Nicht nur in Deutschland hat die Finanzaufsicht im Falle Kaupthing geschlafen!

3. Februar 2009

Es geht um die britische Kaupthing-Tochter.

Bevor die damalige Singer & Friedlander Bank von Kaupthing übernommen wurde und zu Kaupthing Singer & Friedlander wurde, hatte der damalige Vorstandschef von Singer & Friedlander die britische Finanzaufsicht vor der Übernahme gewarnt. Dies war im April 2005. In einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des britischen Unterhauses sagte Tony Shearer dazu: ,,Die Fragen, die wir gestellt haben, bezogen sich auf die Qualität und die Art der Einnahmen. Dies waren Dinge, die ich an die britische Finanzaufsicht weitergegeben habe.“ Die Zentrale in Reykjavik habe ihr Geschäft in merkwürdiger Weise betrieben. ,,Die Verantwortlichen bei Kaupthing hatten wenig Erfahrung mit internationalen Geschäften und nicht sehr viel mit Banking. […] Ich glaube, dass die britische Finanzaufsicht ausreichend Informationen hatte, wegen denen sie niemals der Übernahme hätten zustimmen dürfen. Falls die Finanzaufsicht doch die Zustimmung hätte erteilen wollen, hätte sie umfangreiche weitere Untersuchungen durchführen müssen.“ Die Aufsicht habe allein durch die Tatsache alarmiert sein müssen, dass beide Risikomanager von KS&F entlassen wurden, nachdem sie ihre Bedenken über die Art des Managements und besonders die Einstellung zum Risiko angebracht hatten. Er sei auch überrascht gewesen über die Angestellten der britischen Finanzaufsicht, die er als ,,unglaublich jung“ und ,,sehr unerfahren“ beschrieb.

Mr. Shearer trat von seinem Vorstandsposten zurück, bevor den Anteilseignern von Singer&Friedlander das Kaufangebot von Kaupthing gemacht wurde – das Angebot Aufsichtsratsvorsitzender zu werden, lehnte er ab. Mr. Sherarer gab schriftlich zu Protokoll: Er sei nicht bereit gewesen, gegenüber der britischen Finanzaufsicht die Verantwortung für eine Firma zu übernehmen, die Kaupthing gehöre.

Siehe die Berichte von Bloomberg, Times Online, wealth bulletin, money marketing und das Video bei channel4 (allesamt auf Englisch).

Mittlerweile hat sich die britische Finanzaufsicht geäußert. Die Finanzaufsicht habe eine ,,volle Bewertung“ der Übernahme vorgenommen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Außerdem habe man die Heimataufsicht in Island kontaktiert und diese habe keinerleit Einwände gegen die Übernahme gehabt.  Die Übernahme sei bei der Finanzaufsicht nicht durchgeboxt worden, sondern innerhalb des üblichen Zeitrahmens durchgeführt worden. und Siehe dazu die Berichte von BBC und Guardian (auf Englisch).

Anmerkung Jan: Dass die nach dem Gesetz ebenfalls zuständige Finanzaufsichtsbehörde bei den Gefahren gepennt hat, die von Kaupthing für normale Sparer ausgingen, scheint kein besonderes deutsches Problem zu sein. Normale deutsche Sparer hätten den finanziellen Zusammenbruch von Bank und Staat voraussehen sollen, die mit Fachkompetenz und Insiderinformationen ausgestatteten Finanzausichtsbehörden aber nicht? Hmmmm…. Wo ist da wohl der Widerspruch?

Eine Reaktion zu “Nicht nur in Deutschland hat die Finanzaufsicht im Falle Kaupthing geschlafen!”

  1. xyzam 5. Februar 2009 um 05:52 Uhr

    Nicht nur die Finanzaufsicht. Die war nie das und ist nicht das, was sie ihrem Anspruch und ihrer Aufgabe gemäß sein sollte, sondern wurde unter dem Druck der Bankeninteressen völlig lahm gelegt. Auch der Staat hat versagt, erheblich und schon seit -zig Jahren. Und er versagt noch heute. Wie kann es möglich sein, dass Sparer den Banken ihr Geld gegen eine Sicherheit von maximal 20.000,- Euro anvertrauen mussten, nicht nur im Fall normaler Sparanlagen, sondern auch z. B. bei Erbteilungen oder Verkäufen, wenn es um sechsstellige Beträge ging. Es hat nur nie jemand daran Anstoß genommen, weil in unserer Region seit mehr als über einem halben Jahrhundert praktisch nichts passierte, alles schlief. Und auch die Garantieversprechen der Regierung heute, gegeben wegen der Bankenkrise, sind nur ein ungedeckter Scheck. Wenn es in Kürze wieder zu einem Crash kommt, was leider durchaus zu befürchten, dann wird der Platzen. Es ist erstaunlich, nein, es ist erschreckend, wie man in unserem Land noch so gedankenlos dahin dämmert. In dem Sinn wäre es zu wünschen gewesen, die Regierung hätte im vergangenen Jahr auf diese Weise nicht so blitzschnell der Krise entgegengewirkt. Das war Opium fürs Volk.

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