Eine Lanze für die Isländer – kurz nachgedacht

14. November 2008

http://www.n-tv.de/1052448.html

Trotz aller Wut und trotz aller Angst um die Ersparnisse muss ich auch sagen, dass ich ein wenig mit den Isländern mitfühle. Es ist NICHT richtig, dass man das Land am ausgetreckten Arm verhungern lässt. Auch Staaten der EU müssen Farbe bekennen, und einen Teil des Schadens auffangen. Immerhin hat man Jahrelang zugelassen, das ein Finanzsystem auf Pump aufgebaut wird. Die Isländer wollten halt auch mit den großen Pissen gehen. Der Finanzmarkt wurde zu einer Art Selbstläufer, der moralische Aspekte und den Faktor Mensch völlig vergessen hat. Hedgefonds, Leerverkäufer und „Finanzgurus“ haben sich die Taschen voll gemacht und Milliarden verdient, die nun irgendwann in einer gigantischen Blase geplatzt sind.

Es zählte nur noch der „Shareholder Value“. Menschen wurden zum Wohle der Rendite geopfert. Mit Rohstoffen, Energie und fiktiven Werten wurde gehandelt auf kosten der „normalen“ Menschen. Die Lebenshaltungskosten in der EU sind in die Höhe geschossen. Gerade im Bereich Energie kann man sehen, was für eine Masche hinter dem ganzen System steckt… Der Preis für einen Liter Super-Benzin ist innerhalb kürzester Zeit von 1,55 auf 1,18 gefallen… Ist auf einmal das Ende des Rohöls wieder in die Ferne gerückt, oder will man endlich zugeben, dass die Gelddruck-Maschine ins stottern kam und alles nur eine riesige Zockerei ist? Liegt die Wahrheit vielleicht doch irgendwo in der Mitte – begraben zwischen ökonomischen und ökologischen Studien, deren einziger Schnittpunkt die Heuschrecke ist?

Vielleicht besinnt man sich mal und erkennt, dass wir mit unseren unglaublichen technologischen Möglichkeiten große Chancen haben. Vielleicht schaffen wir es irgendwann zu erkennen, dass Profitgier sehr kurzsichtig ist….dass man anfangen muss die Werte gleichmäßiger zu verteilen. Man könnte sich viele Ausgaben zum Schutz vor dem internationalen Terrorismus sparen, dessen Ursache einzig und alleine im Leid anderer Menschen und fehlender Bildung begründet liegt.

Was das alles mit Island zu tun hat? Im moment lässt man dieses Land genau aus diesen Beweggründen verhungern. Dort leben immerhin auch 300.000 Menschen, die größtenteils nichts dazu können, deren Geld massiv an Wert verliert und wo viele Leute ihre Existenz verlieren werden. Man könnte ganz einfach helfen, in dem man ein paar Milliarden an Krediten gewährt – geknüpft an Bedingungen. Für Rüstung wurde 2007 über eine Billion (1.000.000.000.000) US$ für Waffen ausgegeben… bedingungslos!

Mich macht das nachdenklich! Welche Werte zählen heute eigentlich noch? Wir haben in unserer globalen Welt eine unglaubliche Möglichkeit – vom Industrie- ins Informationszeitalter aufzusteigen. Das Internet bietet so viele Möglichkeiten. Open Source, Wikipedia. Da werden unglaubliche Werte geschaffen – KOSTENLOS und jeder kann daran mitarbeiten und sogar daran verdienen. Warum funktioniert das nicht in anderen Bereichen des Lebens, die weniger virtuell sind?

Natürlich muss Island in die Pflicht genommen werden, aber nicht um jeden Preis. Deren Staatschef ist in meinen Augen ein (schwäbisch) Säckel. Er hätte niemals vom drohenden Bankrott sprechen dürfen, denn dass hat die Sache nur noch verschlimmert. Ich bin trotzdem dafür, dass die EU und der IWF dem Land helfen, auf ein paar Milliarden rauf oder runter kommt es nicht mehr an. Die Deutsche Bank alleine hatte im Jahr 2007 einen Rekordgewinn von 7,5 Milliarden Euro, die Allianz 8 Milliarden, die Commerzbank 2 Milliarden, Münchner Rück 4 Milliarden. Die Bilanzsumme der Deutschen Bank beträgt über 2020 Milliarden (!) Euro.

Die Anwendung eines Anti-Terror Gesetzes, wie es uns die Briten vorgemacht haben finde ich UNMÖGLICH! Es gibt genug alternativen! Lasst den Isländern eine Chance.

Ich möchte auch mein Geld zurück – läppische 2240€ – aber nicht auf Kosten anderer Leute Existenz.

5 Reaktionen zu “Eine Lanze für die Isländer – kurz nachgedacht”

  1. Lehaneam 14. November 2008 um 13:01 Uhr

    Danke Dir, dass Du das noch mal auf den Punkt gebracht hast. Ich stimme hier in ganzer Linie zu.

    Wie sich ja herauskristallisiert, war unsere Regierung doch nicht so untätig, wie viele glauben, was mit Sicherheit auf die enormen Aktivitäten des Forums und Infoportals zurückzuführen ist.
    Ich gönne den Briten, dass sie schnell an ihr Geld gekommen sind (haben die es wirklich schon in der Tasche?). Aber ich hatte ein ungutes Gefühl von Anfang an (wo ist da der Haken?).
    Ich habe den Aussagen unserer Politiker geglaubt, das Sie im Hintergrund Verhandlungen führen. Und jetzt darf ich es ja offen sagen, ich finde die Vorgehensweise richtig. Ich finde es auch richtig, dass man nicht an die Presse gegangen ist. Dieser Weg scheint mir politisch korrekt, besonnener und humaner.
    Ich wünsche mir noch, das unsere Regierung sich von den Forderungen der Niederländer und Briten distanziert. Es sollen endlich die Kredite fließen.
    Viele der Ü20.000 mögen jetzt den Kopf schütteln. Vielleicht wird hier auch an einer Lösung gearbeitet.

  2. Nathalieam 14. November 2008 um 13:06 Uhr

    Hallo Lehane, danke für deinen Kommentar. Was ich schade finde ist, dass du schreibst „Und jetzt darf ich es ja offen sagen, ich finde die Vorgehensweise richtig. Ich finde es auch richtig, dass man nicht an die Presse gegangen ist.“ Warum? Ich habe meine Meinung von Anfang an ausgesprochen und wurde deswegen schon oft angegangen.

  3. Dirkam 14. November 2008 um 14:38 Uhr

    Bei den Ü20887 hoffe ich auf den immer wieder zitierten Satz „in Einzelfällen wird man eine hilfe prüfen“

  4. Lehaneam 14. November 2008 um 14:55 Uhr

    Dirk, den Satz habe ich auch immer so verstanden.
    Jede andere Formulierung wäre ja „ein Versprechen“.
    Schon verständlich, daß sich die Politiker vorsichtig ausdrücken.

    Nathalie, weis auch nicht. Meine Meinung wäre total untergegangen, jedenfalls im Forum.
    Ich habe den Eindruck, außer uns dreien denkt keiner so.
    Lehane

  5. Janam 14. November 2008 um 16:53 Uhr

    @ Lehane: Doch, ich sehe das auch so wie ihr. Also mindestens zu viert ;-). Ich denke, viele andere sehen das auch so, gerade nach den Reiseberichten von Karl-Heinz Bellmann.

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