Pressemeldung

15. Oktober 2008

30.000 GESCHÄDIGTE KAUPTHINGBANK-KUNDEN FORDERN HILFE DER BUNDESREGIERUNG

Ein Zusammenschluss der über 30.000 durch die mögliche Insolvenz der isländischen Kaupthingbank vom Verlust ihrer Spareinlagen bedrohten deutschen Kunden hat die Bundesregierung aufgefordert, die bestehende Rechtsunsicherheit umgehend zu klären. Nach Presseberichten wollen im Falle einer Insolvenz weder der deutsche noch der isländische Einlagensicherungsfonds für die über 300 Millionen Euro der deutschen Sparer eintreten. Die unter dem Namen Kaupthing Edge in Deutschland ansässige Onlinetochter der größten isländischen Bank hatte damit geworben, dass die Spareinlagen durch den isländischen Einlagensicherungsfonds gesichert sind. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte dieser Werbung nicht widersprochen. Am 9. Oktober hatte die BaFin der deutschen Niederlassung der Kaupthingbank untersagt, Auszahlungen an seine Kunden vorzunehmen, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern.

Die von dem Verlust ihrer Einlagen bedrohten Sparer forderten die Bundesregierung auf, einen Beitrag zu leisten, um eine Insolvenz der Kauptingbank abzuwenden, damit diese zu einem geordneten Bankbetrieb zurückkehren kann. Damit könnten die deutschen Kunden der Kaupthingbank in vollem Umfang vor Verlusten geschützt werden. Die Bundesregierung hat mittlerweile Kontakt zur isländischen Regierung aufgenommen.

Die niederländische und die schwedische Zentralbank haben dem Staat Island im Fall der Landsbanki einen Überbrückungskredit gewährt, so dass deren Bürger ihre Spareinlagen zumindest bis zu einer gewissen Höhe (Niederlande bis 20 887 Euro je Konto) erstattet bekommen. Die Briten haben sich mit der isländischen Regierung auf eine Garantie verständigt, die ein Volumen von 5 Mrd. Euro umfasst. Da die Situation bei der Kaupthing-Bank mit der der Landsbanki vergleichbar ist, fordern die deutschen kaupthing-Kunden die Bundesregierung auf, im Hinblick auf die Sicherung der Einlagen dem Vorbild der Niederlande, Schwedens und Großbritanniens zu folgen.

Die deutschen Kaupthingbank-Kunden fordern die Bundesregierung auf, sich für den vollständigen Erhalt der deutschen Spareinlagen einzusetzen. „Die Kunden der Kaupthingbank haben Tages- und Festgeld bei einer großen Europäischen Bank angelegt und sind damit bodenständige Sparer wie jeder Sparkassenkunde. Kaupthingkunden sind keine Zocker, die die Bundesregierung nun im Regen stehen lassen kann“, betont Jochen Heimberg als Vertreter der von der Sperrung der deutschen Konto betroffenen Kaupthing-Kunden.

8 Reaktionen zu “Pressemeldung”

  1. Klauserlam 15. Oktober 2008 um 18:09 Uhr

    Hallo zusammen ich habe gerade eine Adresse in Kiel bekommen vom Euro Ombudsman welcher meint dort wären die Isländer auch vertreten. Habe die dort mal angeschrieben um zu sehen was geht. Anbei das Schreiben vom Ombudsman, vieleicht wollen ja noch andere dort hinschreiben. Grüße Klaus Hanser

    Sehr geehrter Herr Hanser,

    vielen Dank für Ihre E-Mail, in der Sie um Rat zum Umgang mit Ihren Einlagen bei der isländischen Bank Kaupthing Edge bitten. Für Ihre Sorge habe ich grosses Verständnis. Ich kann Ihnen aber leider nur begrenzt weiterhelfen.

    Der Europäische Bürgerbeauftragte hat die Aufgabe, Missstände in der Verwaltungstätigkeit der Organe und Institutionen der EU zu untersuchen. Sie können sich bei ihm beschweren, wenn Sie der Meinung sind, dass sich z.B. die Europäische Kommission oder das Europäische Parlament falsch verhalten haben. Der Bürgerbeauftragte darf jedoch nicht das Verhalten von nationalen Behörden oder von privaten Einrichtungen überprüfen.

    Daher muss ich Ihnen leider mitteilen, dass der Bürgerbeauftragte in der Situation, die Sie schildern, nicht eingreifen kann.

    Vielleicht kann Sie aber eines der europäischen Verbraucherzentren weitergehend beraten. Diese Zentren arbeiten in einem Netzwerk zusammen, zu dem auch eine isländische Stelle gehört. Das europäische Verbraucherzentrum in Kiel erreichen Sie unter folgender Anschrift:

    EVZ Deutschland – Kiel
    Andreas-Gayk-Str. 15
    24103 Kiel

    Telefon: 0431 – 590 99 -50
    Fax: 0431 – 590 99 -77

    Ausführliche Informationen zu den europäischen Verbraucherzentren finden Sie im Internet unter:

    http://www.evz.de

    Mit freundlichen Grüssen

    Wiebke Pankauke
    Legal Officer
    Büro des Europäischen Bürgerbeauftragten

  2. picidaeam 15. Oktober 2008 um 19:20 Uhr

    Hab schon Auszüge aus der Meldung in den Onlineportalen der Frankfuter Rundschau, NRZ und Focus Money gelesen. Langsam wird man auf uns Aufmerksam, weiter so!

  3. Eisiger Nordwindam 15. Oktober 2008 um 20:11 Uhr

    Ich kann es nicht oft genug wiederholen, gerade in Bezug auf den Artikel in Focus Money: Die Presseerklärung scheint noch nicht deutlich genug zu sein. Manche Medien (speziell Focus) scheinen uns als dumme Zocker hinstellen zu wollen, die in ihrer Not beim Staat um Hilfe betteln. Ich würde daher Folgendes in Zukunft gegenüber den Medien oder Bekannten oder Briefadressaten klarstellen:

    Hier geht es um eine konservative Anlageform (Tagesgeld) mit Einlagegarantie nach EU-Recht (über den EWR) bei einer Bank mit Filiale in DEUTSCHLAND. Diese Bank und der hinter ihr stehende Staat profitieren zwar von EU-Recht, aber halten sich nicht an EU-Recht (Sicherung der Sparanlagen von 20.887 €, siehe Hinweise auf Kaupthing-Seite zur Einlagensicherung). Das wäre so, als wenn sich eine Sparkasse nicht an deutsches Recht hielte.

    Es geht auch nicht um horrende Zinsen, sondern um einen Zinssatz, der ca. 10% über den Angeboten deutscher Anbieter liegt (Deutsche Bank!). Kein Mondzins, sondern als ob man bei Aldi statt bei Rewe einkauft.

    Dann kann man von unserer Regierung auch erwarten, dass sie Rechtsbrüche verfolgt. Durch ihr Verschulden (keine Überwachung der Einhaltung von EU-Regeln) werden ausländische Banken hier in Deutschland tätig, ohne dass die Garantien nach EU-Recht erfüllt werden. Andere EU-Staaten (GB, Niederlande, Schweden) verfolgen hingegen solche Rechtsbrüche von Verträgen, indem sie ihre Bürger nicht für Regierungsverträge haften lassen.

  4. Nathalieam 15. Oktober 2008 um 21:11 Uhr

    http://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/island-kaupthing-kunden-flehen-frau-merkel-an_aid_340958.html

  5. Nathalieam 15. Oktober 2008 um 21:41 Uhr

    @ Eisiger Nordwind

    Habe mich eben im Forum wahrscheinlich unbeliebt gemacht, finde nicht, dass das „UNSER“ Pressesprecher ist, zumindest mal meiner nicht.

    Denke, der möchte sich gerne profilieren.

    Aber wenn es uns allen nutzt -gerne.

  6. Eisiger Nordwindam 15. Oktober 2008 um 21:54 Uhr

    @ Nathalie:
    Hm, schwer zu sagen, was er für Motive hat. Ist mir aber egal, denn er hat die besseren Medienkontakte als ich ;-). Ich finde aber, dass wir bei so einem gewaltigen Medienecho ganz gehörig aufpassen müssen, dass wir nicht in die Zocker-Ecke gestellt werden, sonst sehe ich die positive Resonanz gegenüber unserem Anliegen ganz schnell schwinden. Deshalb habe ich ja so penetrant nochmal auf die Fakten hingewiesen.

  7. Nathalieam 15. Oktober 2008 um 22:09 Uhr

    Wende dich doch an den Focus um das aus deiner Sicht klarzustellen.

  8. Eisiger Nordwindam 15. Oktober 2008 um 22:19 Uhr

    Gute Idee. Ich hatte zwar – wie viele andere auch – bei den Kommentaren schon die Fakten nochmal klargestellt, aber es ist wohl besser dem Autor des Artikels noch einmal eine Mail zu schicken – mit Anlage pdf Einlagensicherung.

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