Endlich beginnt die seriöse Aufarbeitung der Akte Kaupthing

11. Dezember 2008

Die österreichische Kleine Zeitung berichtet über die Island-Geschäfte einer österreichischen Raiffeisenbank hier:

[…] Die Bewertungen der Ratingagentur Moody’s lagen bei AAA und AA – also den höchsten möglichen Werten. Auch die Experten, die für das Anlagenmanagement zuständig waren, gaben ihren Sanktus. „Was hätte also dagegensprechen sollen, dass auch die Raiffeisenbank Radenthein Bad Kleinkirchheim einen Teil ihres Geldes in Island veranlagt?“, sucht deren Vorstandsdirektor Johann Görtschacher rückblickend nach einer Erklärung.

„Hund in der Bilanz“. Eine solche braucht er nämlich gegenwärtig, denn das Engagement, das vor ein paar Jahren noch als „solides Investment“ eingestuft wurde, ist nun das, was man einen „Hund in der Bilanz“ nennt.[…]

Nationnews.com aus Barbados (!) betrachtet (auf Englisch) die Lage in Island und fragt, ob ein ähnliches Szenario auch auf Barbados eintreten könnte (übrigens: sehr gut beschrieben, was der Zusammenbruch der Banken für den Alltag in Island bedeutet) hier:

Not surprisingly when this line of credit was no longer available, fears spread even though the banks were solvent. In the case of Kaupthing, matters were made worse when its subsidiary, Singer and Friedlander, was closed in the interest of protecting British investors.

Sinngemäß übersetzt: Es ist wenig überraschend, dass die Banken – obwohl sie zahlungsfähig waren – keine Kredite (in der bisherigen Größenordnung) mehr bekamen, als die Angst umging. Im Falle Kaupthing wurde die Situation noch dadurch verschlimmert, dass die Tochtergesellschaft Singer and Friedlander in der Absicht geschlossen wurde, die britischen Sparer zu schützen (Anmerkung Jan: milde ausgedrückt für den Einsatz des Anti-Terror-Gesetzes!!!!).

Allen Besserwisser, die dennoch schlauer als wir und alle anderen Banken, indem sie angeblich den Totalausfall von Kaupthing samt isländischer Einlagensicherung  vorausgesehen hätten, kann man wiederum nur das hier entgegen.

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