Neue Antwort von MdB Eduard Oswald

6. Mai 2009

Frage vom 24.04.2009:

Sehr geehter Herr Oswald,

in Ihrer Antwort an Herrn Geiger sind zwei Punkte, die mir absolut nicht gefallen.
1) Sie schreiben von höherer Rendite und höherem Risiko. Das klingt (für Themenfremde) sehr einleuchtend. Tatsächlich handelte es sich um ein Angebot der Kaupthing von 5,65% für Tagesgeld, während ich zu gleicher Zeit bei einer Tochter der Sparkasse Frankfurt (seriöser geht´s wohl kaum) 5,25% bekommen habe. Ich halte das für eine marktübliche Differenz, nicht für auffällig hohe Zinsen. Und wo bitte lag das höhere Risiko? Jede deutsche Bank kann genauso insolvent werden. Wäre das Risiko erkennbar gewesen, hätten nicht auch IHK, Landesbanken und andere Profis dort Geld investiert.

2) Die deutsche Einlagensicherung garantiert bis zu 20.000€ pro Anleger zu 90% (also max 18.000€). Die isländische Einlagensicherung garantiert 20.887€ zu 100%. Damit ist die isländische Einlagensicherung besser als die deutsche, deshalb bestand kein Bedarf zum „topping up“.

Was tut die Bundesregierung, um eine Auszahlung durch die zahlungsfähige Kaupthing-Bank zu unterstützen? Im Vergleich zu allen anderen betroffenen Ländern hängt Deutschland hinterher und nach Aussage von Kaupthing behindern deutsche Behörden eine zügige Auszahlung.

Mit freundlichen Grüßen

X

Antwort von MdB Eduard Oswald vom 04.05.2009:

Sehr geehrter Herr X,

sicherlich teile ich Ihre Meinung, dass ein Zinsaufschlag von knapp einem halben Prozentpunkt keine so wesentliche Rolle spielt, dass von einer wirklichen Risikoanlage bei der Kaupthing-Bank gesprochen werden könnte. Dennoch muss jedem klar sein, dass jede Geldanlage mit Gewinn verbunden ist, aber auch Verlust bringen kann. Auch wenn diese Gefahr klein ist, ist sie vorhanden. Der Preis dafür ist der Zins. Je höher der Preis, desto höher ist der Gewinn, aber auch das Risiko. Um das Risiko gering zu halten, wurden mit den Entschädigungseinrichtungen gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen, die Anleger absichern. Was jedoch nicht sein kann, ist, dass die Gewinne dem Anleger gehören und die Verluste von der Gesellschaft. d.h. vom Staat übernommen werden. Dennoch ist der Staat zum einen bemüht, dass die Entschädigungseinrichtungen funktionieren und die Anleger so zu ihrem Geld kommen. Hierzu ist es nötig, dass nicht das gesamte Finanzsystem zusammenbricht. Das Engagement des Staates ist bekannt: Es beläuft sich – wenn alles gut geht – auf etwa drei Milliarden Euro jährlich innerhalb von etwa zehn Jahren. Zum anderen ist die Bundesregierung bereit, einen Kredit zu gewähren, damit die isländische Einlagensicherung zahlungsfähig wird. Dieser Kredit wurde bisher abgelehnt. Das kann auch der deutsche Staat nicht ändern. Die Kaupthing-Bank und der isländische Staat können das frei entscheiden, solange sie ihrer Einlagensicherungspflicht nachkommen. Seit Mitte April wissen wir, dass sich die Kaupthing-Bank in der Lage sieht, die Einlagen ohne Inanspruchnahme eines solchen Kredites, aber auch ohne Einlagensicherungsfonds zurückzuzahlen. Das ist zu begrüßen. Damit wären nicht nur Einlagen bis zu 20.887 Euro gesichert, sondern auch höhere Guthaben dürfen auf Auszahlung hoffen. Allerdings ist mit der tatsächlichen Auszahlung erst zwischen Juli und September 2009 zu rechnen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Eduard Oswald

Quelle: abgeordnetenwatch.de

Anmerkung Jan: Ich finde die Antwort von Herrn Oswald diesmal respektvoll und differenziert, auch wenn sich meine Meinung da nicht vollständig deckt. Das ist für mich mal eine gute Antwort – gut deshalb, weil hier offen und ehrlich mit dem Bürger geredet wird, ohne Fakten zu entstellen.

6 Reaktionen zu “Neue Antwort von MdB Eduard Oswald”

  1. ThomasB.am 6. Mai 2009 um 19:52 Uhr

    Ein Tip für alle, denen hin und wieder mal noch immer der Vorwurf gemacht wird, daß man bei SOOOO hohen Zinsen doch hätte misstrauisch sein MÜSSEN!

    Zitat aus Wiso aus Juli 2008: „…Und die meisten Spitzenreiter wie die PSD-Banken, die
    Deutsche Bank und die spanische Santander bieten sogar einen unbegrenzten
    Schutz der Einlagen, da die Institute dem deutschen Einlagensicherungsfonds angehören…“
    Betonung liegt auf Spitzenreiter.
    Beim Festgeld lagen regionale deutsche Institute wie PSD Bank Köln und Hannover auf den Plätzen 1 und 2, KE folgte erst auf Platz 4.
    Da hätte man doch misstrauisch sein müssen, oder???
    Der ganze Artikel hier:

    http://wiso.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,7258334,00.html

    Zitat: „Unsere Top-Tipps:
    Die netbank zahlt in Zusammenarbeit mit dem Finanzdienstleister Dr. Klein 6,00 %,
    die Credit Europe Bank 5,75 und Kaupthing Edge 5,65 % – bei beiden Instituten ist
    allerdings die Einlagensicherung begrenzt.“

    Die netbank ist eine deutsche Bank mit Sitz in Hamburg. Sie gehört ebenfalls der deutschen Einlagensicherung an. Und bot 6% Zinsen. Na aber da hätte man doch misstrauisch werden müssen, oder?

    Der ganze Artikel hier:

    http://www.daserste.de/ratgeber/geld_beitrag_dyn~uid,z86t4ci3rhfktz0u~cm.asp

    Ich persönlich kann dieses Vorwurfspalaver von wegen mit Abstand höchsten Zinsen nicht mehr ertragen.

  2. Janam 6. Mai 2009 um 21:01 Uhr

    Also wie gesagt, ich finde diesmal ist da kein Giervorwurf drin. Deshalb muss ich Herrn Oswald jetzt mal in Schutz nehmen. 😉

    Herr Oswald hat doch (endlich mal) klargestellt, dass der Zinssatz für einen Risikozins unangemessen ist:

    ,,…sicherlich teile ich Ihre Meinung, dass ein Zinsaufschlag von knapp einem halben Prozentpunkt keine so wesentliche Rolle spielt, dass von einer wirklichen Risikoanlage bei der Kaupthing-Bank gesprochen werden könnte.“

    Die Ausführungen danach sind für mich eher allgemeine Ausführungen zum Verhältnis Risiko und Zins, losgelöst von Kaupthing:

    ,,Dennoch muss jedem klar sein, dass jede Geldanlage…“

  3. Papageitaucheram 6. Mai 2009 um 21:54 Uhr

    Komisch, ich mußte auf meine Zinsen irgendwie immer Kapitalertragssteuer zahlen, das scheint für die Mitglieder des Bundestages entweder nicht zu gelten, oder aber sie haben einfach keine Ahnung wovon sie reden.

    Zitat MdB Oswald „Was jedoch nicht sein kann, ist, dass die Gewinne dem Anleger gehören und die Verluste von der Gesellschaft. d.h. vom Staat übernommen werden.“

    UNSINN, UNSINN, UNSINN!!! Es ist einfach unerträglich so einen Mist zu lesen. Armes Deutschland!
    Und wer zahlt eigentlich für die Verluste der Landesbanken? Es war ja gerade zu lesen, dass es bei der HSH Nordbank für ein paar Blowjobs ein Einzelbüro und ein Notebook gab, aber das ist dann wohl aus Sicht der MdB ganz in Ordnung so.

  4. Phileasam 7. Mai 2009 um 07:32 Uhr

    Hier muss ich aber auch reinschlagen.

    Herr Oswald zieht weiterhin den Zusammenhang zwischen Zinshöhe und Risiko:

    „Dennoch muss jedem klar sein, dass jede Geldanlage mit Gewinn verbunden ist, aber auch Verlust bringen kann. Auch wenn diese Gefahr klein ist, ist sie vorhanden. Der Preis dafür ist der Zins. Je höher der Preis, desto höher ist der Gewinn, aber auch das Risiko.“

    Vielleicht sollte ihm jemand den Unterschied erklären zwischen Emittentenrisiko und Anlagerisiko. Der Zusammenhang zwischen Gewinn und Risiko ist für Anleihen oder Aktien gewiss vorhanden. Aber per Definition nicht für Sichteinlagen. Hier bleibt einzig das Emittentenrisiko. Und dagegen gibt es in der Tat die Einlagensicherungssysteme (Dass diese reformbedürftig sind sehen wir gerade am eigenen Leib).

    Der Vergleich mit der Sparkasse Frankfurt ist fantastisch: Herr Oswald und ich haben je 20.000 € bei der Sparkasse Frankfurt angelegt. Ich, als pfiffiger Zinsjäger auf dem Tagesgeldkonto zu 5,25 % p.a.; Herr Oswald, als risikoloser (kein Vorwurf!) Sparer auf einen Sparbuch zu 0,75 % Zinsen. Der Bank wird der Entschädigungsfall festgestellt. Nach Argumentation von Herr Oswald hatte ich ein höheres Risiko (wegen der höheren Zinsen). Bekomme ich nun weniger Geld entschädigt als er, noch weniger als 18.000 €? Bekomme ich mein Geld später als er? Wie ist es?

    Es würde mich interessieren, die Antwort von Herr Oswald auf diese Nachfrage zu erfahren. Kann sie ihm jemand stellen, der schon Kontakt zu ihm hat?

  5. nomoneyam 7. Mai 2009 um 07:46 Uhr

    Respektvoll differenzierter Unsinn? Was ist denn mit den anstehenden EU Sanktionen wegen der mangelnden Eigenkapitalquote (3,5%) der HRE. Wer zahlt denn die meisten Steuern, Renten-, Sozialabgaben, … , von denen wiederum dieser ganze Schwachsinn bezahlt werden wird? Arbeiter und Angestellte – Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand … lalalalala … sie sind sich einig, beugen das Recht und nehmen sich die Freiheit unsereins zu melken, hinzuhalten, für dumm zu verkaufen und als Sündenböcke zu missbrauchen. Hier – des Individuums Gier nach Profit und Neid auf Erfolgreiche – Du willst 0,5% im Jahr mehr – kein Problem, denn alles hat seinen Preis und Risiko … Kain erschlägt Abel …
    Glaubt Ihr das alles wirklich?

  6. Janam 7. Mai 2009 um 15:10 Uhr

    Hallo Phileas,

    ich will Herrn Oswald diesmal dennoch weiterhin in Schutz nehmen. 😉

    Die entscheidenden Sätze in seinem Text sind für mich:

    „…sicherlich teile ich Ihre Meinung, dass ein Zinsaufschlag von knapp einem halben Prozentpunkt keine so wesentliche Rolle spielt, dass von einer wirklichen Risikoanlage bei der Kaupthing-Bank gesprochen werden könnte.“

    Ganz richtig!

    “Dennoch muss jedem klar sein, dass jede Geldanlage mit Gewinn verbunden ist, aber auch Verlust bringen kann. Auch wenn diese Gefahr klein ist, ist sie vorhanden. Der Preis dafür ist der Zins. Je höher der Preis, desto höher ist der Gewinn, aber auch das Risiko.”

    Allgemeine Lebensweisheit („Mindestens ein Emittentenrisiko gibt es überall und sei es auch noch so klein“), für mich nicht angreifbar. Ich denke, er wird missverstanden, mit dieser „Weisheit“ will er uns nur sensibilisieren will. Wobei… Wenn ich’s mir recht überlege, hätte er dann auch schreiben können: „Nichts ist sicher – auch die Commerzbank oder Mercedes-Bank nicht.“ 😉

    Du hast aber Recht: Diese Lebensweisheit ist auf den Fall Kaupthing nicht übertragbar (hat Herr Oswald zumindest diesmal aber auch nicht behauptet, siehe Satz oben!). Das hast du mit dem gelungenen Beispiel bewiesen.

    Nachfragen kannst du übrigens bei abgeordnetenwatch.de selbst stellen – ganz ohne Anmeldung. Folge einfach dem Link bei der Quellenangabe im Artikel, scroll dann ganz nach unten. Dort findest du die Eingabemaske.
    Aber aufgepasst: Meine Kritik an der falschen Topping-Up-Argumentation ist zweimal mit lapidaren Argumenten nicht veröffentlicht worden – Ein Schelm, wer Böses denkt. 😉

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