Im Gegenteil, die Unterschiede wurden noch verschärft, weil die günstigen Zinsen eben in komplett unterschiedlicher Weise genutzt worden – von hemmungsloser Verschuldung in Griechenland bis hin zu staatlicher und privater Maßhaltung in Deutschland. Und genau deshalb stellt sich der Markt darauf ein und stellt die alte Situation = alte Zinssätze wieder her. So einfach ist das. Und der Grund, warum die Rettungspakete die Zinsunterschiede nicht ,,wegzaubern“ – es besteht eher die Gefahr, dass Deutschland sich übernimmt.

  7. Pressam 5. Dezember 2010 um 14:41 Uhr

    @Jan
    Was ist schon normal in diesen Tagen?
    Es ist normal, dass bei JEDEM Geldgeschäft die beteiligten Parteien ein Risiko tragen bis hin zum Totalverlust – aber private Gläubiger von Staatsanleihen horrende Zinsen einstreichen bei NULL Risiko?
    Es ist normal, dass ein Schlichter Geißler bei S21 seinen „Schülern“ nach 15 Jahren miserabelstem Geschacher die Planung um die Ohren haut – ihnen aber trotzdem das Versetzungszeugnis aushändigt.
    Es ist normal, dass man mit dem Zeigefinger auf Wikileaks-Chef Assange zeigt und ihn anprangert – aber keine großen Worte verliert ob der Unglaublichkeiten, die sich Staaten und Geheimdienste, auch in Deutschland, leisten.
    Es ist normal, dass die Überbringer der Nachrichten die bösen Buben sind – nicht jedoch die Verursacher.
    Es ist normal, dass die Polizisten bei S21, die Menschen schwer verletzt haben, straffrei ausgehen – dass aber Baumschützer & Co. die ganze hörte des deutschen Rechtsstaates zu spüren bekommen.
    Ist das alles noch NORMAL?

  8. Janam 5. Dezember 2010 um 21:54 Uhr

    Hallo Press,

    da ist ja viel Stuttgart 21 drin. 😉

    ,,Es ist normal, dass bei JEDEM Geldgeschäft die beteiligten Parteien ein Risiko tragen bis hin zum Totalverlust – aber private Gläubiger von Staatsanleihen horrende Zinsen einstreichen bei NULL Risiko?“

    – Nö, hoffentlich nicht (mehr lange). Siehe oben.

    ,,Es ist normal, dass ein Schlichter Geißler bei S21 seinen “Schülern” nach 15 Jahren miserabelstem Geschacher die Planung um die Ohren haut – ihnen aber trotzdem das Versetzungszeugnis aushändigt.“

    – Warum nicht? Ein echter Erfolg des Bürgerprotestes, der unterdrückte Informationen nicht zugelassen hat. Bei all den Änderungsvorschlägen des Schlichters, die die Kosten weiter treiben, bin ich gespannt, ob der Bahnhof noch gebaut wird.
    Ich frage mich aber als Außenstehender, was darüber hinaus diesen Bahnhof zum Untergang des Abendlandes macht? Geplant wird das Ding doch seit bald 16 Jahren. Wieso so spät? Und was ist die Alternative? Ein Kopfbahnhof 21 würde wohl ebenfalls ein Milliarden-Großprojekt werden und kaum weniger kosten. Ich habe die Schlichtung nur als Zusammenfassung in den Medien gesehen, aber ich denke mal, es wird ja Gründe geben, warum auch die Umfragenstimmung gekippt ist. Vieles wurde anscheinend in der Schlichtung nicht so heiß gegessen, wie es von den Gegnern gekocht wurde, nehme ich mal an.

    ,,Es ist normal, dass man mit dem Zeigefinger auf Wikileaks-Chef Assange zeigt und ihn anprangert – aber keine großen Worte verliert ob der Unglaublichkeiten, die sich Staaten und Geheimdienste, auch in Deutschland, leisten.“

    – Ehrlich gesagt fand ich bisher keine der Enthüllungen von wikileaks sensationell. Gab es bei Kaupthing windige Geschäfte vor dem Zusammenbruch? Wussten wir das vor dem August 2009? Ich denke schon, siehe den Artikel darüber bei uns und die Link-Sammlung am Ende. Gab es Kriegsverbrechen im Irak und Afghanistan? Offensichtlich ja, wie in jedem Krieg, auch darüber konnte man vor wikileaks zur Genüge lesen. Konnten wir uns über Westerwelle und Co. vorher ein Bild machen und ist es ungewöhnlich, wenn Obama von seinem Botschafter wissen will, mit was für Leuten er es demnächst zu tun haben will? Eigentlich schon. Ist die Lage in Pakistan bedenklich? Wohl ja. Also, wer sich über diese Themen informieren wollte, hatte meines Erachtens jenseits der Bild-Zeitung genug Möglichkeiten. Neu war für mich der Medienhype und dass Gaddafi nur noch in Begleitung einer vollbusigen Krankenschwester reist. 😉 Insgesamt geht es dem Westen also nicht so schlecht, finde ich. Mich würde aber mal interessieren, was Kim Jong-il und sein Sohn so vorhaben oder Mahmud Ahmadinedschad, wie Im Iran Prozesse gegen Ehebrecherinnen so ablaufen, und so weiter… Darüber schreibt wikileaks leider nichts.

    ,,Es ist normal, dass die Polizisten bei S21, die Menschen schwer verletzt haben, straffrei ausgehen – dass aber Baumschützer & Co. die ganze hörte des deutschen Rechtsstaates zu spüren bekommen.“

    – Dass der Polizeieinsatz gegen die Demonstranten im Stuttgarter Park völlig sinnfrei war, da stimme ich dir vollkommen zu. Wenn ein paar Kastanien geworfen werden, wäre von der Staatsmacht Deeskalation statt Eskalation richtig gewesen. Das hat die Staatsmacht wohl auch eingesehen, worauf jedenfalls das Verhalten seitdem schließen lässt. Allerdings muss man auch festhalten, dass es bei Zehntausenden Demonstranten auch nur wenige Verletzte und einen ganz tragischen Einzelfall in Form dauerhafter Behinderung gab, also sieht es mir eher nach Unglücksfällen anstatt Gemetzel aus.

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