Post aus Finnland: So lief dort die Auszahlung der Sparer

12. Mai 2009

Nachfolgender Text darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung der zuständigen Behörde weiterverbreitet werden!

Die finnische Finanzaufsicht schickt gute Informationen, insbesondere sehr interessante Links:

Dear Mr X,

Thank you for your email. I’m sorry for the delayed answer.

The Finnish savers did in fact receive interest on their Kaupthing Edge accounts: the customer deposits were reimbursed in full, including interest. For more information, please see the press release „Repayment of deposits to depositors of Kaupthing Bank, Finnish branch“ by the former Financial Supervision Authority (Rahoitustarkastus): http://www.rahoitustarkastus.fi/Eng/FIN-FSA_News/Press_releases/19_2008.htm.

The operations of Kaupthing Bank, Finnish Branch, terminated with effect from 30 January. The branch had no customer assets in its possession upon termination of its operations. For more information, please see the press release „Operations of Kaupthing Bank, Finnish Branch, terminated; branch repaid the loan arranged by Finnish banks“ by the FIN-FSA: http://www.finanssivalvonta.fi/eng/tiedotteet/pressrelease_2.htm.

An article concerning the measures taken by the Financial Supervision Authority (Finland) with regard to the Icelandic banking crisis is available at http://www.rahoitustarkastus.fi/NR/rdonlyres/F7121C10-41BA-45A2-B789-33BF3AC460B9/0/Nro_8_en.pdf.

With kind regards,

Übersetzung des wichtigsten Satzes der Mail:

Die finnischen Sparer erhielten in der Tat Zinsen auf ihre Kaupthing Edge Konten: Die Kundeneinlagen wurden vollständig erstattet, inklusive Zinsen.

Ebenfalls sehr interessant ist der dritte Link, der die Maßnahmen der finnischen Finanzmarktaufsicht beschreibt. Daraus einige Passagen, ebenfalls sinngemäß übersetzt:

Das Ziel der finnischen Finanzmarktaufsicht FIN-FSA als Antwort auf die isländische Bankenkrise war es, die Interessen der finnischen Sparer abzusichern und das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte aufrecht zu erhalten. Dank des Kredits, der von großen finnischen Banken bereitgestellt wurde, konnten die Ansprüche der Sparer bei der Kaupthing Bank hf. Niederlassung Finnland vollständig am 31. Oktober erstattet werden, ohne Rückgriff auf die Einlagensicherung oder Regierungsgelder. Die finnische Regierung stellte eine Bürgschaft bereit, um die in an der Vereinbarung beteiligten Parteien gegen mögliche rechtliche Risiken abzusichern. FIN-FSA möchte den Banken, den isländischen sowie finnischen Behörden danken, für ihre großartige Zusammenarbeit beim Erreichen dieser außergewöhnlichen Vereinbarung.[…]

FIN-FSA beobachtete die Situation der isländischen Banken mit gesteigerter Wachsamkeit, als die Finanzkrise weiterging, und setzte eine enge Prüfung ihrer finnischen Einheiten in Gang. Als die Zahlungsunfähigkeit der isländischen Banken offensichtlich wurde, entschied sich FIN-FSA am Morgen des 6. Oktober Glitnir Bank, die Kaupthing Bankniederlassung und eQ Bank daran zu hindern,Vermögenswerten zu ihren entsprechenden Muttergesellschaften oder Tochtergesellschaften im Ausland zu verschieben [Anmerkung zum Vergleich: d.h. 3 1/2 Tage bevor die BaFin in Deutschland eingriff]. Diese Maßnahme sicherte, dass Bargeldbestände und andere Vermögenswerte in Finnland als Sicherheit für Ansprüche insbesondere der Sparer verblieben.

Am Donnerstagmorgen, den 09. Oktober, waren die Sparkunden der Kaupthing Bank außerhalb Islands nicht mehr in der Lage, ihre Spareinlagen abzuziehen, da die Muttergesellschaft die Online Banking Verbindungen geschlossen hatte. […] Es wurde unerlässlich, sämtlichen Betrieb der Niederlassung auszusetzen und die Niederlassung unter enge Prüfung durch einen ernannten Zwangsverwalter zu stellen. Die Auszahlung von einzelnen Spareinlagen konnte nicht erlaubt werden, auch nicht zum Datum ihrer jeweiligen Fälligkeit, da es notwendig war, die Möglichkeiten der Niederlassung zur Rückzahlung aller Spareinlagen abzuklären, sodass die Sparer nicht in diskriminierender Weise behandelt werden konnten.[…]

Die finnischen Finanzmarktbehörden (FIN-FSA, Bank von Finnland und das Finanzministerium) begannen sofort nach der Unterbrechung des Betriebs der Kaupthing-Niederlassung Gespräche über die Möglichkeit der Organisation zur Rückzahlung der finnischen Spareinlagen. Unter der Führung eines Mediators, der vom Einlagensicherungsfonds ernannt wurde, setzten genaue Gespräche zwischen den Banken ein, wobei die FIN-FSA engen Kontakt mit der isländischen Finanzmarktaufsicht FME hielt.[…]

Eine Kreditvereinbarung – eindeutig die bessere Alternative für Sparer – wurde möglich, als die drei größten finnischen Banken – OP-Pohjola Gruppe, Nordea Bank Finnland und Sampo Bank – zustimmten, den erforderlichen Kredit von etwa 100 Mio. € bereitzustellen, der eine einmalige Auszahlung aller Vermögenswerte der Sparer ermöglichte. Alle Ansprüche, d.h. Spareinlagen mit aufgelaufenen Zinsen, beliefen sich auf etwa 115 Mio. €. Als Sicherheit für den bereitgestellten Kredit, erhielten die Banken den Kreditbestand der Niederlassung und andere Vermögensgegenstände. […]

Am 24. Oktober stellte das finnische Parlament die erforderliche Garantie an die an der Vereinbarung beteiligten Banken sowie an die Sparer bereit, um rechtliche Risiken abzudecken. Für Sparer sicherte die Staatsgarantie, dass jede Spareinlage, die von den Sparern zurückgefordert werden könnte, vom Staat an den Sparer erstattet würde.

Sobald die notwendigen vertraglichen und technischen Vereinbarungen zwischen den Banken, der FIN-FSA und der FME abgeschlossen waren, wurde am 31. Okotober 2008 unter Aufsicht der FIN-FSA die vollständige Erstattung an die Sparer der Niederlassung ausgezahlt, d.h. innerhalb des vorher angekündigten Zeitplans. Da gemäß der Vertragsbedingungen die aufgelaufenen Zinsen einen Bestandteil des Spareinlagenvermögens darstellten, wurde die Zinsen zeitgleich ausgezahlt. Falls die Zinsen nicht gezahlt worden wären, wären die Zinsansprüche der finnischen Sparer außerhalb der Vereinbarung und daher ungelöst geblieben.[…]

Die finnische Privatsektor-Lösung ist außergewöhnlich im Vergleich zu den Lösungen, die anderswo in Europa gefunden wurden. In anderen EU-Staaten, wo Kaupthing-Niederlassungen oder andere isländische Banken ansässig waren, war der Rückgriff auf die Einlagensicherung die Hauptregel, mit der Ausnahme von Schweden. Die Einlagensicherungsvariante bedeutet eine viel spätere Rückzahlung an die Sparer (d.h. in Finnland 4 Monate nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit) und nur bis zur Höchstgrenze der angebotenen Einlagensicherung. Der isländische Einlagensicherungsfonds ist verantwortlich für Spareinlagen bis zu 20.800 € je Sparer, wobei die finnische Einrichtung die zusätzliche Sicherung für die Summe bietet, die diesen Betrag übersteigt, d.h. unter gegenwärtigen Verordnungen bis zu 25.000 €. Von den Spareinlagen, die von der finnischen Niederlassung der Kaupthing Bank gehalten wurden, wären ca. 67 Mio. € auf die isländische Einlagensicherung und ca. 3 Mio. € auf die finnische Sicherung entfallen.[Anmerkung: Hier wurde übrigens gerade das vom BMF so viel zitierte sog. „Topping-Up-System“ erklärt.] […]

3 Reaktionen zu “Post aus Finnland: So lief dort die Auszahlung der Sparer”

  1. nomoneyam 12. Mai 2009 um 18:13 Uhr

    Mit welcher Strafe ist denn zu rechnen, wenn man wider besseren Wissens, solch sensible Informationen verbreitet?

    Gruß

  2. Janam 12. Mai 2009 um 19:02 Uhr

    Antwort siehe hier in den Kommentaren:

    http://kaupthing-edge.helft-uns.de/2009/05/12/wie-lief-die-auszahlung-der-sparer-in-den-anderen-landern/

  3. rein47hexam 12. Mai 2009 um 19:46 Uhr

    Das Beispiel Finnland, und die Behandlung der dortigen Sparer zeigt uns wieder deutlich, was wir im eigenen Land für eine Wertschätzung haben! 00000000……

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