Wie lief die Auszahlung der Sparer in den anderen Ländern?

12. Mai 2009

Diese Frage hat mich für den Vergleich mit unserer Situation interessiert – v.a. vor dem Hintergrund der z.T. verkürzenden und unrichtigen Angaben des BMF (siehe heute z.B. zitiert bei Finanzen Markt & Meinungen). Deshalb habe ich mich mit den entsprechenden Behörden in den betroffenen Ländern in Verbindung gesetzt. Die wichtigsten Fragen: WANN wurde ausgezahlt und gab es ZINSEN?

Mit der Veröffentlichung der Mails waren nicht alle Behörden einverstanden, z.T. musste ich ein bisschen verhandeln 😉 , aber dennoch stellten viele Behörden mindestens entsprechende Links für eine Veröffentlichung zur Verfügung und antworteten ziemlich schnell. Danke dafür!

Hat sich die Behörde nur gegenüber uns zur Veröffentlichung bereit erklärt, werden wir dies mit dem folgenden Hinweis kennzeichnen: Nachfolgender Text darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung der zuständigen Behörde weiterverbreitet werden!

Die Infos werde ich Schritt für Schritt bereitstellen. Dabei kann man die Situation nicht 1:1 auf Deutschland übertragen, aber es zeigt doch Eines: Die Behörden in den anderen Ländern handelten schneller und v.a. erfolgreicher. Kleine Kostproben aus dem aktuellen Kaupthing Creditor’s Report für April 2009 (sinngemäß übersetzt):

Kaupthing Schweden

Nach dem 9. Oktober 2008 war die Einheit mit Unterstützung von der schwedischen Regierung noch immer funktionsfähig. Ohne die Zusammenarbeit des Zwangsverwaltungskomitees [von Kaupthing Island] mit  der Riksbanken (schwedische Notenbank) und den schwedischen Finanzbehörden, wäre die Einheit geschlossen worden. […] Der Vekauf der Tochtergesellschaft erlaubte die sofortige Rückzahlung des Riksbanken-Kredits. Diesen Kredit wurde von Riksbanken im frühen Oktober vergeben, um Kaupthing Bank Schweden in die Lage zu versetzen, alle Einlagen zurückzuzahlen.  Riksbanken war sehr kooperativ, dennoch war eine umgehende Rückzahlung gefordert.

Kaupthing Finnland

In Zusammenarbeit mit den finnischen Behörden, handelte das Zwangsverwaltungskomitee [von Kaupthing Island] mit drei Geschäftsbanken Kredite an die Niederlassung aus, für die die finnischen Behörden eine teilweise Bürgschaft übernahmen. Diese Kredite ermöglichten es der Einheit die Einlagen der Niederlassung zurückzuzahlen. […] Diese Kredite sind inzwischen zurückgezahlt und die Vermögensverwaltung wurde ebenso verkauft wie die Kredit-Bestände.

Kaupthing Norwegen

Am 11. Oktober fror die norwegische Regierung die Vermögenswerte der Einheit und der mit ihr verbundenen Unternehmen ein und nahm den Betrieb der Niederlassung in Zwangsverwaltung. Das Zwangsverwaltungskomitee [von Kaupthing Island] schaffte es, den sofortigen Verkauf der Vermögenswerte der Einheit zu verhindern, was andernfalls getan worden wäre, um die Sparer auszuzahlen. Stattdessen wurden die Einlagen, die von der Niederlassung gehalten wurden, durch den norwegischen Einlagensicherungsfonds zurückgezahlt. Im Februar schlossen das Zwangsverwaltungskomitee [von Kaupthing Island] und die Verwalter [von Kaupthing Norwegen] eine freundschaftliche Vereinbarung, worin die Auslösung der Vermögenswerte, die unter Zwangsverwaltung in Norwegen waren, enthalten war.[…] Diese Vereinbarung verhinderte ebenfalls ein langes und sehr kostspieliges Verfahren von Verhandlungen mit den Verwaltern und die Aufrechnung/Saldierung der Einheit mit Forderungen.

5 Reaktionen zu “Wie lief die Auszahlung der Sparer in den anderen Ländern?”

  1. blauam 12. Mai 2009 um 18:04 Uhr

    😉 CHAPEAU für diese Recherche und die damit verbundene Auflistung.

    Sie gibt uns einen Einblick was durchaus machbar gewesen wäre.

    Aber wo kein Wille – da auch kein Weg – leider !;-(

    *g*

  2. nomoneyam 12. Mai 2009 um 18:15 Uhr

    Mit welcher Strafe ist denn zu rechnen, wenn man wider besseren Wissens, solch sensible Informationen verbreitet?

    Gruß

  3. k.o.pthingam 12. Mai 2009 um 18:42 Uhr

    @nomoney: das hast Du doch sicherlich mit einem kleinen Anflug von Ironie gemeint?!.

    Laut Aussagen von Prof. Dr. Eigen, dem Gründer von Transparency International, dem wir am Freitag in Paderborn und hier begegnet sind, sind gerade die skandinavischen Ländern vorbildhaft bei der Anwendung und Ausführung von Informationsfreiheit.
    Von daher wüsste ich nicht, was an den genannten Fakten sensibel ist. Die Infos sind frei verwendbar, die Quelle sollte jedoch genannt werden (entweder die Ursprungslinks oder für die Deutsche Übertragung durch Jan ein Link hierher…)

  4. Janam 12. Mai 2009 um 18:52 Uhr

    @nomoney:

    Gute Frage, eine Frage des grenzübergreifenden Urheberrechts. Kann ich dir auch nicht im Detail beantworten. Einfach mal bei den jeweiligen Behörden nachfragen. 😉

    Ich erfülle jedenfalls meine Zusagen aus den Vereinbarungen, denn Dirk haftet für diese Seite. Damit ist er (und ich auch) aus der Schusslinie. Was andere dann machen, dafür müssen sie dann ggf. selbst gerade stehen. 😉

  5. nomoneyam 13. Mai 2009 um 00:21 Uhr

    🙂

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