Iceland Review: Finanzaufsicht untersucht Kaupthing-Anteilskauf

19. Januar 2009

Dabei gehe es um einen 5%-Anteil an der Kaupthing Bank, den angeblich Scheich Mohamed bin Khalifa Al-Thani – der Bruder des Emirs von Katar – für 188 Mio. € am 22.09.2008 – kurz vor dem Zusammenbruch der Bank – erworben habe.

Letzes Wochenende berichtete ein isländischer Fernsehsender, dass Kaupthing bei diesem Geschäft 221 Mio. € verloren haben. Dieser Widerspruch sei dadurch entstanden, dass die Kaupthing Bank selbst (!) den Anteilskauf finanziert habe.

Dabei sei der Anteilskauf von Firmen von den Virgin Islands ausgegangen, von denen eine Olafur Olafsson – dem damals zweitgrößten Anteilseigner der Kaupthing Bank – gehört habe. Diese Firmen hätten Geld an eine dritte Firma verliehen, die das Geld wiederum an die Investment-Firma des Scheichs weiterverliehen habe. Mit diesem Geld sei die Investment-Firma des Scheichs dann bei Kaupthing eingestiegen. Die Firmen von den Virgin Islands hätten dafür wiederum angeblich Geld von Kaupthing erhalten – besichert durch Anteile in der Bank. Im Gegenzug für seine ,,Mithilfe“ soll ScheihAl-Thani mit Kaupthing ein Devisentermingeschäft abgeschlossen haben, das ihm einen Wechselkursgewinn gesichert habe. Das Geschäft soll über Kaupthing Luxemburg gelaufen sein.

Update 01.02.: Heute berichtet darüber (ebenfalls auf Englisch) auch thisismoney.co.uk.

Meinung von Jan: Anscheinend wollte Kaupthing im Zuge der Krise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers einen namhaften Investor präsentieren, um Vertrauen in die Bank wiederherzustellen.  Auf gut Deutsch: Kaupthing gab den Briefkasten-Firmen von den Virgin-Islands einen Kredit. Falls dieser Kredit nicht zurückgezahlt würde, hätte Kaupthing Anteile der Briefkasten-Firmen einziehen können, die diese Firmen an der Kaupthing Bank besitzen. Die Virgin-Islands-Firmen haben dann der Briefkastenfirma des Scheichs das Geld weiterverliehen. Die Briefkasten-Firma des Scheichs kaufte mit diesem Geld die Kaupthing-Anteile (dafür erhielt der Scheich Geld von Kaupthing). Wäre die Finanzkrise überstanden, wäre die Briefkasten-Firma des Scheichs plötzlich ,,zahlungsunfähig“, woraufhin dann die Firmen von den Virgin Islands das einzige Vermögen der Scheich-Firma gepfändet hätten – den 5%-Kaupthing-Anteil.  Am Ende der Kette hätte wieder Kaupthing gesessen, die – anstatt der Kreditrückzahlung durch die wiederum ,,zahlungsunfähigen“ Virgin-Islands-Firmen – schließlich ihre eigenen Anteile zurückerhalten hätten. Unglaublich raffiniert – aber auch ein unglaublicher Betrug gegenüber den Investoren!

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