E-Mail Verkehr mit Roland Koch

4. November 2008

Mir ist grad ein wenig die Hutschnur gerissen. Daher lasse ich Euch an meinem Mail-Verkehr anonymisiert teilhaben. Gruß Herbalthoughts. 


Von: xxxx
Datum:  4. November 2008 13:10:18 MEZ
An:  <Roland.Koch@stk.hessen.de> <Roland.Koch@stk.hessen.de>
Betreff:  Re: Ihre E-Mail vom 17.10.2008
Sehr geehrter Herr Koch, 
vielen Dank für Ihre E-Mail. Nichts für ungut, aber auf Dauer fühlt man sich als Bürger dieses Landes von seinen Volksvertretern nicht mehr Ernst genommen. 
Selbstverständlich sind in einer Krise solchen Ausmaßes staatliche Stützungsmaßnahmen erforderlich. Erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit die Legislative nicht nur in Deutschland arbeiten kann, wenn es um die Finanzmärkte und damit die Wirtschaft geht. 
Geradezu grotesk ist es dann jedoch, wenn die deutschen Kaupthing-Sparer seit Wochen keinerlei öffentliche Unterstützung seitens der Politik erfahren.  
Englische Sparer, Holländer, Finnen, Österreicher, Schweizer, Luxemburger etc. – alle sind aktiv und vor allem öffentlich von ihren Politikern unterstützt worden, in England hat man gar auf das Anti-Terror-Gesetz zurückgegriffen. 
Und was genau, Herr Koch, haben Sie persönlich bis jetzt für einen Kaupthing-Sparer getan? Soweit der Öffentlichkeit bekannt – NICHTS. Des gleichen gilt im übrigen für sämtliche Ihrer Kollegen, wobei die Farbe des Parteibuches keine Rolle spielt. 
Eine schöne E-Mail haben Sie da schreiben lassen. Transparenz und Klarheit fordern Sie da – wie wäre es, wenn Sie und Ihre Kollegen genau dies einfach mal für das eigene Wort und das eigene Handeln gelten ließen? 
Wissen Sie eigentlich warum ich ein Geschädigter bin? Nicht weil ich gierig bin, ähnliche Konditionen gab es auch von der Deutschen Bank. Nicht weil ich mich nicht informiert habe, Focus Money und die Magazine Euro sowie Capital haben die Kaupthing Bank sogar empfohlen. 
Nein, ich ganz persönlich war in Panik und wollte mein Geld bereits am 5. Oktober abziehen – und dann sagte Frau Merkel etwas von: Die Spareinlagen sind sicher, das garantiert der Deutsche Staat. 
Zurückgerudert wurde es am 9.Oktober, als sich die Pleite der Kaupthing nämlich zeigte. 
Fortan sind 30.000 Menschen quasi entrechtet – es ist ja nicht so als hätten wir unser Geld in Venezuela unter Hugo Chavez in eine US-Amerikanische Ölfirma investiert!  
Was mich so unendlich ärgert sind die E-Mails von Ihnen, Ihren Kollegen und die unqualifizierten Aussagen von Ministern wie Herrn Steinbrück und Herrn Glos. 
Mir persönlich könnte es mit einer Einlage von 7000.– Euro fast egal sein. Schauen Sie sich doch mal hier http://kaupthing-edge.helft-uns.de/schicksale/  die Schicksale an: Da stehen Existenzen auf dem Spiel. Menschen können Ihre Miete nicht mehr zahlen, stehen vor einer Bauruine oder sitzen im Ausland fest. 
Sie wollen was für die Menschen tun die Sie gewählt haben? Dann bitte – tun Sie endlich etwas, hören Sie auf Hohlphrasen zu dreschen und handeln Sie. 
Das nennt man im Übrigen auch Verantwortung übernehmen: Was Sie ja immer von uns Bürgern fordern. 
Mit freundlichen Grüßen
xxx aka Herbalthoughts
Am 04.11.2008 um 11:03 schrieb <Roland.Koch@stk.hessen.de > <Roland.Koch@stk.hessen.de >:
Sehr geehrter Herr xxx,
 
haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail vom 17. Oktober dieses Jahres, in der Sie sich kritisch zu dem von Bund und Ländern gemeinsam getragenen Finanzmarktstabilisierungsfonds äußern.
 
Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass die mittlerweile beschlossenen Maßnahmen bei einer Vielzahl von Menschen, so wie auch bei Ihnen, auf Kritik stoßen. Dennoch bin ich von der Alternativlosigkeit der staatlichen Reaktion auf das Desaster, das wir auf den Finanzmärkten erleben mussten, fest überzeugt. Ohne das staatliche Hilfspaket hätte kurzfristig ein Zusammenbruch der Finanzmärkte gedroht, der nicht nur für Deutschland mit unübersehbaren Folgen für Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand verbunden gewesen wäre.
 
Ich bin allerdings der Auffassung, dass wir in den kommenden Monaten Ordnungsrahmen und Spielregeln auf den globalen Finanzmärkten neu definieren müssen. Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass hier unzweifelhaft Handlungsbedarf besteht. Dabei kann es aus meiner Sicht jedoch nicht darum gehen, die Funktionsweise der Finanzmärkte grundsätzlich in Frage zu stellen. Vielmehr muss es unser Ziel sein, für mehr Transparenz und Klarheit zu sorgen, um künftige Fehlentwicklungen – soweit dies möglich ist – von vorneherein zu vermeiden.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
gez. Roland Koch
 
Sehr geehrte Frau Kanzlerin, sehr geehrter Herr Bundespräsident, 
Sehr geehrte Ministerinnen und Minister, Abgeordnete des Bundestages, Mitglieder des Bundesrates
Sehr geehrte Damen und Herren,
sicherlich haben Sie schon genügend E-Mails und Briefe zum Thema Kaupthing Bank bekommen. Nichts desto trotz ersuche ich Sie alle um Unterstützung: 
Unterstützung für die deutschen Anleger, die eine ähnliche Unterstützung ihrer Regierung erwarten, wie das etwa in Großbritannien oder in den Niederlanden der Fall ist.
Fakt ist, das ca 31.000 deutsche Anleger derzeit nicht an Ihre eigentlich liquiden Mittel herankommen. Dabei handelt es sich um Werte in Höhe von Rund 310 Millionen EUR. 
Wer sind diese Namenlosen? 
> Junge Familienväter, die mit den hohen Tagesgeldzinsen eine Refinanzierung Ihres Hauskredites angestrebt hatten und jetzt vor dem Nichts stehen. 
> Schüler die auf eine Weltreise nach dem Abitur gespart haben. 
> Studenten die geerbt haben. 
> Anleger,  die auf hohe Zinsen gehofft haben und sich durch die Einlagensicherung Islands, die deutschen Adressen der Kaupthing Bank in Sicherheit haben wiegen lassen. 
Eben ganz normale Menschen, die bei 3 % Inflation und mehr wenigstens etwas mehr an Zinsen erhalten wollten als bei der Sparkasse nebenan geht. 
Der Berichterstattung – unter anderem der des Forums für Kaupthing Geschädigte
 http://kaupthingedge.foren-city.de  können Sie entnehmen, dass der isländische Einlagensicherungsfonds nur über liquide Mittel in Höhe von rund 100 Millionen verfügt. Da aber auch diese vermutlich in irgendeiner Form angelegt waren ist zu vermuten, dass es sich um weit weniger handelt. 
Dem stehen weltweit Anleger der bis dato drei verstaatlichten Banken gegenüber. 
Neuesten Berichten ist zu entnehmen, dass die Bundesregierung mit Island in Verhandlungen steht und das beschlossene Rettungspaket umgesetzt wird. Das ist erfreulich und wird hoffentlich zu einer Lösung der Krise – im kleinen wie im großen führen. 
Dennoch sind 31.000 Anleger der Kaupthing Bank nur eine kleine Zahl und 300 Millionen im Angesicht der Unsummen von denen derzeit die Rede ist nur eine kleine Minderheit. 
Bitte setzen Sie sich daher persönlich in Ihren Parteien, Fraktionen, Ausschüssen und Ministerien für uns Anleger ein. Als Vertreter der Presse haben Sie vielleicht die Möglichkeit eine Alternative zu den derzeitigen 500 Milliarden Berichten zu bringen. 
Vielen Dank für Ihre Unterstützung vorab!
Mit freundlichen Grüßen
xxxx

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