Die beiden Lektionen aus der Kaupthing-Saga

13. Juni 2009

tendances Trends.be (auf Französisch) kommentiert am 08.06.09 die Situation der belgischen Sparer bei der Kaupthing-Tochtergesellschaft in Luxemburg, für die es am kürzlich gute Neuigkeiten gab (siehe unseren Artikel vom 05.06.09). Sinngemäße Übersetzung:

Für 22.000 belgische Sparer war das zu Ende gehende Wochenende ein Wochenende der Erleichterung. Die 22.000 Sparer, auf die ich anspiele, sind selbstverständlich diejenigen, die einen Teil ihrer Ersparnisse bei Kaupthing eingezahlt haben – die Bank, die im Oktober 2008 durch die isländische Regierung verstaatlicht wurde.

Damals galt es für diese, den Bankrott zu vermeiden. Natürlich erfüllte dies nicht den Zweck der 22.000 Belgier, die – angezogen von Renditen in der Größenordnung von 6 % – hatten nicht gemerkt, dass diese Einrichtung eine Bank luxemburgischen Rechts war. Darauf folgten 8 Monate Leidensweg für alle Sparer. Die einen mussten Geld leihen, während sie auf die Freigabe der Konten warten mussten, die anderen mussten ihre Pläne auf Eis legen; und schließlich haben einige mehrere Monate nicht mehr schlafen können, da sie die Ersparnisse eines ganzen Lebens auf Konten mit hoher Rendite gelegt haben.

Glücklicherweise endet diese Kaupthing-Saga – wie in den Filmen „made in Hollywood“ – mit einem Happy-End. Denn dem Plan zur Neuordnung der Schulden von Kaupthing stimmten 23 von 25 Gläubiger der Bank zu. Die Freigabe der Konten ist daher nahe für die 22.000 belgischen Kunden.

Vorsicht allerdings. Das echte happy end wird erst in einigen Wochen erfolgen. Die Ex-Kaupthing-Kunden müssen noch etwas geduldig sein, da die Crédit Agricole und die Keytrade Bank die – wie ich erinnern möchte – letzten Februar die Konten dieser Kunden übernommen hat, verkünden, dass sie die technische Umsetzung vorbereitet ist – allerdings müssen sie zuvor selbst noch die Mittel erhalten, bevor sie sie an die Kunden überweisen.

Selbstverständlich ist es an den Kunden zu entscheiden, ob sie ihr Geld dort lassen oder ob sie es woanders hin überweisen. Aber das ist noch eine andere Geschichte…  Die einzige Gewissheit, die diese belgsichen Sparer erworben haben, ist, dass nicht alle Eier in einzigen Bank-Korb legen sollten und dass sie nachprüfen sollten, ob die Bank, die ihnen schöne Augen macht, von unserer Gesetzgebung oder einer auswärtigen Gesetzgebung untersteht. Eine doppelte, sehr informative Lehre… die allerdings unsere Mitbürger acht Monate Schlaflosigkeit gekostet hat. Glücklicherweise war das Erwachen positiv.

2 Reaktionen zu “Die beiden Lektionen aus der Kaupthing-Saga”

  1. xyzam 12. Juni 2009 um 11:44 Uhr

    Hier die Sparer in Belgien, dort die Lehman Brothers, bei uns die deutsche Kaupthing Niederlassung, und noch weitere Bankenskandale von größtem Ausmaß. Es war bzw. ist ein riesiges Spinnennetz von Geldanlageangeboten, bei denen die Anbieter sehr wohl von vorneherein wussten, dass sie betrügerisch waren, ganz eindeutig nur darauf angelegt, dem Anleger das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aber es ist kein Kläger da und auch kein Richter. Diesen Betrügern terrestrischer Größenordnung, anders kann ich sie nicht nennen, wird nun vom Staat, dem IWF usw. auch noch zu Lasten des Steuerzahlers und damit der Opfer geholfen, ohne dass gleichzeitig auch nur ansatzweise ernst zu nehmende Konsequenzen ersichtlich wären. Nur Augenwischerei, Bla-Bla-Bla, und es geht fröhlich weiter so. Der Ort ist gut, die Lage neu, die alten Lumpen sind auch dabei (frei nach Wilhelm Busch), haben sogar das Sagen. Auch den mehr temporär gegebenen Einlagensicherungen deutscher Banken darf man nur wenig vertrauen. Und wir kleinen Sparer betteln nun hinter unserem Eigentum hinterher. Wie tief sind wir gesunken. Es ist eine Schande für unsere sogenannte Demokratie.

  2. Heindieteram 16. Juni 2009 um 11:43 Uhr

    Warum werden wohl keine dieser Bankverbrecher angeklagt?
    Aktionäre haben dazu keine rechtlichen Möglichkeiten, sondern
    nur die Aufsichtsräte der Banken.
    Und diese Aufsichtsräte rekrutieren sich in der Regel aus aktiefen
    bzw. passiefen Politikern unserer Parlamente bzw.Parteien.

    Deshalb ist es erforderlich, dass unser Bundesstaatsanwalt
    ohne Rücksicht auf Parteien und Politiker Klage erhebt.

    Für die Rettung der Demokratie wäre dies ein guter Anfang.

    aber das wird wohl mein Wunschtraum bleiben.

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