Entschädigung anno 20er Jahre

24. Februar 2009

Nun geht das Drama mit der Kaupthing Bank schon seit dem 9.10.2008 und immer noch ist nach knapp 5-monatiger Hängepartie noch nicht klar wohin die Reise, angesichts der sich weiter zuspitzenden Finanzkrise, geht.

Unstrittig haben Politiker das Wort gegeben, den Geschädigten werde "schnellstmöglichst" geholfen, aber auch dies ist ein sehr dehnbarer Begriff, welcher in jede beliebige Richtung ausgelegt werden kann.

Die Kaupthing hat nach Presseberichten circa 80 Prozent der Gelder und könnte diese an die Gläubiger zurückführen, aber ihr werden Fesseln angelegt. Sie darf nicht bzw. kann nicht, weil ihr die Grundlage zum Handeln fehlt. Hier wären jetzt die Regierungen gefragt, die eine schnelle Rückführung fördern sollten.

Schnell müsse es zugehen. Zumindest haben sie dies mit stählernder Brust und einer ernsten Miene frontal in die laufenden Kameras verkündet.

Nach fünf Monaten konnte bei den Geschädigten jedoch keinerleih Informationsschreiben. geschweige ein Geldeingang verzeichnet werden.

Für viele Betroffene wird die Luft nun dünner, denn das Ersparte, das in Krisenzeiten das Fettpolster zum Überleben darstellen sollte ist jetzt am Anfang einer nicht überschaubaren weltweiten Wirtschaftskrise nicht mehr da. Die Situation stellt quasi eine (temporäre) Enteignung dar, eine Enteignung auf kaltem Wege.

Ein Rückblick in die Geschichte:
Ende des Ersten Weltkrieges wurde Teile des damaligen Deutschen Reiches an die Sieger zugeschlagen. So auch preußische Gebiete.

Den Grundbesitzer, welche quasi ihre Liegenschaften (Grundstücke etc) hergeben mussten, wurde teilweise  eine Entschädigung vom Staats versprochen.

Ähnlich wie im Kaupthing Fall konnte man mit einer Entschädigung rechnen.

Dieser Auszahlungszeitpunkt  verzögerte sich damals jedoch etwas, sodass die Gelder nicht unmittelbar nach dem Krieg (1918) bzw. nach der Enteignung ausgezahlt wurden, sondern Anfang der zwanziger Jahre als eine gallopierende Inflation in Deutschland Einzug hielt.

Ergebnis war, dass die Familien zwar die nach der Enteignung festgestellten Summen in voller Höhe erhielten, das Geld aber faktisch wertlos war.

So konnte in einem konkreten Beispiel eine Familie für ihr damals enteignetes Einfamilienhaus mit großzügigem Garten für das ausgezahlte Geld im Jahre 1923 sich gerade mal einen Laib Brot kaufen!

Die Parallele zum Kaupthing Fall leigt auf der Hand. Man weiß, dass das Geld ausgezahlt wird, nur der Zeitpunkt ist mehr wie ungewiss. Die Frage ist,  wie stark darf man sich auf das Verprechen verlassen.  Zeitweise drängt sich einem der Verdacht auf, man verhandle mit Pharisäern.

Zuerst die Finanzkrise, dann die Wirtschaftskrise und als nächstes

2 Reaktionen zu “Entschädigung anno 20er Jahre”

  1. JoWaLoam 25. Februar 2009 um 10:51 Uhr

    Hallo PAD,

    … Zuerst die Finanzkrise, dann die Wirtschaftskrise und als nächstes…

    Als nächstes kommt die Staatskrise.
    Bei uns in Bayern haben die Wähler, wohl wegen der Bankenkrise (vor allem Landesbank) ausgerechnet die FDP mit in den Landtag gewählt, es soll also der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben werden..

    Der „yes we can“-Obama hat sich inzwischen auch als „yes we can print Money“ (deutsch ca. „ja, wir konnen auch nur Geld drucken“) entpuppt.

    Zwei Wirtschaftswissenschaftler haben unabhängig voneinander vorausgesagt, daß die United States of Amerika in etwa zehn bis fünfzehn Jahren insolvent sind (quasi so, wie zur Zeit Island).

    Es wird wohl langsam Zeit, statt Geld eine andere Weertschöpfung zu erfinden, bzw. zu entwickeln.

    Grüße
    Johann W.

    Anmerkung Dirk: So düster sehe ich das ganze nicht. Es findet immer eine Wertschöpfung statt. Auch sind Untergans-Szenarien schon immer Bestandteil des menschlichen Denkens. Früher war alles besser und es war noch nie so schlimm wie jetzt. Gerade das sichert doch unser Übeleben 😉

  2. JoWaLoam 26. Februar 2009 um 14:43 Uhr

    Hallo Dirk,

    na ja, man darf doch mal ein bisschen unken!
    Das Leben wird weitergehen, sicher, die Wirtschaft wird sich auch sicher wieder aus dem Tief kämpfen.
    Doch wer ein bisschen genauer hinschaut sieht die Vorboten. Viele, an der Börse notierten Unternehmen, geben zur Kapitalerhöhung keine Aktien mehr aus, sondern Unternehmensanleihen. Durch lokale Rettungsaktionen (nicht mal die EU schafft einen gemeinsames Rettungsszenario) wird die bis zuletzt als wirtschaftlich optimale Generallösung Globalisierung ausgehebelt.
    Es gibt sogar schon Regionen, in der Geld durch ein Punktesystem ersetzt ist, nach dem Motto „hilfst Du mir, helf ich Dir“ (ähnlich Nachbarschaftshilfe).

    Die Wirtschaftswissenschaftler sehen es als normal an, daß ab und zu mal eine Krise mit Rezession das angeblich stetige Wachstum des Wohlstandes unterbricht.
    Tatsache ist jedoch, daß in jeder Krise Menschen und auch Unternehmen ihr Vermögen bzw. Lebensunterhalt verlieren und in die Insolvenz oder gar Armut abrutschen.
    Das Vermögen bzw. die Werte gehen jedoch nicht verloren, sondern rutschen nach oben, d. h. je mehr meschen es schlechter geht, desto besser geht es eingen, die es schaffen, die Krise zu ihrem Vorteil auszunutzen. Diese ganzen Rettungsaktionen sind doch nichts anderes, als eine Umverteilung von Vermögen von unten nach oben, sogar einer Umverteilung von Volksvermögen in private Hände.

    Ich persönlich habe in den letzten Jahren folgendes Vermögen verloren:
    Göttinger Gruppe: ca. 3500 EURO, Steuernachzahlung ca. 45 EURO,
    Real Direkt AG: ca. 7500 EURO,
    Leipziger Wohnungsbaugesellschaft: ca. 1000 EURO,
    Reithinger Privatbank: ca. 150 EURO,
    Sun Global Fonds: Wertverlust ca. 500 EURO.

    All dieses Geld hatte ich mir als Angesteller sauer verdient und ordentlich versteuert.
    Auf ein Rettungspaket warte ich bis dato.

    Viele Grüße
    Johann W.
    P.S.: Wievielen Menschen müssen arm sein, damit es einem Menschen besser geht ?

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