Guttenberg, Plagiat, Doktorarbeit oder haben wir keine anderen Sorgen?

17. Februar 2011

Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich frage, ob wir schon wieder Sommerloch haben und ich dem Beispiel von Guttenberg nicht folgen möchte 😉 : Da schludert unser Verteidigungsminister in seiner Doktorarbeit bei den Zitaten in einem Umfang von 3 bis schätzungsweise 15 Seiten bei einem Gesamtumfang von 475 Seiten, also so zwischen 1% und 5% des Gesamtumfangs. Jetzt kann man sich drüber streiten, ob man diese mangelnde Sorgfalt mit einem gewissen Notenabzug bestraft (z.B. von der Topnote auf ,,magna cum laude“  oder ,,cum laude“). Aber durch manche Medien tost ein Sturm, als stünde der Dritte Weltkrieg kurz bevor…

Witzig jedenfalls, dass gewisse Kontrollfreaks eine Seite eingerichtet haben, um fehlende Zitate zu entlarven, aber offensichtlich nicht mal den Titel von Guttenbergs Doktorarbeit richtig zitieren können: Die schreiben auf ihre Hauptseite was von ,,Verfassung und Verfassungsrecht“ (siehe auch Screenshot), das Werk heißt aber ,,Verfassung und Verfassungsvertrag“ (siehe hier) … Schon peinlich; wenn man selbst nicht zitieren kann, sollte man das Besserwissen besser lassen… 🙂

[Wichtiger Nachtrag 25.02.2011: Was ich zunächst nicht glauben konnte, ist inzwischen Gewissheit. Guttenberg ist auch für mich rücktrittsreif und zeigt in seiner Arbeitsweise, was zu seiner bisherigen Tätigkeit als Minister vorher nur vermutet wurde: Dass er eine Luftnummer ist. Siehe meinen Kommentar mit offenen, fast noch ungläubigen Augen hier.]

15 Reaktionen zu “Guttenberg, Plagiat, Doktorarbeit oder haben wir keine anderen Sorgen?”

  1. Dirkam 18. Februar 2011 um 09:32 Uhr

    Es soll ja immer mal wieder Leute geben, die abschreiben OHNE eine Quelle zu nennen 😉 Aber Du hast natürlich vollkommen recht. Das ist ein Sommerloch-Thema.

  2. Janam 18. Februar 2011 um 17:36 Uhr

    Eben. Wenn Guttenberg 100 Fußnoten vergessen hat, ist das bei 1200 Fußnoten etwas peinlich und sollte er mit einer Neuauflage korrigieren.

    Wenn die Hälfte des Textes in der Doktorarbeit allerdings einfach ohne Kennzeichnung abgeschrieben ist, dann ist das ein anderes Kaliber. Das erinnert mich dann auch an gewisse Stellen (auch im Internet!), wo Ideen anderer systematisch als eigene ausgegeben werden, regelmäßig falsch oder mangelhaft informiert wird und so eigenes Nichtwissen mit Leistungen anderer überspielt werden soll. DAS ist Plagiat.

    Im Moment sieht es eher nach ersterem aus, daher eher *Gähn*.

  3. Dirkam 20. Februar 2011 um 19:05 Uhr

    http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/kommentar/Stoppt-endlich-diese-Jagd-auf-Guttenberg-;art2930,35288

  4. Janam 20. Februar 2011 um 22:03 Uhr

    Danke, Dirk, für diesen hervorragenden Link. Der bringt auf den Punkt, was ich schon den halben Tag verzweifelt-vergeblich als Abschlusskommentar zu dem Thema zu formulieren versuche. 🙂 Ich versuche es selbst ein allerletztes Mal: 😉

    Angesichts der Erkenntnisse von SZ (hier), FAZ (hier und hier) und o.g. Seite (die jetzt immerhin weiß, wie das Buch heißt, mit dem sie sich befasst) muss man wirklich feststellen, dass Guttenberg wissenschaftlich mies gearbeitet hat. Im besten Fall hat Guttenberg keine Ahnung vom wissenschaftlichen Zitieren und hat handwerklich einfach schlecht gearbeitet: Denn immerhin verweist er selbst auf zahlreiche Abschreibquellen, aber nicht in wissenschaftlich ausreichender Weise – warum sollte er das tun, wenn er ein durchtriebener Täuscher wäre? Im schlimmsten Fall hat er seine Doktorarbeit neben den von ihm selbst genannten Tätigkeiten nicht so wichtig genommen, ist den Weg des geringsten Widerstands gegangen und hat einfach Fünfe gerade sein lassen beim Zitieren. Es ist jedenfalls sehr sehr peinlich, solch elementare Regeln nicht einzuhalten. Mit dem Spott muss er jetzt leben, genauso muss er (zu Recht) um seinen Titel fürchten, die Aberkennung wäre dann aber Strafe genug.

    Dennoch finde ich die Diskussion nach wie vor überzogen, denn was ist jetzt bewiesen? Dass Guttenberg tatsächlich ein Mensch ist wie wir und nicht alles (gleichzeitig) toll kann? Wen hat’s überrascht? q.e.d.? Dass er ein schlechter Teilzeit-Wissenschaftler ist, weiß man jetzt (siehe auch hier), ob er ein schlechter Politiker ist, dagegen eher nicht… Tolle Erkenntnis und deshalb die Hexenjagd?

    Es bleibt weiter ein Sommerlochthema….

  5. Dirkam 21. Februar 2011 um 09:01 Uhr

    Vor allem finde ich dieses Politikum grausam. Leider gehört es aber zum politischen „Handwerkszeug“ alle Schwächen, und seien sie noch so klein, gegen den politischen Gegner in Stellung zu bringen. Ich tippe mal, dass man solche Makel bei vielen Doktoren in der Politik finden kann, wenn man nur danach sucht. Ich finde diesen Politiker nicht so schlecht – er hat zumindest ein gewisses Profil. Zu Guttenberg ist sicherlich ein Egomane und Selbstdarsteller, aber welcher Politiker ist das nicht – auch das gehört mittlerweile in unser medialen Welt zum Handwerkszeug. Trotzdem hat er für mich Profil, da er nicht nur Rampensau und Egomane sondern auch ein Mann mit Format ist. Er ist mir jedenfalls zig mal lieber als viele seiner Artgenossen.

  6. GZSZ_DZam 22. Februar 2011 um 18:45 Uhr

    Fragen :
    Welcher Politiker hat uns geholfen, als das Kaupthing-Geld weg war ? Nach meiner Erinnerung keiner . Wer sass im Aufsichtsrat von HRE und Bay LB und welche Boni fließen wieder ?

    Was zeichnet einen „Mann von Format“ aus ?

    Dass er das laut sagt, was Tausende auch laut sagen : „In Afghanistan ist Krieg „.
    Das ist beachtlich, aber zu wenig.

    Vielleicht mal die Herkunft, Verwandtschaft von Vermögensvehältnisse von KTG betrachten:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Theodor_zu_Guttenberg

    Da erklärt sich manches und mein Mitleid hält sich in Grenzen

    Ich finde es immer noch bedauerlich, dass Portal und Forum Seitenhiebe austauschen, mir ist egal wer da wann wie Fehler gemacht hat und stur war.

    FAZIT:
    Divide et impera – zu deutsch: Verarschtwird immer der kleine Mann und er selber macht fleißig mit.
    Denn er kapiert selten , wer sein wirklicher Feind ist.

  7. Dirkam 22. Februar 2011 um 21:34 Uhr

    Antworten: Es haben viele Politiker ein Stück geholfen und viele haben es wenigstens im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht. Geholfen hat es an manchen Stellen, an einigen nichts. Der Anteil der Politik (auch und vor Allem der Isländischen) ist nicht zu vernachlässigen, denn ohne ein paar Leute im Hintergrund wäre das Geld vermutlich heute noch nicht da. Viele Andere haben auch ihren Teil dazu beigetragen. Robin Hood war es nicht alleine.

    Ein Mann von Format ist jemand, der sich nicht so leicht verbiegen lässt, der eine positive Ausstrahlung hat und der auch mal versucht den unangenehmen Weg zu gehen. Zudem ist ein Mann von Format jemand, der auch zu seinen Fehlern steht und sich der Kritik stellt und nicht den Weg des geringsten Widerstandes geht (Rücktritt).

    Es gibt zig Leute mit weitaus höheren Vermögensverhältnissen, die nichts tun und sich nicht politisch engagieren. Bei der Mentalität in der Politik – wer tut sich das freiwillig an? Klar knüpft man auch Kontakte und steht in der Öffentlichkeit usw. aber das glaube ich ist bei ihm nicht der Hauptbeweggrund.

    Forum: Ich habe auch nichts gegen Fehler (auch ich habe in der Kaupthing Zeit einige gemacht), aber wenn jemand Format hat, dann gesteht er diese Fehler auch ein und verbreitet keine Lügen. Daher teile ich solange „Seitenhiebe“ aus, wie ich das möchte. Ich lebe in einem freien Land. Ich betrachte es allerdings vielmehr als Satire. Wer sich so in den Vordergrund stellt und sich in dieser Art und Weise selbst beweihräuchert muss auch mit ein paar kleinen „Seitenhieben“ leben können. Mein Mitleid hält sich in Grenzen 😉

    Wer die Historie von Forum und Portal kennt, weiß auch wie oft wir die Hand gestreckt haben. Viele wissen allerdings auch nur was an die Öffentlichkeit posaunt wurde (nicht von uns) aber nicht was sonst noch so abgelaufen ist. Über vieles haben wir stets den Mantel des Schweigens gehüllt und das wird auch so bleiben.

    Wenn ich etwas für Quatsch oder falsch halte oder wenn mich etwas belustigt, dann schreibe ich das und ziehe es gerne auch mal durch den Kakao oder zeige Fehler und Schwachstellen auf – gerne auch mit Spitzen. Mit der Kritik diesbezüglich kann ich gut leben. Wer sich in der Öffentlichkeit bewegt muss auch damit rechnen (wie Guttenberg), dass massenweise verschickte und öffentlich zugängliche „Informationen“ kommentiert, kritisiert und auseinandergenommen werden. Merkwürdige Verhaltensweisen werden karikiert. Eine Rampensau muss das abkönnen. Wo also genau ist das Problem? Eine Demokratie hat eben auch andere Meinungen zur Folge. Wir haben uns stets auch mit anderen Meinungen auseinander gesetzt. Ist das etwas schlimmes oder notwendiger Reibungspunkt?

    Meine Meinung zur Hetzkampagne gegen Guttenberg: überzogen

    Meine Meinung zum Forum: viel Licht, aber auch viel Schatten. Basisdemokratie ist nicht (mehr) existent. Alle haben ein Recht auf die Meinung weniger. Was nicht passt wird zensiert, verschoben oder gelöscht. Selbstkritik: keine. Viele gute Leute wurden verprellt.

    Und das wichtigste zum Schluß: Stellt euch vor Kaupthing ist vorbei – und keiner merkt’s. Zinsen: Wahrscheinlichkeit unter 10%.

  8. Dirkam 22. Februar 2011 um 21:37 Uhr

    FAZIT: Difficile est saturam non scribere (Es ist schwierig, (darüber) keine Satire zu schreiben)

    Die Story von armen kleinen Mann kann ich nicht mehr hören. Das ist für mich der einfachste Weg und mit viel Selbstmitleid behaftet.

  9. Janam 25. Februar 2011 um 11:32 Uhr

    Guttenberg: So, nun ist der Titel auch offiziell endgültig futsch – überrascht hat’s wohl keinen mehr. Inzwischen muss ich sagen, dass sich die Verstöße als dermaßen gravierend sind, dass Guttenberg in einer derart herausragenden Positon untragbar geworden ist. Nach nährerer Betrachtung dürfte das, was er gemacht hat, sogar eine strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzung sein, d.h. ein Verstoß gegen das Vervielfältigungsrecht und Entstellungsverbot. Vollkommen unnötig – allein, weil er sich als Erfinder fremder Gedanken brüsten wollte. Hinzu kommt die Salamitaktik bei der ,,Aufklärung”, mit der er auch mich die ersten Tage geblendet hat. Ich erwarte seinen Rücktritt, er ist nicht mehr glaubwürdig.

    Politik & Kaupthing?: WIR waren erstmal selbst verantwortlich, WIR konnten überall nachlesen, dass wir uns im Falle des Falles an den ISLÄNDISCHEN Einlagensicherungsfonds wenden müssen und haben den isländischen Luftblasen geglaubt. Vielleicht nicht die beste Idee, die wir zu einer Zeit hatten, als sogar amerikanische Großbanken pleite gingen? Dass uns DIE Politik nicht unterstützt hätte, ist nach wie vor falsch und kann dutzendfach allein auf dieser Seite widerlegt werden (siehe z.B. hier, hier, hier und hier) . Die Regierung wollte sogar einen Kredit geben, aber Island auch nicht aus genannter Verantwortung entlasten (zulasten aller Steuerzahler – die Briten und Holländer können noch Jahrzehnte auf isländische Raten warten). Ergebnis? Alles richtig gemacht, alle haben ihr Geld zu 100% wieder!!! , Dazu hat die Regierung noch die Bundesbank eingeschaltet, damit die Rückzahlung nicht von anderen Banken gefpändet wird. Zum ,,Dank” wurden Steinbrück (siehe hier) und andere, die sich für uns eingesetzt haben (siehe hier), noch beschimpft. Da hätte ich als Politiker auch irgendwann keinen Bock mehr auf den kleinen (Kaupthing-)Mann. Wer diese Fakten ignoriert, kann gerne weiter an den Quatsch vom Mann glauben, der das Geld aus Island zurückholte…

    DAS Forum?: … … … Dazu ist wirklich genug geschrieben worden. Die sollen mal ihr Ding machen, interessieren tut’s doch (fast) keinen mehr…

  10. Janam 25. Februar 2011 um 13:47 Uhr

    Was ich zunächst nicht glauben konnte, ist inzwischen Gewissheit. Guttenberg hat die halbe Doktorarbeit nicht nur abgeschrieben, sondern als eigene Leistung ausgegeben, was wohl sogar eine (zivilrechtliche und strafrechtliche) Urheberrechtsverletzung = Diebstahl geistigen Eigentums sein dürfte. Dazu hat er den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für private Zwecke in Anspruch genommen, ohne dass er eine Genehmigung dafür vorweisen kann und dessen Ausführungen ebenfalls unrechtmäßig eingefügt. Und wofür? Gab es einen elementaren Erklärungsgrund für ein Vorgehen, das so ziemlich das Kapitalverbrechen beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit darstellt? Nein, wie Merkel richtig bemerkt, ist ein Doktortitel keine Einstellungsvoraussetzung für einen Ministerposten. Es kann also nur um Eitelkeit gegangen sein: Ein Mann, der eigentlich zum Schreiben einer Doktorarbeit überhaupt nicht in der Lage ist, tut so als wäre er der beste – geradezu der wiedergeborene (Möchtegern-)Goethe, wenn man das bis zur Unverständlichkeit gestelzt-abgehobene Vorwort liest. Und ist das jetzt eine ,,Lappalie“, was er gemacht hat? Mitnichten, es sagt mehr über Guttenbergs Persönlichkeit, seine Arbeitsweise aus als es auf den ersten Blick scheint: Will man einen Mann in herausragender Machtposition, der um der Eitelkeit willen (wissenschaftlich) moralisch und rechtlich die äußersten Grenzen überschreitet? So versucht ein Guttenberg also die Ansprüche zu erfüllen, die an ihn gestellt werden? Was sollen die ,,Untergebenen“ an der Bundeswehruniversität von ihrem zuständigen Minister denken, die für entsprechende Verstöße von der Universität gejagt und degradiert wurden (siehe hier) und würden (siehe hier – letzter Absatz!)? Oder mit fremden Worten: ,,Man kann das Prüfen an den Universitäten einstellen, wenn das Argument, es gebe Wichtigeres, Schule macht.“ ,,Man könnte fragen, wie gescheit man sich jemanden vorstellen soll, dessen Ehrgeiz ihn für so wenig so viel hat riskieren lassen.“ Möchte man von so jemandem regiert werden, noch dazu in einem Amt, bei dem es um Krieg und Frieden geht?

  11. Janam 25. Februar 2011 um 16:54 Uhr

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/der-volkstribun/3879462.html?p3879462=1

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kein-sonderrecht-fuer-medienguenstlinge/3875434.html

    http://www.stern.de/politik/deutschland/guttenberg-legt-doktortitel-ab-dr-muenchhausen-geht-in-klausur-1656459.html

  12. Janam 2. März 2011 um 13:30 Uhr

    Das war’s dann auch:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1272928/Guttenberg:-Die-R%C3%BCcktrittserkl%C3%A4rung

    Gorch Fock?
    Jetzt auch noch die Gorch-Fock-Medienberichterstattung anzuführen ist peinlich, schließlich wurde die letztlich sogar ausgelöst durch den von Guttenberg gern genannten Verlust von Menschenleben. Dafür kann Guttenberg zwar nichts. Der Kommandant, den er feuerte (obwohl er einen Tag zuvor noch die Ermittlungen abwarten wollte), aber anscheinend auch nicht: Ironie der Geschichte, dass dieser fast zeitgleich zu Guttenbergs Rücktritt reif für die Rehabilitierung ist (siehe hier). Das ist dann wohl auch bei der ,,Betrachtung seiner Person“ hinten runtergefallen…

    Ihm war immer wichtig, Fehler und Schwächen vor der Öffentlichkeit nicht zu verbergen?
    Bei seinem Umgang mit der Plagiatsaffäre musste er Tag für Tag eine Verteidigungsposition nach der anderen räumen. Von ,,abstrusen Vorwürfen“ und ,,ein paar vergessenen Fußbnoten“ über ,,vorübergehendes – ich betone vorübergehendes – Ruhenlassen des Titels“, ,,Verzicht“ auf den Titel und dessen Entzug bis hin zum Bewusstsein eines Strafverfahrens heute… Bewusst getäuscht will er immer noch nicht haben, obwohl von Zwischenbericht zu Zwischenbericht das Ausmaß der nicht vorhandenen eigenständigen Leistung größer wird: Nach vorläufigem (!) Stand besteht schon auf 83% der Seiten Plagiatsverdacht, 49% der Doktorarbeit sind wortwörtlich abgeschrieben, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde (siehe hier)…

    Gut bestelltes Haus?
    Von wegen. Bisher ist kein einziger Euro von den von Guttenberg angekündigten 8 Mrd. € eingespart, die Umsetzung der Reform existiert bisher nur in Hochglanzbroschüren…

    Keine Kraft mehr? Den Kräften des Politikbetrieb nicht gewachsen? Angst vor Veränderung des Charakters? Auf dem Rücken der Soldaten ging es nur noch um seine Person? Maßstäbe an sich selbst angelegt, die er auch von anderen gefordert hat?
    Als die Medienberichterstattung gut lief, war das alles kein Thema. Und bis gestern kam auch ein Rücktritt für die selbsternannte ,,sturmerprobte oberfränkische Wettertanne“ unter keinen Umständen in Betracht…

    Am ehrlichsten fand ich bei dieser Erklärung noch das Eingeständnis, dass das Herzblut an diesem Amt hing, seine Verbundenheit mit den Soldaten und den Satz, dass er Mitleid und Respekt für diesen Rücktritt nicht verdient. Auf diese Kernpunkte hätte er seine Erklärung besser beschränken sollen.

  13. Janam 2. März 2011 um 16:03 Uhr

    Bei aller Kritik sollte man aber seine Verdienste als Minister erwähnen: Als Wirtschaftsminister war einer der wenigen klarsichtigen Regierungspolitiker, die schnell erkannt haben, dass Staatshilfen für Opel und Arcandor/Quelle wirkungslos rausgeschmissenes Geld sind und Insolvenz die letzte Lösung wäre. Als Verteidigungsminister gehören zu seinen Verdiensten: Sein in Regelmäßigkeit und Direktheit so bisher nicht gekannter Kontakt zu den Soldaten, die realistische Lageeinschätzung in Afghanistan und der Anstoß zur Anpassung von Struktur und Ausstattung der Bundeswehr an die von ihr übernommenen Aufgaben.

    Hätte er so weiter gemacht und nicht den Hang, sich zu übernehmen (vom voreiligen Feuern von Personal, einer Bundeswehrreform bis hin zum Schreiben einer Doktorarbeit), es wäre gelaufen wie auf Schienen… Das ist eigentlich schade.

  14. Dirkam 2. März 2011 um 22:54 Uhr

    Tja Jan, nu isser wech. Ich finde es trotzdem SCHADE. Er hatte Format. Die ganze Politik ist verlogen: siehe Wahlversprechen. Daher hat er sich doch mit dieser Aktion gerade erst qualifiziert. Wenn man das allerdings als Kriterium nimmt, hätte ich noch einen anderen Kandidaten. 😉 Schade, auch Steinbrück ist weg von der großen Bühne.

  15. Janam 3. März 2011 um 14:10 Uhr

    Dirk, dein Kandidat hat mit Guttenberg immerhin gemeinsam, dass beide den Höhepunkt von Erfolg und Beliebtheit bei Kerner genießen durften. 😉 Aber Spaß beiseite: Guttenbergs ,,Format“ hin eng mit dem Bildformat deines Fernsehers zusammen. Es macht einen gravierenden Unterschied, ob Wahlversprechen nicht umgesetzt werden oder ob mit den unseriösesten Mitteln über eine Qualifikation getäuscht wird. Im ersten Fall handelt es sich um nicht erreichte Ziele, im zweiten Fall um eine Straftat. Im ersten Fall ist es ärgerlich (wobei die meisten Parteien in ihren Versprechen moderat sind, am meisten versprechen die Parteien am rechten und linken Rand), im zweiten Fall ein Kündigungsgrund, gerade in der Bundeswehr (siehe HIER). Würdest du jemanden als Chef akzeptieren, der seine Berufsqualifikation gefälscht hat? Was hat jemand für eine Einstellung zur Sache, an der er arbeitet, wenn ,,er in mühevoller Kleinarbeit“ fremde Texte zusammen kopiert und als eigene ausgibt? Gar keine – es geht nur darum, um jeden Preis sein Ego mit einem Titel zu schmücken. Es geht hier um etwas ganz Gravierendes, eine Einstellung zu seiner Arbeit – ,,mit Werten in Führung gehen“ hätte Guttenberg gesagt, wenn er einen Vortrag unter entsprechendem Motto nicht abgesagt hätte. 😉 Alle jammern über die Unehrlichkeit in der Politik und jemand, der die Krönung wissenschaftlicher Leistung komplett fälscht und von ,,abstrusen Vorwürfen“ spricht, soll unser politischer ,,Commander in Chief“ sein? Wir finden Bildung ganz wichtig, aber jemand, der ganze akademische Grade durch Betrug erschleicht, soll unser Aushängeschild sein? Wenn der König der Fälscher bei uns im Kabinett sitzt, können wir den Chinesen nie wieder was über Plagiate erzählen – die würden sich kaputt lachen. Dass Guttenberg auch jetzt noch große Krokodilstränen nachgeweint werden, kann ich mir nur damit erklären, dass viele nicht wahrhaben wollen, dass sie einem Täuscher anstatt einem perfekten Politiker aufgesessen sind. Oder die Mehrheit wünscht sich eben einen mit schöner Frau, toller Auftritt, adlig – dass wenig Substanz dahinter ist, so what? Da ist der Weg zur Schüssel für mich nicht mehr weit. Einen De Maiziere z.B. kennt hingegen keiner, obwohl seine Arbeit und seine Person sogar von Sigmar Gabriel gelobt werden. Auch der von dir genannte Steinbrück ist mit seiner direkten Art (,,Ich verspreche Ihnen nichts.“) krachend (mit) abgewählt worden. Offensichtlich zählt der perfekt inszenierte, große (mediale) Auftritt mehr als die Arbeit, die tatsächlich geleistet wird. Das finde ich wiederum SCHADE.

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