Antwort Markus Ferber, MdEP

16. Oktober 2008

Sehr geehrter Herr XYZ,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 12. Oktober, in der Sie mir Ihre Probleme als deutscher Kaupthing-Anleger geschildert haben. Ihre Ausführungen habe ich natürlich mit großer Besorgnis gelesen und Ihre Aufgebrachtheit ist für mich absolut nachvollziehbar.

Lassen Sie mich bitte zunächst kurz anmerken, dass Island nur Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) nicht aber der Europäischen Union ist und in der Vergangenheit nie in das europäische Finanzsystem integriert werden wollte. Dies hatte nicht nur einen höheren Risikoaufschlag für die Kunden zur Folge, sondern ermöglicht auch höhere Zinsen. Dies erscheint dem Kunden natürlich zunächst attraktiv, doch bedeuten höhere Renditen gleichwohl auch ein höheres Risiko.

Darüber müsste die Bank natürlich im Vorfeld ausführlich aufklären, damit den Kunden dies vor einer Geldanlage bekannt ist. Ihren Ärger über die fehlende Aufklärung der deutschen Niederlassung der Kaupthing-Bank gegenüber ihren Kunden kann ich daher verstehen, aber leider kann ich in meiner Funktion als Europaabgeordneter nicht eingreifen. Die Bank hat aber auf ihrer Homepage www.kaupthingedge.de zwischenzeitlich kurze Informationen zur Einlagensicherung sowie einen Link zum entsprechenden Antragsformular eingestellt.

Die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) hat ein Moratorium gegenüber der deutschen Niederlassung der Kaupthing Bank hf. angeordnet, da die Muttergesellschaft in Island der deutschen Niederlassung nicht mehr ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen konnte. Die Kaupthing Bank hf. unterliegt aber nicht dem deutschen Einlagensicherungssystem, sondern dem isländischen. Die isländische Mindesteinlagensicherung beträgt 20.887€ und erstreckt sich auf alle Kunden – auch die deutschen. Die Weigerung Islands, sich an unserem Finanzsystem zu orientieren, wird gerade jetzt zum Problem und gestaltet ein Eingreifen und Rettungsversuche durch die Deutsche Bundesregierung schwierig.

Das Verfahren bezüglich Ihrer möglichen Ansprüche auf Entschädigung gleicht dem Verfahren in allen Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschafts- und Währungsraums: Zunächst muss geprüft werden, ob tatsächlich ein Anspruch besteht, bevor eine Zahlung erfolgen kann. Derzeit steht die Bundesregierung in engem Kontakt mit den isländischen Behörden und setzt sich auf politischer Ebene dafür ein, dass die Ansprüche der deutschen Kunden möglichst schnell geprüft werden. Wann ein verbindliches Ergebnis feststeht ist leider derzeit noch nicht absehbar. In diesem Zusammenhang bitte ich Sie, die größere Problemlage zu bedenken, da in diesem Falle nicht ein einzelnes Institut, sondern der gesamte Finanzsektor eines ganzen Landes betroffen ist. Die Bundesregierung versucht, auf politischer Ebene dazu beizutragen, dass die deutschen Anleger trotz der sehr angespannten finanziellen Lage Islands ihre möglichen Ansprüche erfolgreich geltend machen können.

Ich hoffe sehr, Ihnen mit diesen Informationen geholfen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Ihr

Markus Ferber, MdEP

Mitglied des Europäischen Parlamentes
Vorsitzender der CSU in Schwaben
Vorsitzender der CSU Europagruppe
ASP 15 E 242
Rue Wiertz
B-1047 Brüssel
Belgien
Tel.: 0032-2845230
Fax: 0032-2849230
Email: markus.ferber@europarl.europa.eu

3 Reaktionen zu “Antwort Markus Ferber, MdEP”

  1. Eisiger Nordwindam 16. Oktober 2008 um 19:44 Uhr

    Da werde ich richtig wütend, wenn ich solche Antworten wie die von MdEP Ferber und MdB Amann lese: Keine Ahnung von der Materie und allgemeine Floskeln aus den Medien-nur die Standardantwort ,,Hohe Zinsen, hohes Risiko, legt doch auf der deutschen Wiese an, da gedeiht alles ganz prächtig.“ Mensch, wacht doch mal auf, liebe Abgeordenten, keiner weiß doch, was die Sparkassen für Leichen im Keller haben, weil die ihre Bilanzen nicht veröffentlichen müssen. War es nicht der liebe Sparkassenberater von nebenan, der Lehman-Zertifikate mit Warnung auf S. 15 als Top-Investment an den Mann/die Frau gebracht hat.

    Da lobe ich mir doch Dr. Udo Bullmann, der kennt sich wenigstens mit der Rechtlage aus ;-).
    Sorry, aber das musste mal sein.

  2. admin_1904am 16. Oktober 2008 um 19:53 Uhr

    Stimme ich dir voll und ganz zu.

    Ich stehe weiterhin zu meinen „hochspekulativen Schwarzgeldkonto“ in Island, das ich nur aus Geldgier eröffnet habe 😉

  3. Eisiger Nordwindam 16. Oktober 2008 um 20:29 Uhr

    *LOL*

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