Monatsarchiv für September 2011

QUATSCH mit Soße

25. September 2011

Es ist nicht das erste Mal, das in Sachen Kaupthing von den Medien Unsinn verbreitet wird: Von angeblich superhohen Zinsen, angeblich abgelehnter Entschädigung deutscher Sparer, etc, etc.

DIESER Artikel zeigt es ein weiteres Mal:

Die drei wichtigsten Banken Islands, Landsbanki, Kaupthing und Glitnir gingen pleite und mussten verstaatlicht werden. Dadurch hafteten plötzlich die Bürger für die Schulden der Banken.

BLÖDSINN! Die Banken gingen pleite und wurden unter staatliche Kontrolle gestellt. Die Bürger haften (außer für Spareinlagen, siehe unten) für nichts. Aber ein Land ganz ohne Bank ist leider ein bisschen schlecht für die Wirtschaft. Also musste der Staat neue (Staats-)Banken gründen. Dazu löste er die isländischen Geschäftsbereiche aus den Pleitebanken heraus, siehe hier. Zusätzlich musste der Staat die Banken mit Geld ausstatten, Geld, dass der Staat nicht hatte (schließlich war mit den Banken die gesamte extrem kreditfinanzierte isländische Wirtschaft zusammengeklappt, also gab’s kaum noch Einnahmen, aber viele Ausgaben) und sich u.a. beim IWF leihen musste, siehe hier. DESHALB steht der Staat in der Kreide, er haftet aber nicht für die Schulden der Banken.

Die neue Regierung, die 2009 gewählt wurde, gab aber den Forderungen der Gläubiger zunächst ebenfalls nach. Jeder isländische Bürger sollte für die Dauer von 15 Jahren 100 Euro im Monat – mit einer Verzinsung von 5,5 Prozent – die 3,5 Milliarden Euro Schulden zurückbezahlen, die die Banken verursacht hatten.

Hier wird so getan als ob Island eine Wahl hatte. Fakt ist: Der STAAT (und damit auch die isländischen Steuerzahler) muss sicherstellen, dass die Einlagen der Sparer bis (damals) 20.000 Euro abgesichert sind (siehe hier). DAFÜR durften isländische Banken ins ganz Europa ungestört ,,fischen“. Das ist eine rechtliche internationale Verpflichtung. Die isländische Finanzaufsicht hätte den Banken auf die Finger klopfen können, dass sie keine Einlagen mehr in Europa sammeln. Hat sie aber nicht. Es gab auch keine Kochtopfdemos in Island oder eine Abwahl der Regierung gegen dieses riskante Geschäftsgebaren. Denn solange alles glatt läuft und der Rubel rollt (auch bei den Bürgern!), fragt keiner nach… Jetzt kann Island natürlich sagen: ,,Solange alles gut lief und wir von Europa profitiert haben: Dankeschön. Und wenn es schief geht: Nö, jetzt fühlen wir uns nicht an unsere Verpflichtungen gebunden.“ Aber dann wird niemand mehr mit den Isländern Geschäfte machen – und das zu Recht. Deshalb gibt es auch keinen Streit darüber, OB der britische und niederländische Staat sein Geld zurückbekommt, sondern nur WIE. Deshalb wäre Island – anders als es der schlecht recherchierte Artikel lobt – kein Vorbild, wenn es weitere Abkommen blockiert, sondern einfach nur blöd – weil es sich international durch egoistisches Verhalten isolieren würde.