Wir sind weiterhin mahnendes Beispiel – z.T. mit völlig unsachlichen Formulierungen

4. April 2009

Manche werden es nie verstehen und weiterhin unterirdisch schlechte Recherche abliefern.

In der Münchner Abendzeitung ist von einer ,,Flucht in riskante Anlagen in Island“ die Rede:

Für erfolgversprechend hält Poweleit das nicht. Die Niedrigzinspolitik treibe Sparer in riskante Anlageformen – und verschärfe so die Probleme. „Wer auf dem Sparbuch nur ein Prozent bekommt, legt sein Geld eben in Island an.“ Hintergrund: Wegen der Finanzkrise war die isländische Kaupthing-Bank pleite gegangen. Tausende deutsche Sparer waren betroffen.

Noch schlimmer mit dem Unsinn treibt es Stern, bei dem man meint, er hat von Michael Glos abgeschrieben – hat er wahrscheinlich auch 😉 :

Genauso ist es an uns, in Sachen Gier nicht die eigene Nase zu vergessen. Zum Beispiel wenn man uns „Steueroptimierung“ anbietet, oder – via Internet – das Zehntel mehr Zins von einer Bank mit Sitz auf Island.

Anmerkung Jan: Tja, weder von deutschen Niederlassungen in Frankfurt am Main mit deutschen Bankleitzahlen, noch von bis vor ein paar Monaten noch vollkommen üblichen TAGESGELD-Zinssätzen zwischen 5 und 6 % scheinen diese ,,Journalisten“ etwas gehört zu haben. Früher hieß es aus den Medien ,,Kein Geld an die Inflation verlieren“, ,,klug sparen, was das Zeug hält“ und ,,Wer nicht vergleicht, ist dumm“ und plötzlich ist man dumm und gierig, weil man diesen Ratschlägen gefolgt ist? Auch dass in Deutschland angebotenes Tages- und Festgeld bis zum Oktober 2008 als unsinkbar galt, haben diese Leute wahrscheinlich nicht mitbekommen, da sie wahrscheinlich nicht einmal wissen, dass es sich um Tages- und Festgeld handelt!

2 Reaktionen zu “Wir sind weiterhin mahnendes Beispiel – z.T. mit völlig unsachlichen Formulierungen”

  1. hbrosam 4. April 2009 um 20:35 Uhr

    Hallo Jan & Co.,

    ich stimme obigen Worten voll zu. Es gibt einfach zu viele Schwätzer in diesem Land. Sie wissen, dass es leider viele Leute gibt, die noch weniger informiert sind und diese Falschinformation glauben. Vor einigen Tagen hat auch ein Politiker in seiner Stellungnahme geschrieben, dass wir das Geld in Island angelegt hätten. Wir haben aber in Deutschland das Geld als Tagesgeld oder Festgeld angelegt und die Steuern in DEUTSCHLAND bezahlt. Für mich sind halt ca. 200 EURO mehr Zinsen am Ende des Jahres wichtig. Ich kann z. B. ein Weihnachtsgeschenk kaufen oder was auch immer. Leute mit hohen Einkommen brauchen nicht auf 3%, 4% oder 5% Zinsen zu achten, diese Zinssätze waren 2008 bei vielen Banken zu holen, da sie genug Geld in der Tasche haben.

  2. JoWaLoam 5. April 2009 um 14:36 Uhr

    Hallo Jan,

    so isses.

    Als ich noch Kind war, gab es für den Kleinanleger nur die Sparkassen oder die Raiffeisenbank und dort legte man sein Erspartes auf ein Sparbuch an.
    Wer einmal ein Haus bauen wollte (das waren Kapitalisten!), eröffnete einen Bausparvertrag.

    Ich erinnere mich noch, als meine Eltern in den 70ern das bauen eines Hauses angefangen haben, wollte mein Vater aus der SPD austreten, wiel er es als Hausbesitzer unmoralisch fand, weiterhin SPD-Mitglied zu bleiben.

    Es gab nur wenige Krankenkassen, denen aber nur bestimmte Berufsgruppen (Arbeiter, Angestellten, Beamte, Techniker usw.) beitreten durften.

    Es gab nur Rente von der Rentenversicherung, in der jeder der Einzahlte auch seine Rente bekam. Diese mußte man sich auf der Poststelle (damals war die Post noch eine Behörde) abholen, die es auf jedem Dorf gab.

    Seit einigen Jahren ist zu beobachten, daß jeder Bürger immer mehr auf sich allein gestellt wird um sich abzusichern. Ein normal Berufstätiger hat gar nicht die Zeit sich ausführlich über alles umfassend zu informieren.

    Da werden Sparmodelle (Fonds), Rentenmodelle (wie Riester-Rente) usw. generiert und damit das Unternehmer-Risiko, welches früher die Banken und versicherungen hatten, auf die gemeinen Bürger übertragen.

    Diese Spar- und Rentenmodelle sind so konstruiert, daß nicht mal mehr Fachleute (Finanzberater) durchblicken, ob man am Laufzeitende eigentlich einen Gewinn gemacht hat.

    Da wir in Deutschland ja für das Geld verdienen bestraft werden (Einkommenssteuer) kann sich jeder, der schon mit seinen Fingern rechnen kann, ausrechnen: Je höher die Zinsen, je höher das Einkommen, je höher die Steuerlast.

    Würden die Sparkassen, bzw. die Raiffeisenbanken anständige Zinsen bezahlen, würde wohl kein Sparer sein Geld im Ausland bzw. bei einer ausländischen Bank anlegen. Die Differenz zwischen 2 % Guthabenszinsen und 15 % Konto-Überziehungszinsen sind nicht plausibel. Seit dem die EZB den Leitzins um 0,25 % gesenkt hat, hat die Sparkasse neue Zinssätze: 1,5 % Guthabenszinsen und 15 % Konto-Überziehungszinsen.

    Viele Grüße
    JoWaLo.
    P.S.: Hallo Stern-Journalisten: Ich hätte da noch ein paar echt echte Hitler-Tagebücher im Keller. .-) 🙂 .-)

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