Bankenpleite: Erspartes sichern

2. Januar 2009

Für die deutsche Tochter der US-amerikanischen Bank Lehman Brothers hat die Finanzaufsicht BaFin jetzt den Entschädigungsfall festgestellt. Was bedeutet: Die Kunden dieser Bank bekommen Ihre Einlagen zurück. Wohlgemerkt nur die Einlagen, also – grob gesagt – das, was auf Konten liegt. Dagegen werden sich die Inhaber inzwischen wertloser Lehman-Zertifikate wohl weiter vor Gericht mit denjenigen Banken um eine Entschädigung streiten müssen, die sie ihnen empfohlen haben. Denn Zertifikate werden von der Einlagensicherung nicht erfasst.

Immerhin einen Vorteil bietet die deutsche Lehman-Tochter, der sich jetzt, im Insolvenzfall, als entscheidend herausstellt: Sie ist dem deutschen Einlagensicherungssystem angeschlossen. Für 90 Prozent der Einlagen, maximal aber 20.000 Euro kommt die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) auf, eine Einrichtung, die also den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestschutz gewährleistet. Für den Rest haftet die freiwillige Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken. Lehman-Kunden werden also ihr Erspartes voll zurückbekommen. Aber eben nur das auf Konten Angesparte.

Übrigens brauchen Sie als Kunde einer Pleitebank, die zum deutschen Sicherungssystem gehört, zunächst einfach abzuwarten. Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken meldet sich von selbst bei Ihnen und schickt Ihnen Formulare zu, mit denen Sie Ihre Einlagen und sonstigen Ansprüche gegen die Bank anmelden können. Das Geld wird dann später automatisch auf Ihr Konto überwiesen.

Anders sieht es dagegen bei Banken aus, die nicht der deutschen Einlagensicherung angehören. Hier müssen Sie selbst sich um die Formulare kümmern. Bestes Beispiel: die isländische Bank Kaupthing-Edge, die ebenfalls pleite ist. Sie ist über den isländischen Einlagensicherungsfonds abgesichert. Angeblich sollen auch hier bald die Entschädigungen fließen. Aber die Formulare bekommen Sie nicht automatisch, sondern Sie müssen sie sich selbst auf der deutschen Website der Bank oder beim isländischen Einlagensicherungsfonds Tryggingarsjodur herunterladen.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es auch bei Kaupthing: Die Frist zur Anmeldung Ihrer Ansprüche wurde verlängert. Ursprünglich hieß es, nur Anträge, die bis 30. Dezember 2008 den isländischen Einlagensicherungsfonds erreicht hätten, würden berücksichtigt. Jetzt aber meldet besagte Insitution, auch Anträge, die danach eingingen, werde man akzeptieren. Hoffen wir, dass die Auszahlung, wie angekündigt, bald erfolgt.

Herzlichst

Ihr

Dr. Erhard Liemen,
Chefredakteur von:
„Bankkunden – vertraulich“
„Der Deutsche Wirtschaftsbrief“

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2009-01/12742607-achtung-bankraub-025.htm

Eine Reaktion zu “Bankenpleite: Erspartes sichern”

  1. xyzam 3. Januar 2009 um 23:12 Uhr

    Herrn Dr. Liemen vielen Dank für den informativen und sachlichen Brief. Wollen wir hoffen, dass das kommende Jahr uns allen bessere Ereignisse bringt, als das vergangene und dass wir bald alle aus größerer zeitlicher Distanz heraus zu einer sachgerechteren Ursachenanalyse der Krise gelangen, denn erst die ermöglicht es uns, die richtigen Konsequenzen zu ziehen und dass wir es um dem Ernst der Sache bewusst denn auch tun. Über Jahrzehnte hinweg war die Einlagensicherung mehr ein theoretisches als relevantes Thema und wurde, denn es ging immer gut, weitestgehend vergessen. Jedes Fahrzeug ist heute, was richtig, bis in den mehrstelligen Millionenbereich gegen Schäden zu versichern. Aber für private Ersparnisse und Geldanlagen z. B. aufgrund Immobilienverkäufe bis in den höchststelligen Bereich gab und gibt es immer noch nur die herkömmliche vollkommen mangelhafte Einlagensicherung. Geldanlagen müssen zukünftig absolut abgesichert werden, aus Gründen eines angemessenen Anlegerschutzes und um einer Flucht in Sachwerte zu begegnen. Es hilft nichts, dass im Fall einer tiefgreifenden Krise auch das vielleicht nichts nützt. Wenn dies nicht getan wird, ist garnichts getan.

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