Meinungen

Island zwischen 2006 und 2008: Geschichte wiederholt sich… nicht?

12. Mai 2010

Im Bundestag wird mal wieder über ein Rettungspaket diskutiert. Dabei streitet man sich, ob man lieber ,,Finanztransaktionssteuer“ oder ,,Finanzaktivitätssteuer“ haben möchte (siehe Focus Online und Handelsblatt). Alles, um der vermeintlichen Ursache der Krise, den ,,Spekulanten“, an den Kragen zu gehen. Nebenbei: Der Begriff Spekulant ist dehnbar, auch wir Kaupthing-Sparer wurden mehr als einmal als solche bezeichnet.

Dabei werden Ursache und Wirkung vertauscht. Natürlich ist es unverschämt, wie die Banken und großen Fonds mit ihren Rating-Agenturen versuchen, aus der Krise noch ordentlich Gewinn rauszuholen. Das ist aber die eine Erscheinung, nicht die Ursache der Krise. Warum haben sie denn überhaupt die Chance für das ,,Geschäft ihres Lebens“? Die Antwort ist simpel: Weil die Staaten (und daher die Politik) und letztlich wir alle auf Pump das Kredit-Rad zu groß gedreht haben.

Und warum ging das so lange gut? Da müsste man über die menschliche Psyche philosophieren… Das ist wie bei einem geschäftstüchtigen Bekannten, der erst zuverlässig immer eine gute Rendite geboten hat und jeden Monat 1000 € erwirtschaftet, und dem deshalb alle ihr Geld hinterherwerfen. In der Hoffnung, er steigert seine Einnahmen. Das geht lange gut, irgendwann hat er 2.000.000 € Schulden. Die Einnahmen des Bekannten sind aber nicht im gleichen Maß gestiegen, es kommen monatlich inzwischen nur 2000 € rein. Den ersten wird das zu riskant, sie steigen aus und so geht die Lawine langsam los…

Ähnlich ist’s bei den Staaten. Die können sich natürlich als sehr gute Schuldner mehr erlauben als Otto-Normalverbraucher. Aber irgendwann reichen auch dort die Einnahmen für die Rückzahlungen, Zinsen und Zinsesezinsen nicht aus.  Wieviel Schulden für einen Staat so gesund sind, wurde einmal in den EU-Stabilitätskriterien (siehe dazu taz) berechnet und festgelegt… Die Spekulanten sind also nur Folge der Schuldenkrise.

Und nun kommt wieder Island ins Spiel. Auch dort gab es diese Schieflage, die Spekulanten bereits 2006 (!!) zu einem Angriff ausnutzten. Island konnte den Angriff abwehren (siehe Wirtschaftswoche), zog aber nicht die Konsequenzen daraus (keine neuen Schulden – in dem Fall der Banken), sondern machte weiter wie bisher. Die Folgen haben wir alle im Oktober 2008 zu spüren bekommen und sicher noch gut in Erinnerung… Hinterher zeigten isländische Banker mit dem Finger auf die Gewinner-Banker (siehe aspect online). An Ursache und Folge ändert das nicht. Was können wir von unserem isländischen Begleiter über lange Monate lernen? Das Rettungspaket für den Euro ist sicher richtig. Jetzt haben wir die Situation ,,Island 2006″ – alles hängt davon ab, ob man danach weitermacht wie bisher oder ob man für lange Jahre einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorlegt (was natürlich auch wieder Einschnitte bringen wird).

Für die Fußballbegeisterten unter uns: Team Staat spielt gegen Team Spekulanten. Im Team Staat stimmt die Zuordnung im Mittelfeld und der Abwehr überhaupt nicht. Mittelfeld-Regisseur Blank Fein vom Team Spekulant sieht die desolate Verfassung von Team Spekulant und spielt einen überlegten Pass auf Mitspieler A. Kermann. Der steht nicht im Abseits, ist plötzlich ganz frei vor Staat-Torwart M. Erkel… Jetzt kommt alles auf den Torwart an, ob A. Kermann den Siegtreffer erzielt… 😉

Keine Zinszahlung

10. März 2010

Wenn die Justiz entscheidet ob die Isländischen Banken den vereinbarten Zins zu zahlen haben oder ob die Anleger vertragswidrig als zinslose Kreditgeber eingestuft werden; das dürfte ein globaler Dammbruch in Bezug auf Zinszahlungsverweigerung bedeuten.

The better solution for Icesave

17. Februar 2010

…hopefully coming soon… 🙂

Die bessere Icesave-Lösung

17. Februar 2010

Vorwort

Dieser Text ist den Isländern gewidmet, die trotz ihres eigenen finanzwirtschaftlichen Flächenbrandes durch kluge Gesetze und entsprechendes Handeln dafür gesorgt haben, dass wir deutschen Kaupthing-Kunden 100% unserer Einlagen zurückbekommen haben. Eine englische Übersetzung gibt es hier.

Worüber man sich einig ist

Dazu zitiere ich Bjarni Kristjansson aus dem Kommentar 8 zum FT-Artikel „How the Icelandic saga should end“ (Danke an Eks für den Hinweis!) – sinngemäß übersetzt aus dem Englischen: „[…]Nach den isländischen Gesetzen haben Sparer Vorrang in Bezug auf alle Vermögenswerte der Landsbanki während des Abwicklungsverfahrens. Wenn wir die gesamten verfügbaren Vermögenswerte mit den gesamten Spareinlagen vergleichen, ist es offensichtlich, dass genügend Vermögenswerte vorhanden sind, um nahezu alle Spareinlagen abzudecken (Gesamte verfügbare Landsbanki-Insolvenzmasse 6,4 Mrd. Euro / Gesamte Icesave-Spareinlagen 7,3 Mrd. Euro = 88%).

Da so gut wie alle Icesave-Sparer ausgezahlt wurden, sind es die Einlagensicherungsfonds der entsprechenden Länder, die die ursprünglichen Forderungen übernommen haben. Dies sind der TIF in Island, FSCS in UK und DNB in den Niederlanden. Außerdem werden alle Zahlungen an den TIF automatisch an FSCS und DNB weitergeleitet, um die Icesave-‚Kredite‘ dieser beiden Fonds abzudecken. D.h. bedeutet, dass letzten Endes faktisch ALLE Insolvenzzahlungen der LBI immer an FSCS und DNB gehen werden. Diese Verpflichtung wurde – unabhängig vom Icesave-Abkommen – bereits ohne jeden Streit vollständig von Island akzeptiert, da dies mit den bestehenden isländischen Insolvenzgesetzen und -vereinbarungen im Einklang ist.[…]“

Die schlechte und komplizierte Lösung

Dazu wurde eine komplizierte Regelung gewählt, die erneut Bjarni Kristjansson – sinngemäß aus dem Englischen – erklärt: „[…]Die isländische Verhandlungsdelegation stimmte der Forderung zu, dass jeder [Einlagen-]Anspruch in zwei getrennte Ansprüche (TIF bzw. FSCS/DNB) aufgeteilt werden sollte. Jeder sollte den gleichen Vorrang in Bezug auf Zahlungen der Landsbanki-Insolvenzmasse bekommen. […] Siehe dazu Art. 4.2 (b) der Originalvereinbarung. Dies hat den unglücklichen Umstand zur Folge, dass der TIF nur eine teilweise Bezahlung seines 20.887-Anspruchs erhält.[…]“ Dabei darf nicht vergessen werden, dass der TIF wie oben beschrieben den eigenen Anteil ebenfalls an FSCS und DNB wegen deren Vorauszahlungen überweist. Dazu kommen noch die Zinslasten, die erneut Bjarni Kristjansson beschreibt: „Der zweite wichtige Aspekt hinter der isländischen Ablehnung des gegenwärtigen Abkommens sind die Zinsen, die berechnet werden, während gewartet wird bis die Abwicklungskomitees die Vermögenswerte der Landsbanki eingetrieben haben. Nach dem gegenwärtigen Abkommen muss Island 5,55% Zinsen auf die gesamte 3,9 Mrd. €-Garantie bezahlen, bis die Rückerstattungszahlungen aus der Landsbanki-Insolvenzmasse kommen. Diese Zahlungen könnten sich sehr leicht wegen möglicher Rechtsstreitigkeiten verzögern, die andere Gläubiger der Landsbanki führen könnten, da sie gegenwärtig nichts zur Begleichung ihrer Ansprüche erwarten können.  Diese Vereinbarung wird vom isländischen Volk als grundlegend ungerecht empfunden, da in Insolvenzverfahren ergänzende Ansprüche auf Zinszahlungen typischerweise nicht gestellt werden können. Das bedeutet, dass jede Zinszahlung an FSCS und DNB immer direkt von Island bezahlt werden muss, da sie nicht im Insolvenzverfahren ersetzt werden kann. [Denn: Der Staat Island und damit jeder Isländer soll für das Abkommen und insbesondere die Zinsen bürgen. Kein Wunder, dass man sich da erpresst fühlt.] Die Zinszahlungen auf die Icesave-Garantie betragen im Durchschnitt 200 Mio. € pro Jahr. Das wird zusammengerechnet, den Schulden in den ersten 7 Jahren hinzugerechnet und dann in den darauf folgenden 8 Jahren (2016-2024) abbezahlt. Insgesamt werden die Zinszahlungen auf eine Summe zwischen 1,5 Mrd. und 2 Mrd. € geschätzt, was die erwarteten Zahlungen des isländischen Staates für die Icesave-Garantie (0,5 Mrd. – 1 Mrd. €) WEIT ÜBERSTEIGT. Wenn man diese Summen mit der Gesamtbevölkerung von Island (320.000) vergleicht, kann man sich leicht ausrechnen, dass dies fast 10.000 € pro Person in Island entspricht. Dieser Betrag wurde oft in der Presse zitiert, aber viele Leute merken nicht, dass die meisten Zahlungen für Zinsen und nicht für die ursprüngliche Icesave-Verpflichtung sind.“

Die bessere Lösung für alle

Noch einmal zwei Schritte zurück:

Kurz vor dem Zusammenbruch der Landsbanki sah die Rechtslage wie folgt aus: Da es sich bei Icesave in UK und NL ebenfalls nur um Niederlassungen wie Kaupthing Edge Deutschland handelte, sicherte auch hier der isländische Einlagensicherungsfonds Forderungen bis zu 20.887 €. Forderungen darüber sicherten bis zu einer gewissen Höhe die Einlagensicherungen in UK und NL – diese Garantie der einheimischen Einlagensicherungen stockten britische und niederländische Regierung im Angesicht des Zusammenbruchs der Landsbanki deutlich auf. Kurz gesagt: Ursprünglich war für Forderungen bis 20.887 € der TIF zuständig, für alles darüber FSCS und DNB. Oder in Zahlen ausgedrückt: Von insgesamt 7,3 Mrd. € hätte der TIF für 3,9 Mrd. € Einlagen zahlen müssen, FSCS und DNB für die restlichen 3,4 Mrd. €.

Bekanntermaßen hat Island im Bewusstsein größerer Bankenzusammenbrüche und einer dann zahlungsunfähigen Einlagensicherung (TIF) Anfang Oktober 2008 Spareinlagen im Notstandsgesetz zu vorrangigen Insolvenzforderungen erklärt. Damit wollte man die Verpflichtung der Einlagensicherung vollständig über die Insolvenzmasse der Banken erfüllen. Dies betraf zumindest alle Einlagensummen, die zum Stichtag (Beginn der Zwangsverwaltung) geschuldet waren – sogar ohne Unterschied, ob die Summe über oder unter 20.887 Euro lag.

Was unser Glück war, ist der Kern des Icesave-Problems. Durch dieses Notstandsgesetz wurden alle Einlagen der Landsbanki (samt ihrer britischen und niederländischen Niederlassungen) in voller Höhe zum Stichtag 07.10.2008 vorrangige Forderungen. Nun gab es aber keine Auszahlung direkt aus der Insolvenzmasse wie in unserem Fall, sondern die britische (FSCS) und die niederländische Einlagensicherung (DNB) kamen für die Einlagen auf. Nun wollen diese ihre Gelder natürlich zurück erstattet haben. Und die schlichte und logischste rechtliche Lösung lautet: Die bezahlten Einlagenforderungen gehen wie gesetzlich vorgesehen auf FSCS und DNB über. Diese hätten dann über den gesicherten Vorrang dieser Forderungen faktisch Anspruch auf die gesamte Landsbanki-Insolvenzmasse. So beschreibt es auch Bjarni Kristjansson in seinem Lösungsvorschlag A: „[…]Die erste Lösung wäre, die gesamte Insolvenzmasse der Landsbanki an FSCS und DNB zu übergeben und ihre Ansprüche direkt daraus zu befriedigen, wie es Martin Wolf in seinem Artikel vorschlug.[…]“ Im Endeffekt würden FSCS und DNB damit ca. 88% ihrer gesamten Vorauserstattungen zurückerhalten. Zinsen gäbe es dann keine.

Dieses Ergebnis ist auch gerecht: Denn eigentlich hätte der TIF beim Landsbanki-Zusammenbruch nur für Forderungen bis 20.887 € bezahlen müssen, den Rest hätten FSCS und DNB aus eigenen Mitteln bezahlen müssen. Dank des weisen isländischen Notgesetzes bekämen FSCS und DNB aus der Landsbanki-Insolvenzmasse über die Jahre ca. 74% (2,5 Mrd. € / 3,4 Mrd. €) des Betrags erstattet, den sie ohne isländische Weisheit vollständig selbst hätten aufbringen müssen. Kein Grund also, noch mehr oder auch noch Zinsen aus den isländischen Bürgern rauszupressen.

Einige Gedanken eines einfachen Users

14. Oktober 2009

Bekanntlich ist über die Zinsfrage in Island noch nicht endgültig entschieden. Das wissen wir als Team von helft-uns seit Monaten und haben es umgehend hier mitgeteilt. Siehe den Auszug aus unserem Artikel vom 28.06.09:

[…] Dies sagen wir nicht aus einer Schnapslaune, sondern aufgrund langen und ausführlichen Gesprächen mit Kaupthing-Vertretern, die wir für vertrauensvoll halten. Fakt ist: Die Zinsen deutscher Bankkunden sind ein Fall, der in Island noch nicht endgültig geklärt ist.[…]

Auch einigen Mitstreitern unseres Nachbarn foren-city wurde bei einer Demonstration vor der Kaupthing-Filiale am 09.10.09 mitgeteilt, dass die Entscheidung über die Zinsen noch nicht gefällt wurde:

8 )
Wichtig! Ob überhaupt Zinsen als Forderungen anerkannt werden, in welcher Form und bis zu welchem Zeitpunkt, ist noch nicht entschieden. Wann hierüber eine Entscheidung fällt war nicht zu klären. Diese Frage berührt aber nicht die Frage der Antragstellung! Wer dann mit dieser Entscheidung nicht einverstanden ist, dem bleibt der Klageweg – und nur dieser und nur dann.

Ich halte fest: Auf der isländischen Seite besteht nach wie vor Verhandlungsbereitschaft über die Anerkennung der Zinsforderungen als vorrangige Forderungen. Wie diese Verhandlungen in Form eines „Wettstreit der Argumente“ zwischen uns Sparern und der isländischen Seite ausgeht, wird sich am 29. Januar 2010 entscheiden. Dann wird Kaupthing eine Gläubigerversammlung abgehalten (siehe Artikel vom 13.07.09) und Kaupthing wird eine Entscheidung über die Ansprüche treffen. Dann werden wir sehen, ob unsere Argumente geholfen haben.

Voreilige Klagen gegen irgendwelche isländischen Stellen (zumal auf unsicherer Grundlage) würde ich jedenfalls im Moment nicht einreichen. Ist erstmal eine Klage gegen eine isländische Stelle erhoben, befürchte ich, dass dieses Verhandlungsvertrauen verspielt wäre und die ganze Zinsangelegenheit nur noch vor Gericht geklärt werden würde.

Kurz: Der logische Weg ist aus meiner Sicht: Dreieinhalb Monate sollte man das Verhandlungsklima nutzen und versuchen, die Insolvenzverwalter der Kaupthing Bank mit Argumenten zu überzeugen – sollten die Verhandlungen scheitern, kann sich jeder immer noch überlegen, ob man Klagen gegen verschiedene Stellen in Island einreicht, so man denn will.

Daher meine Meinung: Den „Verhandlungen mit Argumenten“ eine Chance geben, die Isländer sind keine Unmenschen, sonst hätten sie uns nicht zu 100% unser eingezahltes Kapital zuückgezahlt. Wenn die Verhandlungen nichts bringen, kann man weitersehen, wenn man möchte.

Deshalb kann ich nur wiederholen, was ich persönlich für alle, die Zinsen haben möchten, in der nächsten Zeit am sinnvollsten halte:

Übrigens gilt zu dem Antragsverfahren allgemein die alte logische Regel: Je mehr Anträge Kaupthing auf den Tisch bekommt, je größer also der Stapel der deutschen Zinssparer wird, desto eher und genauer dürfte sich das Kaupthing-Abwicklungskomitee mit dem Zins-Problem beschäftigen.

FAQ-Update: Kaupthing-Abwicklungskomitee fordert weitere Übersetzungen

14. September 2009

Kaupthing hat seine FAQ auf den neuesten Stand gebracht – siehe www.kaupthing.com. Darin werden zusätzlich auch englischsprachige Übersetzungen von beigefügten Beweismittel gefordert. Zweifel an dieser allumfassenden Übersetzungspflicht sind angebracht, denn die deutschsprachigen Dokumente sind die Originaldokumente und in dieser Fassung gültig.

Mir fehlt einfach die Zeit, von den gesammelten, möglichen Nachweisen (siehe hier unter „Nachweise für Zinssätze“) auch noch Übersetzungen zu liefern. StefanM hat sich aber bereit erklärt, Übersetzungen von den aus unserer Sicht wichtigsten Teilen der o.g. gesammelten möglichen Nachweisen anzufertigen. Da auch er noch anderes zu tun hat, kann dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Stand der Dinge

27. August 2009

Hier eine kurze Stellungnahme zum Stand der Dinge bei den Zinsen.

Redaktionelles zur Seite

Eine tägliche Berichterstattung kann ich zeitlich leider nicht mehr leisten. Deshalb freue ich mich, wenn Mitstreiter(innen) eigene Beiträge verfassen, die sie für wichtig halten. Wie bereits mehrfach gesagt, die Seite bleibt offen und kann auch weiterhin zum Austausch genutzt werden. Allerdings werden wir den „Zinskampf“ nicht mehr an vorderster Front betreiben. Erste Informationsquelle zum Thema Kaupthing ist www.kaupthing.com. Möglicherweise gibt es auch künftig Informationen auf Deutsch auf www.kaupthingedge.de, allerdings wird die Niederlassung in Frankfurt demnächst aufgelöst. Wer auch weiterhin über die Ereignisse in Island auf dem Laufenden bleiben möchte, dem kann ich die Seiten The Iceland Weather Report, Iceland Review und IceNews. Iceland Review hat auch eine regelmäßig geführte News-Rubrik in Deutsch.

Isländischer Vertrauensanwalt von foren-city

Das Forum foren-city bewirbt einen isländischen Anwalt, der mit einigen Moderatoren dort zusammenarbeitet. Der Anwalt bietet Folgendes (Zitat):

Der Anwalt Thordur bietet:

  • Die korrekte Anmeldung der Ansprüche sowie deren Verfolgung bis zur Auszahlung. Zinsen werden bis zum Auszahlungstag der Einlage beansprucht.
  • Der Anwalt berechnet , unabhängig von der Höhe der Ansprüche, einen einmaligen Fixbetrag von 120 Euro.
  • Für Geschädigte mit einer Rechtschutzversicherung kann der Anwalt direkt beauftragt werden, oder auch als Korrespondenzanwalt in Island genannt werden.
  • Klartext: Die Ansprüche kann auch jeder selbst anmelden, das kostet lediglich Porto nach Island. Der Anwalt bietet Rechtssicherheit und Gewissheit, keine Ablehnungsgründe des Anspruches seitens Kaupthing durch ungültige Anträge zu liefern.
  • Wer den Anwalt beauftragt braucht kein Formular von Kaupthing auszufüllen.
  • Ich bin mehrfach um eine Stellungnahme gebeten worden, was ich denn von diesem Angebot halte. Ich gebe dazu keine Stellungnahme ab, da ich den Anwalt nicht kenne. Es ist eine weitere Handlungsmöglichkeit unter vielen, die hier erwähnt sei. Jeder muss selbst entscheiden, ob er das Angebot annimmt. Bei der Entscheidungsfindung sollte man vielleicht drei Dinge bedenken:
    1. Ob 120 € Fixbetrag günstig sind, hängt natürlich von der Höhe der Zinsansprüche ab.
    2. Es hängt auch davon ab, wie man die Chancen auf Zinsen einschätzt – die 120 € können ein weiterer Verlust der Kaupthing-Geschichte sein oder der Hauptgewinn zum Ziel, je nach Sichtweise.
    3. In dem angehängten Schreiben des Anwalts im Beitrag von foren-city heißt es zu den in den 120 € enthaltenen Kosten: „Anwaltsgebühren für die Berechnung der Zinsansprüche, das Einklagen der Forderungen und den Austausch mit dem Insolvenzverwalter und den Anlegern“. Ich gehe davon aus, dass sich das Angebot nicht auf alle Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Zinsanspruch bezieht, sondern nur auf die ordnungsgemäße Anmeldung der Forderung im Insolvenzverfahren. Was das Mandat also genau beinhaltet, sollte man erfragen, falls man ein Mandat in Betracht zieht.

    Formular zur Geltendmachung von Ansprüchen

    Wir haben – ohne Gewähr – aus unserer Sicht hier fast alles Wichtige zusammengetragen, was man braucht, um den Antrag vernünftig auszufüllen. Detaillierter können und wollen wir wegen der rechtlichen Unsicherheiten nicht werden. Was fehlt noch? Es gibt viele gute Argumente, den Zinsanspruch als vorrangig zu bezahlende Forderung anzuerkennen. Ich hoffe da auf Einsicht beim Abwicklungskomitee der Bank. Soweit ich es zeitlich schaffen, werde ich die Begründung, die ich meinem Antrag beifüge hier zur Verfügung stellen – wer abschreiben will, kann dies dann auf eigene Gefahr tun.

    Meine ganz persönliche Sicht der Dinge

    Man sollte diese Zinsen nicht unbedingt als sicher einplanen. Mir sind im Moment selbst fast die Briefmarken dafür zu schade. 😉 Ich finde nach wie vor: Das Ganze hätte wesentlich schlimmer und langwieriger werden können. Eine Rückzahlung von 100% des Kapitals innerhalb von 7 Monaten ist im Vergleich zu Lehman-Zertifikateinhabern, Opelanern, Hertie- oder Karstadt & Quelle-Angestellten ein gutes Ende. Deshalb würde ich nicht allzu viel Zeit und Energie in diese Zinsen mehr stecken und mich um andere, ergiebigere Dinge kümmern. Viele User sehen das anscheinend so, sodass auch unsere Besucherzahlen in der letzten Zeit zurück gegangen sind – das ist auch normal und gut so. [Aber 500 Besucher statt vorher 3000-5000 pro Tag finde ich dennoch nicht schlecht. 😉 ] Aber wie stark man sich dort einsetzt, bleibt natürlich wiederum jedem selbst überlassen…

    Meine Sicht: Ein paar Hilfen zum Ausfüllen des Antrags

    27. August 2009

    Nachdem jetzt einige z.T. irreführende Berichte aufgetaucht sind und wir zahlreiche Anfragen in der letzten Zeit erhalten haben, will ich noch die wichtigsten Fragen beantworten, so wie ich sie lösen würde.

    Wie immer gilt auch hier: Alle Angaben ohne Gewähr. Jeder ist für seinen Antrag in dieser rechtlich unsicheren Sache allein verantwortlich!

    Update 29.08.09: Was ist mit „ledger“ auf dem englischsprachigen Formular gemeint?

    Gute Frage. In der deutschen Übersetzungshilfe von Kaupthing wurde das interessanterweise weg gelassen. Ich habe mit StefanM darüber gesprochen und wir vermuten, dass damit der „Kontotyp“ Tagesgeld (instant access savings account) bzw. Festgeld (fixed term savings account) gemeint. Es könnte aber auch die „Hauptkontonummer“ (Stammnummer und Erweiterungen der Nummer für Unterkonten wie Tagesgeld, Depot, etc.) gemeint sein, wobei uns nicht bekannt ist, ob es eine solche in Deutschland gab. Da dieser Begriff in der deutschen Übersetzung fehlt, gehe ich davon aus, dass diese Zeile nicht entscheidend ist (garantieren kann ich das natürlich nicht).

    Wie berechne ich die Zinsen?

    Da gilt die deutsche Zinsformel, wie es auch Kaupthing bestätigt hat (siehe hier):

    K(apital)*P(Zinssatz)*T (Tage)
    ——–
    360*100

    Jedes Mal, wenn sich entweder das eingezahlte Guthaben K durch Ein- oder Auszahlung geändert hat oder der Zinssatz geändert hat, sollte man ein Zwischenergebnis machen. Und dann für den nächsten Zeitraum T (in Tagen) eine weitere Rechnung aufmachen, bis sich wieder entweder K oder P ändern usw.

    Am 31.12. sind die Zinsen der Einlage bei Tagesgeld dem Konto gutzuschreiben und werden danach mitverzinst (siehe bereits hier). Für Festgeld gilt laut Kaupthing-AGB Nr. VI. 3. das „Ende der jeweiligen Festlaufzeit“ als Gutschriftszeitpunkt.

    Nachtrag 19.10.2009: Bei einer taggenauen Berechnung, die in unserem Fall wohl von Bedeutung ist, muss man nach der deutschen Zinsberechnungsmethode natürlich JEDEN Monat mit 30 Tagen ansetzen, also auch Februar oder August, etc. Denn das Bankjahr hat nur 360 Tage.

    Wie berechne ich Zinsen ohne einen Kontoauszug von Kaupthing?

    Das sehe ich nicht als entscheidendes Problem. Ich habe einen Kontoauszug für Ende Juli 08. Darin waren alle meine Überweisungen am Morgen auch am nächsten Tag bei KED gutgeschrieben. Sollte eine Überweisung vom Referenzkontoüberweisung also vor 15 Uhr in Auftrag gegeben worden sein, sollte sie üblicherweise in Deutschland auch am nächsten Tag gutgeschrieben worden sein. Aus meiner Sicht kommt es da auf einen Tag mehr oder weniger auch nicht an. Das sollte das Abwicklungskomitee  bei der Prüfung der Ansprüche zur Not ohne Nachteil für ubs korrigieren (garantieren kann ich das natürlich nicht). Als Beweise könnte man Kopien der Kontoauszüge der Referenzkontoüberweisungen (Rest des Auszugs am besten schwärzen, siehe auch hier) mitschicken.

    Was hat es mit den Umrechnungen auf sich?

    Ich würde einfach den Betrag in Euro ausrechnen, dann nach dem Wechselkurs der Kaupthing-FAQs umrechnen und dann beides eintragen, sprich in Euro und in Kronen.

    Ich will für meinen Anspruch „Priority“=Vorrang beantragen. Wie begründe ich das?

    Sofern ich in den nächsten Wochen dazu komme, entwerfe ich für meinen Antrag eine Begründung dazu und stelle sie hier ein (abschreiben allerdings ohne Gewähr). Update 04.10.09: Hier ist sie.

    Was muss ich sonst noch beachten?

    Da hilft es aufmerksam, die Hinweise von Kaupthing durchzuarbeiten und einzuhalten – StefanM hat sie sogar übersetzt. Wer sich zusätzlich Hilfe holen will, kann sich ebenfalls durch unsere Zusammenstellung (ohne Gewähr) klicken.

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