Noch einmal zur Euro-Krise

13. Dezember 2010

Bei Focus Online gibt es dazu interessante Interviews mit Prof. Wolfgang Gerke und Paul De Gauwe.

In gewissen Punkten möchte ich ergänzen bzw. den beiden widersprechen:

1. Herr Gerke spricht auch davon, dass Deutschland ,,ganz besonders [vom Euro] profitiert“. Richtig daran ist, dass der deutsche Exportanteil in Euro-Länder von 46% 1999 auf 41% 2009 gesunken ist. Exportsteigerungen gab es v.a. in Bezug auf die neuen osteuropäischen Mitgliedsstaaten und Länder wie China, Indien, Brasilien, etc. Deshalb muss es korrekt heißen, wenn man sagt, ,,Deutschland hat vom offenen Markt in der EU (den gibt es schon länger als den Euro, aber auch er kann dazu gehören) enorm profitiert“.

2. Fakt ist, dass deutsche Banken die größten Schuldner der Krisenstaaten sind. Ob man daher direkt die Banken stützt oder direkt die Staaten ist zweitrangig. Es hängt also alles mit allem zusammen: Dumm (-dreiste?) Gläubiger haben leichtsinnigen Schuldern Geld geben. Da muss man endlich (Wo war eigentlich die BaFin?) den Banken strengere Spielregeln geben (siehe schon hier). Man könnte daher durchaus darüber nachdenken, ob man nicht die Zinsen für die Hilfskredite senkt, wie es Herr De Gauwe vorschlägt (und sich ein Beispiel am neuen Icesave-Abkommen nimmt?).

3. Allerdings wird keine Subvention und kein Konjunkurprogramm daran etwas ändern, dass die Krisenstaaten durch harte Zeiten gehen werden. Herr De Gauwe bringt es nicht wirklich auf den Punkt, aber erklärt es zwischen den Zeilen:  Griechenland ist in jeder Hinsicht überschuldet, staatlich und auch privat. In Irland, Portugal und Spanien wurden die Bürger zum massiven Konsum auf Kredit animiert, hier liegt das Problem v.a. im Privatsektor, wobei die ,,Rettungsaktionen“ der Länder das Problem auch auf den Staat überschwappen lassen. Woher sollen also die neuen ,,Wachstumsimpulse“ kommen, die diese Länder aus der Krise ,,zaubern“? Sollen Staat und/oder Private noch mehr auf Pump konsumieren, wodurch sie erst in die Krise geraten sind? ,,Das Bier ist alle, holt den Whiskey“ beißt sich also mit dem gesunden Menschenverstand, wenn man den Kater bekämpften möchte. Deshalb führt an dem Sparkurs kein Weg vorbei und sind und die harten Auflagen der Geberländer sind vollkommen in Ordnung, wie es auch Herr De Gauwe anerkennt.

4. Vollkommener Unsinn ist es dagegen, dass die EZB massenweise (Krisen-)Anleihen aller Art kauft und daher auf Kosten der Geldwertstabilität darauf zockt, alles werde zurückgezahlt. Daher halte ich die Inflationserwartungen von Herrn Gerke noch für recht optimistisch. Irrsinn wäre es auch, gemeinsame ,,Euro-Staatsanleihen“ auszugeben: Das würde bedeuten, dass die Deutschen dafür bestraft würden, dass sie sich jahrelang privat im Konsum und staatlich (Diskussion um Agenda 2010, Rente, Hartz IV, etc.) nur das geleistet haben, was sie auch bezahlen können.

Eine Reaktion zu “Noch einmal zur Euro-Krise”

  1. Janam 15. Dezember 2010 um 17:14 Uhr

    Eine schöne Zusammenfassung des Dilemmas:

    http://www.focus.de/finanzen/steuern/thewes/staatsverschuldung-die-euro-krise-haetten-wir-auch-ohne-euro_aid_581817.html

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