Schicksale

21. März 2009

Da ja niemand gerne über seine ernsthafte finanzielle Not spricht, die jenseits der Problematik liegt, ob man einen geplanten Dachausbau oder Autokauf verschieben muss, möchte ich das Bild der Kaupthing -Sparer aber doch erweitern um diejenigen, die jetzt existenzielle Probleme haben und zu deprimiert oder hoffnungslos sind, um sich zu äußern !

Ich hatte das Konto für meine Steuergelder angelegt, die nun fällig werden.
Wie so oft beim Finanzamt kommen jetzt Nach – und Vorauszahlungen auf einmal, der Steuerberater schickt die Rechnung und dieses Jahr bleiben dann gleichzeitig noch die Aufträge aus.
Ein totaler Kollaps, denn wo auf einmal die fehlenden 15.000 € auftreiben ?
Das Finanzamt rät von einem komplizierten Aufschub-Antrag ab.
Demnächst muss Hartz IV beantragt werden, dabei war alles scheinbar so gut überlegt !
Natürlich hat man einen Fehler gemacht, bei der Auswahl der Bank, aber es scheint heute teilweise unmöglich, eindeutige, glaubwürdige Informationen über einen Sachverhalt heraus zu bekommen, wie ja anhand des Falles der Kaupthing – Entschädigung –  ja oder nein, wann und warum nicht jetzt – wieder deutlich wird !

Da sind hunderte von Menschen seit 6 Monaten dabei mit viel Einsatz heraus zu finden, wie der Sachverhalt ist und  noch immer weiss man nicht , – ist es politisches Kalkül , eine finanzrechtliche Problematik die nur zwischen Island und Deutschland besteht oder eine Abwicklungsproblematik  bei der Kaupthing Bank selbst, die diese Verzögerung einer als möglich angesehenen Einlagenauszahlung verursacht ?
Auch hier ist es doch unmöglich, die „Wahrheit“  herauszufinden !
Es gibt nur die unterschiedlichsten Vertreter, die innerhalb ihrer Interessen agieren.
Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass die Betroffenen, die jetzt in wirklicher Not sind, sich trauen, um Hilfe zu bitten und sich in die Öffentlichkeit zu stellen !
Man muss sich nicht schämen, wenn man mal ein Konto bei der „falschen Bank“ eröffnet hat !
Und eine zu finden, die keine windigen Geschäfte tätigt und keinen einzigen egoistischen Mitarbeiter hat, dürfte unter Umständen sogar echt schwierig sein…

Anmerkung Dirk, Jan und Nathalie: Vielen Dank an asufro für die Schilderung deiner Situation, die uns sehr beklemmt. Wir wünschen dir, dass du mit dieser belastenden Lage bestmöglich fertig wirst. Danke, dass du den Mut hast, dich hier zu erklären – wir halten dies für ganz wichtig, damit alle Mitleser (KED, BMF, Medien, etc.) lesen können, was für üble Schicksale diese Ungerechtigkeit und Hinhalterei mit sich bringt.

5 Reaktionen zu “Schicksale”

  1. DietmarFriesam 21. März 2009 um 22:40 Uhr

    Hallo, asufro,

    ich habe Deinen Beitrag mit Interesse gelesen und kann insgesamt nur zustimmen.

    Es ist alles immer noch ein undurchsichtiges Wirrwarr an Informationen und Halbwahrheiten.

    Die Menschen, besonders die „harten“ Schicksale können einem wirklich leid tun.

    Auch mich trifft es mehr als hart.

    Geld weg, Job weg, Frau weg, Scheidung steht an.

    Also nix da, von wegen „mein Haus, mein Auto, mein Boot…“.

    Nur: Wegen Geld oder sonst was lohnt kein Suizid, es geht immer mal wieder aufwärts.

    In diesem Sinne…

    herzliche Grüße

    Dietmar

    P.S.: Jedes Ende bedeutet auch einen neuen Anfang…

  2. mobby_xam 22. März 2009 um 20:41 Uhr

    Ich hatte am 5.3. folgenden Brief an die BaFin gemailt:

    Betreff: Kaupthing Edge Bank

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich bitte Sie hiermit, alles zu tun, dass die Ersparnisse den Sparern zurückgezahlt werden.

    Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass man es dazumal nicht einmal für notwendig hielt, der Kaupthing Bank einen ausdrücklichen Hinweis gegenüber ihren deutschen Sparern aufzuerlegen, dass sie ohne jegliche Erlaubnis der deutschen Aufsicht diese Bankgeschäfte in Deutschland betreiben darf (§ 53b Abs. 1 Kreditwesengesetz).

    Bei einer Bankverbindung mit BLZ und Kontonummer, wie sie in Deutschland üblich ist, plus vollmundiger Garantieerklärung die man erst nach dem Moratorium vom Geltungsbereich her klarstellte, konnte man vom Sparer nicht erwarten, dass er von einem Gesetz weiß, welches ausländischen Banken unbeaufsichtigten Spielraum innerhalb unserer Landesgrenzen einräumt.

    Warum vertraut man überhaupt den Richtlinien der Europäischen Gemeinschaften? Sollte nicht besser eine Bank, zum Schutze der Anleger in Deutschland vor Missbrauch, nach unseren Richtlinien Bankgeschäfte betreiben dürfen?

    Hochachtungsvoll
    sowie in Erwartung Ihrer Antwort

    Als Antwort kam von Herrn Wilfried Rink folgende Antwort aus der Schablonenkiste:

    Als Niederlassung eines Kreditinstituts aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (so genannte EWR-Niederlassung) untersteht die Kaupthing Bank Niederlassung Deutschland der isländischen Solvenzaufsicht. Nach § 53b Abs. 1 Kreditwesengesetz (KWG) kann ein Einlagenkreditinstitut mit Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ohne zusätzliche Erlaubnis der BaFin in Deutschland eine Zweigniederlassung errichten und Bankgeschäfte – wie etwa das Einlagengeschäft – betreiben. Beaufsichtigt wird die Zweigniederlassung von der Aufsichtsbehörde des Herkunftslandes. Der BaFin kommt hingegen nur eine eingeschränkte Rechtsaufsicht zu.

    Freundliche Grüße
    Wilfried Rink

    Ich bat ihm, in einem weiteren Schreiben bitte auf meine Fragen einzugehen. Dass es so sei, wie er geschrieben habe, habe ich ja nicht in Abrede gestellt.
    Bis heute kam nichts.

    Nun habe ich, ohne den Namen Kaupthing zu erwähnen (damit möglichst kein Standardbrief zurückkommt) noch mal folgende Beschwerde mit Bitte um Antwort gemailt:

    Sehr geehrter Damen und Herren,

    Laut § 53b Abs. 1 (KWG) können Einlagenkreditinstitute bzw. Wertpapierhandelsunternehmen mit Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums ohne Erlaubnis durch die Bundesanstalt über eine Zweigniederlassung oder im Wege des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs im Inland Bankgeschäfte betreiben, wenn das Unternehmen von den zuständigen Stellen des Herkunftsstaats zugelassen worden ist, die Geschäfte durch die Zulassung abgedeckt sind und das Unternehmen von den zuständigen Stellen nach den Vorgaben der Richtlinien der Europäischen Gemeinschaften beaufsichtigt wird.

    Halten Sie dieses Gesetz in dieser Fassung zum Schutz deutscher Sparer tragbar?
    Warum vertraut man überhaupt den Richtlinien der Europäischen Gemeinschaften? Ist es nicht überlegenswert, eine Bank, wenn es um den Schutz der Anleger in Deutschland vor Missbrauch geht, nach unseren Richtlinien Bankgeschäfte betreiben zu lassen und nicht nach Richtlinien des Herkunftslandes?

    Z.B. muss eine ausländische gastronomische Einrichtung, wenn sie in Deutschland arbeiten will, sich nach deutschen Hygienevorschriften richten und nicht nach denen des Herkunftslandes. Warum ist man, was den Anlegerschutz betrifft, derartig großzügig?

    Hochachtungsvoll
    sowie in Erwartung Ihrer Antwort

    Dass ich jetzt überhaupt noch mal eine Antwort bekomme, glaube ich schon nicht mehr. Kann dieses Ignorieren der Grund sein, dass diese Gesetzeszeilen einfach zu briesant sind? Oder ist das, was ich da denke, als Diskusionsgrund zu abwegig?

  3. Nathalieam 23. März 2009 um 17:06 Uhr

    @Dietmar … deine Geschichte erinnert mich an meine … auch wenn in anderer Reihenfolge. Ich wünsche dir viel Energie für alles Bevorstehende.

  4. JoWaLoam 24. März 2009 um 10:07 Uhr

    Hallo,

    es ist wirklich nicht zu glauben, daß es wohl keine Institution gibt, die die Herren der Kauphting Bank zur Auszahlung zwingen kann.

    Da wird der Krümmungsgrad von Gurken und Bananen und diverses diffuses Zeugs festgelegt und bei Verstoß mit Geld- und Haftstrafe geahndet, doch niemand denkt nicht mal ansatzweise daran, verbindliche Regelungen im Internationalen Geldverkehr judikativ und vor allem executiv zu schaffen.

    Die IWF ist ein zahnloser Tiger, der amerkianischen Notenbank (wohl unser großes Vorbild) druckt Geld und kauft amerikanische Staatsanleihen und die BaFin macht … äähh, ach ja, die schützt die Regierung vor unangenehmen Fragen aus der Bevölkerung.

    Warum war denn unsere Regierung so schnell bereit, Milliarden unserer Steuergelder den Banken zur Rettung unseres Geldwesens zur Verfügung zu stellen ?
    Weil sie eine große Teilschuld an der globalen Krise durch Unterlassung der Erstellung greifender Regeln und Gesetze hat.

    Anstat dies einzusehen, wird jedoch weiter gewurstelt und man stopft ein Loch, indem man ein anderes aufreißt.

    Aber was will man schon groß von einer Regierung erwarten, die seit Jahrzehnten an einer Reform des Gesundheitswesens herumbastelt, bei der es nicht ewta um die Gesundheit der Bevölkerung geht, sondern darum, die Kranakenkasenbeiträge größtenteils in der Verwaltung zu verdampfen und den kläglichen Rest der Pharmaindustrie zuführt.

    Grüße
    JoWaLo.

  5. JoWaLoam 24. März 2009 um 10:13 Uhr

    Hallo,

    früher, bei primitiven Völkern auch noch gegenwärtig, wurde eine Sippe, die der anderen etwas schuldete und nicht zur Zahlung bereit war, überfallen, geplündert und versklavt.

    Vielleicht sollten wir unsere Probleme nicht mehr dem Finanzministerium vortragen, sondern dem Verteitigungsministerium.

    Grüße
    JoWaLo.

    Anmerkung Dirk: Wir lehnen strikt jegliche Art von Gewalt ab.

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