Lanze für Kaupthing

17. November 2008

Ich muss jetzt mal Kaupthing in Schutz nehmen. Ich lese regelmäßig in den Pressetexten folgende Zeilen, die sich inzwischen als Standard für Hintergrundinformationen herumgesprochen haben (so heute wieder im Tagesspiegel):

,,Islands größte Bank war unter einem Schuldenberg zusammengebrochen und verstaatlicht worden. Noch vor kurzem hatte das Institut mit aggressiven Zinsangeboten für seine Tagesgeldkonten geworben.“

Dazu meine Meinung: Einen ,,riesigen Schuldenberg“ hat jede Bank. Denn das ist das Geschäftsprinzip einer Bank, dass sie jeden Euro, den sie einnimmt als Sicherheit für eigene Kredite nimmt, die sie aufnimmt, um wiederum andere Projekte zu finanzieren. Insofern finde ich das nicht ungewöhnlich. ,,Zusammengebrochen“ wären sicher auch die deutschen Banken, wenn nicht der deutsche Staat eingeschritten wäre – nicht umsonst wurde die Commerzbank gerettet.  Ein Staat mit der Einwohnerzahl von Wuppertal kann da nicht entsprechende Finanzspritzen bereitstellen. Wem würden Sie eher Kredite in zweistelliger Milliardenhöhe geben? Der Stadt Wuppertal oder der Bundesrepublik Deutschland? Außerdem hat Kaupthing bis zum Schluss Gewinn gemacht und war nicht im US-Immobiliengeschäft engagiert.

Zu den ,,aggressiven Zinsangeboten“: Dass Preise nicht überall gleich sind, dürfte auch bekannt sein. Dies liegt am Wettbewerb, wodurch Unternehmen angehalten werden, immer effizienter zu arbeiten, damit die Produkte immer billiger werden. Wer freut sich nicht, wenn er einen DVD-Player 10% günstiger als bei allen anderen Geschäften einkauft? Entsprechendes gilt auch für Zinsen (5,65% gegenüber 5,1%), zumal für ein Unternehmen, das ganz neu am Markt auftritt und sich erst einen Kundenstamm aufbauen will. Wenn ich einen Laden für DVD-Player in einer Straße aufmache, wo schon fünf solcher Geschäfte sind, werde ich neue Kunden v.a. dann bekommen, wenn ich immer um 10% unter den Preisen der anderen 5 Geschäfte bleibe. Und obendrein finde ich den Werbeslogan ,,Zinsen auf hohem Niveau-Vertrauen auf lange Sicht“  überhaupt nicht aggressiv – im Gegenteil, der klingt für mich seriös. Deshalb bin ich u.a. auch Kunde der Bank geworden, weil die Seriosität der Bank nie in Zweifel gezogen wurde.

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