Habe gestern (03.11.) ein längeres Telefonat mit der Kaupthing Zentrale geführt.

4. November 2008

Es ging im Kern um die Frage, wie sich solche Sparer verhalten sollen, die am 08.10. und 09.10. erfolglos versuchten, Geld von ihrem Tagesgeldkonto bei Kaupthing auf das Referenzkonto zu überweisen. Hier weist das Kontosaldo jetzt den Betrag „0“ aus, obwohl das Geld nicht auf dem Referenzkonto eingegangen ist.

Kaupthing Deutschland hat in dieser Sache bereits mehrfach Gespräche mit der DZ Bank geführt, die als Dienstleister von Kaupthing für die Zahlungsabwicklung zuständig ist. Die überwiesenen Gelder befinden sich offenbar auf einem Zwischenkonto der DZ. Die DZ sträubt sich aber, dieses Geld an Kaupthing zurück zu überweisen bzw. die Kontosalden zu berichtigen. Kaupthing sieht deshalb aber nicht den Anspruch der betroffenen Anleger gefährdet, weil die isländische Finanzaufsicht auf dieses Problem, das durchaus eine größere Zahl von Sparern betrifft, auf kurz oder lang stoßen wird und dann eine Lösung finden muß.

Nachdem die Kaupthing Bank in Island neu gegründet wurde, gibt es nunmehr zwei Kaupthing-Banken. Es wurde mir gegenüber betont, daß die alte Kaupthing Bank nicht insolvent ist. Die isländische Einlagensicherung hat den Entschädigungsfall festgestellt, weil Kaupthing Deutschland innerhalb der 3-Wochen-Frist nicht in der Lage war, Guthaben der Kunden auf Anforderung auszubezahlen. Damit war nach isländischem Recht die gesetzliche Voraussetzung für den Entschädigungsfall eingetreten. Man wollte auf Nachfrage auch nicht die Möglichkeit ausschließen, daß Kaupthing Deutschland seinen Geschäftsbetrieb fortsetzt, dann aber nicht unter der Marke Kaupthing, die wegen der jüngsten Ereignisse natürlich „verbrannt“ ist. Es laufen schon seit einiger Zeit hinter den Kulissen Gespräche zwischen Kaupthing und interessierten Banken in Deutschland und im Ausland, die das Geschäft von Kaupthing Deutschland übernehmen und ggf. fortführen könnten. Trotz der Feststellung des Entschädigungsfalls ist auch diese Option noch nicht vom Tisch.

Davon unabhängig hält es Kaupthing für richtig, jetzt den Anspruch auf Entschädigung bei der isländischen Einlagensicherung geltend zu machen, um die Frist zu wahren. Alles Weitere wird sich zeigen. Innerhalb der dreimonatigen Frist bis zur Auszahlung kann sich, so die Aussage, noch jede Menge tun. Man zeigte sich übrigens zuversichtlich, daß zumindest die Garantiesumme bis 20.887 Euro erstattet werden wird.

Die Finanzsituation von Kaupthing alt sieht offenbar deutlich besser aus als die von Landsbanki. Zwar reichen die noch vorhandenen Gelder bei Kaupthing Deutschland bei weitem nicht aus, um die offenen Guthaben zu decken; die Lage ist aber weniger dramatisch, als manche Medien behaupten. Der Grund, warum in Österreich eine weitgehende Rückzahlung der Einlagen an die Sparer aus Bestandsmitteln der dortigen Kaupthing-Niederlassung möglich war, ist der, daß Kaupthing Österreich zum Zeitpunkt des Moratoriums durch die Finanzaufsicht erst knapp eine Woche am Markt aktiv war und die Gelder deshalb noch nicht von der Muttergesellschaft in Island abgerufen worden waren.
Die Niederlassungen von Kaupthing in Europa waren, so die Aussage, „Geldsammelstellen“, die die Mittel der Sparer auf Anforderung an die isländische Mutter weiterleiteten, die dann damit am Markt arbeitete.

Die Mitarbeiter von Kaupthing Deutschland sind kaum besser über die Lage im Bilde als die betroffenen Sparer selbst. Auch sie beziehen die meisten Informationen aus der deutschen Presse. Es bestehen nur sporadische Kontakte zur Zentrale von Kaupthing alt in Island. Die Internetseite von Kaupthing Deutschland wird von Island aus betreut. Die deutsche Niederlassung kann deshalb nicht von sich aus Veröffentlichungen auf der Webseite www.kaupthingedge.de einstellen. Man geht aber davon aus, daß es demnächst offizielle Infos von Kaupthing Deutschland geben wird.

Titan

Eine Reaktion zu “Habe gestern (03.11.) ein längeres Telefonat mit der Kaupthing Zentrale geführt.”

  1. Tineam 7. November 2008 um 23:03 Uhr

    Hallo,
    ich habe eine Email an die DZ Bank geschrieben, da ich auch am 08. Oktober versucht habe mein Kapital auf das Refenzkonto zu überweisen. Die DZ Bank schickte folgende Antwort:
    „Anfragen zum Verbleib der Gelder im Zusammenhang mit der Kaupthingbank Deutschland sind von Ihrer Hausbank in Schriftform (nicht email) an folgende Adresse zu richten:

    DZ Bank AG
    S/OSK
    Postfach 106019
    70049 Stuttgart “
    Heute war ich dann bei meiner Hausbank. Auf telefonischer Nachfrage meiner Bankberaterin hat sich die obige Antwort dann als Blödsinn rausgestellt. Nachfragen zum Verbleib der Überweisungen kann nur Kaupthing Deutschland stellen. Ich fürchte, die DZ Bank arbeitet wohl mit unserem Geld. Hat jemand eine Idee, was wir hier noch tun können?
    Viele Grüße

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