Heutiges Schreiben an Bundeskanzlerin

28. Oktober 2008

Liebe Leute,

ich habe  die letzten Tage  schon viele angeschrieben. Meiner Meinung nach muss man massiv auf die Eu los gehen, die uns mit ihren Freizügigkeiten für die EWR-Banken den Mist eingebrockt haben. Wäre jede in der EU zugelassene Bank/Niederlassung/Tochtergesellschaft (??) verpflichtet, den jeweiligen nationalen Einlagensicherungssystemen anzugehören, hätten wir den Ärger nicht.

Also los auf die Kommissare für EU Verbraucherschutz ( sie wollen uns ja auch die Aurobahnen auf 120 kmh beschränken, das Rauchen und Weintrinken eindämmen, weil sie so fürsorglich mit uns sind)  und den Kommissar für Banken, sowie auf den derzeitigen Vizepäsident Verheugen, denn lieen deutschen Politiker, den wir alle kennen…..

Auch die Europa.-Abgeordneten nicht vergessen! Stellt kritische Fragen, wie sie die durch die Richtlinie 19/94 geschädigten Verbraucher schützen und entschädigen wollen und wie eine Zwangsmitgliedschaft der Auslandsbanken in den nationalen Systemen der Anleger möglich ist.

Übrigens – eines is tmir aufgefallen, wer weiß was dazu:

Die Kaupthing sagt von sich, sie sei eine Tochtergesellschaft der isländischen Bank!Die mail, in der das steht, kann ich vorweisen!!

Ist das richtig, müßten sie doch im deutschen Einlagensicherungssystem zwangsweise Mitglied sein. Sind sie aber nicht! Wer kann das aufklären?

Vorerst mal mein heutiges Schreiben an Frau Merkel, mal sehen ob sie antwortet.

Grüße

Magdalena

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich habe im Vertrauen auf die durch europäische Richtlinien festgelegte Standards für das Bankenwesen bei Kaupthing Edge Bank Niederlassung Frankfurt am Main ein Tagesgeldkonto über 16000 Euro unterhalten. Zuvor hatte ich mich vergewissert, dass die Richtlinie 19/94 EU Richtlinie für dieses Institut umgesetzt ist und gesetzlich eine Einlagensicherung über ca. 20000 € besteht. Nach meinem damaligen Kenntnisstand vor der Krise erschien mir eine gesetzliche Einlagensicherung nach europäischem Recht ausreichend, ich kannte die Unterschiede von verschiedenen Einlagensicherungssystemen nicht. Außerdem nahm ich an, dass eine hier in Deutschland und damit auch im europäischen Rechtssystem zugelassene Bank entsprechend beaufsichtigt werde und ich dies als sicher ansehen kann. So fühlte ich mich in dem Glauben, die sicherste aller Anlagen zu haben: ein Festgeldkonto unter 20.000 € bei einer inländischen Bank in Frankfurt am Main, keine Aktien, keine Zertifikate, kein Anleihen bei schlecht gerateten Staaten oder Unternehmen!

Als die Krise heranrollte – am 2./3. Oktober 2008 bekam auch ich Angst und Zweifel. Ich wollte schon die Abhebung des Geldes veranlassen. Aber dann, am Sonntag den 5. Oktober 2008 kamen Ihre deutlichen Worte im Fernsehen…“ die Guthaben aller Sparerinnen und Sparer sind sicher….“. Es gab keinen Hinweis darauf von Ihnen, dass nur Guthaben bei Instituten mit deutscher Einlagensicherung gemeint sein sollten.

Ich fühlte mich also sicher, hielt mich sogar für vernünftig ( …richtig, dachte ich, wenn alle Leute ihre Gelder jetzt abheben, dann würde Krise noch schlimmer!) und ließ das Geld bei Kaupthing liegen!

So wie ich haben Tausende gedacht und gehandelt im Vertrauen auf die Verlässlichkeit europäischer rechtlicher Standards für Banken und für den Krisenfall auf Ihre Aussage vom 5. Oktober 2008!

Dann, ab dem 9.Oktober 2008 kamen die Schreckensnachrichten, die mich wie viele andere nächtelang nicht schlafen ließ:

1) Die Kaupthing -Konten wurden eingefroren.

2) Die Bundesregierung korrigiert Ihre Aussage vom 5. Oktober 2008 dahingehend, dass nur Bankguthaben bei Instituten mit DEUTSCHER Einlagensicherung durch Ihre Zusage geschützt seien.

3) Die isländische Finanzaufsicht bestreitet die europarechtlich zwingend vorgeschriebene Einlagensicherungspflicht für ausländische Anleger und „pokert“ um Kredite als Preis für die Erfüllung für ihre europarechtlichen Verpflichtungen.

4. Die Bundesregierung ist offenbar nicht gewillt, den Isländern einen Kredit dafür zu geben (wie Niederlande und GB) , offenbar weil die eigenen Banken schon genug Geld für Kredite an diese Bank verloren haben…..

Und nun? Was sollen wir tun? Vergeblich warte ich und viele andere auf eine deutliche Hilfestellung von Ihrer Bundesregierung. Vielmehr werden Kaupthing Kunden von Mitgliedern Ihrer Regierung vielfach als gierige Zocker dargestellt, die hätten wissen müssen, dass auf die oben dargestellten Sicherheit auch bei einem „sicheren“ Tagesgeldkonto kein Verlass ist.

Ich bin nicht nur überrascht, ich bin verstört und reibe mir die Augen ob dieser Verdrehung der Welt! Der Bürger soll also klüger sein, als die Bankfachleute in unseren Landesbanken, beim BAFIN, bei den inländischen Verbraucherschutzverbänden und bei den europäischen Institutionen, die solchen Bankinstitute aus dem EWR-Raum Geschäfte überall in der EU erlauben, sie auf die gutgläubigen Bürger loslassen und ihnen nicht sagen, dass nur eine Einlagensicherung im Staat des Kunden (hier Deutschland) wirklich sicher ist. Letzteres insbesondere vor dem Hintergrund, dass Verbraucherschutz zwar eines der großen Ziele der EU ist, aber keinerlei praktischen Wert zu haben scheint. Denn auch die EU schweigt zu dem Thema auffällig!

Ich bitte Sie – auch im Interesse der Tausenden von Betroffenen – um eine deutliche Hilfestellung.

Sei es, dass die Interessen der Anleger gegenüber Island von der Bundesregierung zentral vertreten werden und nicht jeder Bürger selbst klagen muss.

Sei es, das man die EU-Insitutionen (Kommissare für Banken und die für Verbraucherschutz) einschaltet, da die EU uns die Suppe durch ihre freizügigen Bankenzulassungen in Europa auch für EWR Staaten schließlich eingebrockt hat.

Sei es durch eine offene und Vertrauen in diese Regierung schaffende Informationspolitik über den Stand der Verfahren mit Island, die Pläne zur Vermeidung von Wiederholungsfällen und Ausführungen zur rechtlichen udn politischen Lage.

Sei es durch eine sofortige namentliche Offenlegung aller Institute und Niederlassungen in der Bundesrepublik, die nicht der deutschen Einlagensicherung angehören, verbunden mit der Aufforderung an die Leute, von dort sofort alle Gelder abzuziehen, weil die europäischen Mindeststandards der Einlagensicherung im Zweifel nichts wert sind!

Sei es durch einen öffentlich bekannt gemachten Vorstoß bei der EU, ab sofort die Zulassung von ausländischen Banken und ihren Niederlassungen von der Zugehörigkeit zu den nationalen Einlagensicherungssystemen (hier: dem deutschen) abhängig zu machen.

Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin, ich hoffe noch immer auf Ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit und bitte Sie um Auskunft,

– warum Sie nicht schon am 5.10. Ihre Zusage auf die Mitgliedschaft im deutsche Einlagensicherungssystem beschränkt haben (und uns damit ins Unglück rennen ließen),

– welche Maßnahmen die Regierung zur Sicherung unserer Ansprüche unternimmt,

– wie Bürger künftig europaweit und EWR-weit vor solchen Insituten geschützt werden sollen.

Ich freue mich auf Ihre Antwort uns sage DANKE.

Mit vorzüglicher Hochachtung

5 Reaktionen zu “Heutiges Schreiben an Bundeskanzlerin”

  1. magenschmerzam 28. Oktober 2008 um 01:31 Uhr

    Magdalene, ein tolles Lob für Deinen Brief…
    sachlich und doch fordernd.

  2. reklovam 28. Oktober 2008 um 10:23 Uhr

    Liebe Magdalena,
    wir können Dir nur unsere Hochachtung aussprechen und Dir danken für Deinen brillianten Brief an die Frau Bundeskanzlerin. Du hast den richtigen Ton getroffen, sachlich vorgetragen und mit Nachdruck auf die Verantwortung der auch von den Sparern gewählten Regierung hingewiesen. Wir unterstützen das Schreiben vollinhaltlich und wünschen uns allen, dass es ernsthaft gelesen und von kompetenten Mitarbeitern bei der Chefin vorgetragen wird.
    Wir hoffen, dass Du vom Kanlzleramt eine ähnlich qualifizierte Antwort erhältst.
    Mit solidarischen Grüßen
    reklov

  3. utecatam 28. Oktober 2008 um 10:45 Uhr

    utecat
    ich kann mich der Meinung von Magenschmerz nur
    anschließen.

  4. herbalthoughtsam 28. Oktober 2008 um 12:52 Uhr

    Toller Brief. Hoffe es wird ein Wirkungstreffer.

  5. alleswirdgutam 28. Oktober 2008 um 21:45 Uhr

    Hallo Magdalena,
    das ist ein sehr gut formuliertes und sachliches Schreiben.
    Ich habe es genauso wie Du und sicherlich auch viele Mitbetroffene gemacht.
    Wir sind alle keine Banker, wobei, die hätten es wissen müsen, oder können und haben Milliarden in Island angelegt und verloren.
    Wir, die bis 20.000,– angelegt haben kommen vielleicht ja noch mit einem blausen Auge davon, aber was ist mit denen die mehr angelegt haben?

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