Times Online: Iceland: frozen assets

14. Dezember 2008

Ein fantastischer Artikel über die Situation in Island mit sehr liebevoller Beschreibung der isländischen Seele findet sich auf Englisch (hier). Dieser Artikel hat mir so gut gefallen, dass ich allen, die nicht Englisch können, ein paar Stellen übersetzen möchte.

[…] Wie bei jeder großen Katastrophe in der Welt, fielen die Schuppen von den Augen und alle hatten das Unausweichliche kommen sehen – in dem Moment, nachdem es passierte. […]

Die Handlung, der die letzte isländische Bank [gemeint ist Kaupthing] über die Klippe riss, kam von Gordon Brown, der isländisches Vermögen im UK einfror, indem er unsere neuen, strahlenden Anti-Terror-Gesetze anwandte. Die Isländer behalten das im Gedächtnis – sie sind dadurch verletzt. Man muss sehen, sie dachten immer, sie gehörten zu uns, nicht zu denen. Aber Gordon brauchte etwas Billiges, um fähig auszusehen, also verprügelte er ein kleineres Kind. Nicht nur ein kleiner Klaps, sondern ein bösartiges Eintreten. Um die Mädels zu beeindrucken. Er hätte es niemals gemacht, wenn die Banken deutsch oder französisch gewesen wären, nicht einmal falls sie aus Liechtenstein gestammt hätten.

Die Isländer merken sich die Terroristen-Geschichte. Sie haben nicht einmal eine Armee. Sie haben gerade so etwas wie ein Gefängnis: Es ist eher eine Anlaufstelle. Die Polizei fährt einen nach Hause, wenn man zu betrunken ist. Dies ist das liberalste, vernünftigste, am Härtesten arbeitende, bescheidenste, moralischste, humorvollste und am besten ausgebildete Volk des Kontinents; eine Nation, die am weitesten weg ist von Terrorismus. Merk dir dies im Zusammenhang mit Brown – der Mann, der sagte, er wolle die Ausbreitung des Terrorismus verhindern.  Erinnere dich daran, wenn er seinen ,,Rettet die Welt, Mr. Weltfrieden“-Hut aufsetzt. Er hat für eine Schlagzeile und drei Punkte in einer Sonntagsfrage einen Verbündeten auf die Intensivstation befördert. Vielleicht hatte er es nicht bemerkt. Vielleicht hat er durch seine Glasaugen geschaut.[…]

Es gibt etwas sehr Belebendes im Moment in Island – wie bei Menschen, die aus einem Traum erwachen. Es ist spannend und lehrreich. […] ,,Wir werden zurechtkommen, wir werden nicht verhungern,“ sagte mir ein Ladenbesitzer. ,,Wir haben Fisch und Roggen und Hammel und Gerste. Wir können die seltsame Tomate in Plastiktunneln anbauen. Wir haben Fähigkeiten, nützliche Fähigkeiten, praktische Fähigkeiten. Und wissen Sie, sie heizen das Pflaster von unten, sodass es nicht gefriert im Winter. Unser gesamter Strom ist thermisch und frei. Also, vielleicht kann ich kein neues Mobiltelefon haben, aber wenn ich mich betrinke und falle, wird mich das Pflaster warm halten.“[…]

Im 12. Jahrhundert passierte hier etwas wunderbares: Eine dieser Ausbrüche an Schöpfung, die sich den Gesetzen der Kultur entziehen, und die eine explosionsartige Ausbreitung von Kultur bringen. Eine Serie von Büchern wurde geschrieben, um das Dunkel zu erhellen: Sagen, Geschichten des Alltags, voll mit Rätseln und Sagenwelten, über Adlige und Bauern, Poltik und Rache, Liebesgeschichten und Reisen. Die ersten Erzählungen mit Gleichnissen und Fabeln und sich entwickelnden Charakteren. Niemand zuvor hatte dies vorher gemacht.  Es ist die Geburt der Literatur.  Sie sind unerklärlich, atemlos beeindruckend wie die Idee der Renaissance einige hundert Jahre später. Es waren die isländischen Sagen, die Tolkien inspirierten, ,,Herr der Ringe“ zu schreiben,  da er wollte, dass Großbritannien im Nachhinein auch einen Gründungslegende erhalten sollte.[…]

Island hat diese Schwäche begriffen, diese Gier, das Geschäft mit Geld, und hat ihm den Rücken zugewandt, um einen nüchternen Blick auf sich selbst zu werfen.

Sie werden zurecht kommen. Dies ist die Nation, die das erste demokratische Parlament – den Althing – geschaffen hat, dass die [britische] Königliche Marine bekämpft hat, um die erste nachhaltige Fischerei der nördlichen Halbkugel zu schaffen, drei ,,Miss World“ und einen Literaturnobelpreisträger hervorgebracht hat – und dann zweite wurde im Handball [bei den Olympischen Spielen in Peking]. Du wirst daran gemessen, wie stark du dich gegen Pech stellst. Nicht daran, wie du das Glück verprasst.

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal an die Petition der Isländer ,,Isländer sind keine Terroristen“ erinnern: http://www.indefence.is/?PageID=1537

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