ARD Geldanlage – Wie sicher ist Ihr Vermögen

20. Oktober 2008

BR, Samstag, 20. September 2008

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Unser erster Blick gilt einem Klassiker: Dem Sparbuch. Grundsätzlich ist festzuhalten: alle deutschen Kreditinstitute müssen per Gesetz die Spareinlagen ihrer Kunden für den Insolvenzfall absichern. Allerdings nur zu 90 Prozent und vor allem nur bis zu einer Summe von 20.000 Euro. Über diese Mindestsicherung hinaus gibt es noch freiwillige Sicherungssysteme.

Die meisten Geschäftsbanken sind im sogenannten Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Geht eine der Mitgliedsbanken in Konkurs zahlt der Fonds den Sparern ihr Geld zurück. In welcher Höhe die Einlagen geschützt sind, hängt von der Größe der Bank ab, mindestens jedoch 1,5 Millionen Euro pro Person. Um sicher zu gehen, fragen Sie ihre Bank, ob sie im Einlagensicherungsfonds ist. Wie krisenfest dieser Fonds wirklich ist, wird sich jetzt zeigen. Denn auch die deutsche Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers ist hier Mitglied. Und Lehman musste Konkurs anmelden. Auf den Einlagensicherungsfonds könnte nach derzeitigen Schätzungen eine Schadenssumme von bis zu sechs Milliarden Euro zukommen – mehr als sein Gesamtvolumen. Grund zur Panik? Die meisten Experten geben Entwarnung, so auch der Bankenexperte Dr. Martin Hüfner: „Wenn es wirklich schlimm wird, wenn mehr gebraucht wird, dann werden alle Banken zusammenstehen und sagen hier helfen wir aus. Denn jede Bank macht das auch aus Eigeninteresse. Vielleicht kommt sie auch mal in Schwierigkeiten und dann will sie auch, dass ihre Kunden geschützt sind.“

In jedem Fall gut abgesichert sind Sparkassenkunden. Denn alle Sparkassen bilden mit den Landesbanken und Landesbausparkassen einen Haftungsverbund. Damit sichern sie sich gegenseitig ihre Kundenguthaben in unbegrenzter Höhe ab. Und vor allem: schon vor einer drohenden Insolvenz greift dieses Sicherungssystem. Ähnliches gilt übrigens für Genossenschaftsbanken, zu denen auch die Sparda-Banken und die Volks- und Raiffeisenbanken gehören. Wer dort ein Sparbuch oder einen Sparbrief hat, dürfte ebenfalls auf der sicheren Seite sein.

Auch beim Tagesgeld sollten Sparer genau hinsehen. Oft bieten besonders ausländische Banken hohe Zinsen. Und da kann die Einlagensicherung deutlich niedriger sein als bei deutschen Instituten.
So zahlt zum Beispiel die Credit Europe Bank derzeit mit die höchsten Zinsen beim Tagesgeld. Doch das Ersparte ist nur bis zu einem Betrag von 20.000 Euro zu 100 Prozent abgesichert. Für weitere 20.000 Euro liegt die Sicherung nur bei 90 Prozent. Wer darüber hinaus Geld anlegen will, hat gar keine Sicherung mehr. Bei der isländischen Kaupthing Edge Bank, die derzeit einen ähnlich hohen Zinssatz anbietet, ist die Anlage grundsätzlich nur bis zu einem Betrag von 20.887 Euro geschützt.

Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte Geld nur bis zur jeweiligen Sicherungsgrenze der jeweiligen Bank anlegen.

Problematisch kann es bei Zertifikaten werden. Denn das sind im Grunde nur Zahlungsversprechen eines Kreditinstituts. Wer ein Zertifikat der insolventen Lehman Brothers Bank erworben hat, muss womöglich mit einem Totalverlust rechnen. Denn Zertifikate sind im Konkursfall nicht abgesichert. Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rät den betroffenen Anlegern abzuwarten, wie die Entwicklung bei Lehman sein wird und ob die Investmentbank oder die deutsche Filiale übernommen werden.
Und er hat noch einen Tipp: „Der Anleger sollte auch überprüfen, ob er von seiner Bank, die ihm das verkauft hat, fehlerhaft beraten worden ist. Vielleicht hat er da Ansprüche und die kann er dann gegen eine solvente Adresse stellen: eben seine Bank.“ Und das könnte einige Anleger betreffen. Denn Zertifikate wurden bisher oft als sichere Anlage angepriesen. Tatsache aber ist: selbst sogenannte Garantiezertifikate bieten keinen Schutz. Die Garantie für die Rückzahlung des Geldes gilt nur solange die Bank auch zahlen kann.
„Bei Zertifikaten muss man immer schauen, von wem sie stammen“ , so Martin Hüfner. „Das haben wir in der Vergangenheit vielleicht nicht immer beachtet. Wir haben immer geschaut, wo kann ich die höchsten Renditen haben. Aber Zertifikate sind in dem Augenblick wertlos, in dem der Emmittent, der das Papier herausgegeben hat, nicht mehr zahlungsfähig ist. Deshalb immer darauf achten, wer hat das Papier herausgegeben.“

Deutlich weniger Sorgen machen Bundeswertpapiere. Sie gelten als sicherste Anlageform. Zwar bringen sie nicht die allerhöchsten Renditen. Dafür kann der Anleger gut schlafen. Denn hier haftet der Staat.

Fazit: In unruhigen Zeiten wie diesen sollten Sparer bei der Geldanlage nicht nur auf eine hohe Verzinsung, sondern verstärkt auch auf Sicherheit achten.

Bericht: Martina Schuster/Sebastian Hanisch
Stand: Mitte September 2008

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