Isländische Polizei untersucht FL Gruppe

16. Juni 2009

Sinngemäße Übersetzung des Artikels des Telegraph (in Englisch):

Die FL Gruppe – die Beteiligungsgruppe, die drohte Easyjet zu übernehmen und einen bedeutenden Anteil an American Airlines hielt – ist nun Gegenstand einer bedeutenden Untersuchung durch Islands Wirtschaftskriminalpolizei.

Die Büros einer Anwaltskanzlei (Logos) und ein Haus, das deren Chef (Hannes Smarason) gehört, wurden von der Polizei durchsucht. Dabei standen die Verkäufe und Rückkäufe von Sterling-Airlines – ein dänisches Transportunternehmen, das letztes Jahr Bankrott ging – im Blickpunkt.

Der Zusammenbruch des Unternehmens im Oktober mit Schulden, die mehr als umgerechnet ca. 1,1 Mrd. € betrugen, war der erste fallende Dominostein in der isländischen Bankenkrise, die dazu führte, dass Tausende Gemeinderäte, Wohltätigkeitsorganisationen und Sparer nicht mehr auf ihre Sparkonten zugreifen konnten.

Dem Bankrott der FL Gruppe folgte der Zusammenbruch von drei Banken – Glitnir, an der die Gruppe einen 32%-Anteil besaß, Kaupthing und Landsbanki. Dies verursachte eine Kernschmelze in der eng verstrickten isländischen Geschäftswelt, die in einer Notrettungsaktion des Internationalen Währungsfonds endete.

Die mutmaßlichen Betrugsereignisse fanden jedenfalls vor mehr als drei Jahren statt – ungefähr zur selben Zeit, als die FL Gruppe begann, eine Beteiligung bis zu 16,9% an Easyjet aufzubauen, was zu Vermutungen darüber führte, dass die Gruppe ein Übernahmeangebot abgeben werde.

Quellen innerhalb der isländischen Behörden sagten, dass sich die Untersuchung auf einen Zeitraum konzentriere. In diesem Zeitraum wurde britisches Pfund innerhalb eines Zeitraums von knapp über einem Jahr unter einer Reihe Leuten, die mit dem notierten Unternehmen eng verbunden waren, dreimal verkauft.

Die Untersuchung nimmt Behauptungen in den Blick, nach denen eine mit der FL Gruppe verbundene Anzahl Leute persönliche Gewinne in Millionenhöhe auf Kosten der Aktionäre anhäufte.

Die FL Gruppe erschien in der Mitte des 2000er-Jahrzehnt auf der internationalen Wirtschaftsbühne, als die Gruppe begann, Easyjet-Anteile zu erwerben und die Übernahme des Unternehmens zur Diskussion stellte. Jedenfalls hat der Unternehmensgründer Sir Stelios Haji-Ioannou, diese Idee rundweg abgelehnt und die FL Gruppe verkaufte später.

Die FL-Gruppe drängte ebenfalls 2007 American Airlines, an denen sie einen 9%-Anteil hielt, öffentlich dazu, mit dem Überdenken des Geschäftsmodells zu beginnen, bevor die Gruppe später verkaufte.

Es hat noch keine Festnahme oder bestimmte Anschuldigungen gegen irgendeinen Vorstand der FL Gruppe gegeben, der ein 39%-Anteil an dem in London ansässigen Einzelhandelsriesen Baugur gehörte als dieser unterging. Der großspurige Baugur-Chef Jon Asgeir Johannesson war ein Mitglied des Vorstands der FL Gruppe und ehemaliger Vorstandsvorsitzender.

Logos, eine der führenden Anwaltskanzleien in Island, wurde ebenfalls kürzlich im Zusammenhang mit Beschuldigungen wegen „Frisierens von Anteilen“ bei der Kaupthing Bank durchsucht.

Als Hinweis auf die verwickelten Verbindungen im isländischen Geschäftsleben, ist die Anwaltskanzlei ebenfalls der offizielle Zwangsverwalter von Baugur, die im Februar in staatliche Zwangsverwaltung ging.

Island hat dieses Jahr eine Anti-Korruptions-Ermittlung der drei Banken Glitnir, Landsbanki und Kaupthing in Bezug auf „den Verdacht kriminellen Handelns“ in Gang gesetzt, wobei die Fälle von einem Sonderermittler bearbeitet werden.

Glitnir, an der die FL Gruppe einen Anteil hatte, hat bereits Finanzexperten von Kroll engagiert, um Vermögenswerte aufzuspüren, die möglicherweise illegal übetragen wurden.

Es gibt mehr als 30 gesonderte Fälle, die vom isländischen Sonderermittler Olafur Thor Hauksson untersucht werden.

Letzte Woche sagte Islands Anti-Korruptions-Beraterin Eva Joly, dass der isländische Bankenskandal einer der größten und wichtigsten Untersuchungen ist, die Europa jemals erlebt hat.

Siehe zu den Ermittlungen im Zusammenhang mit dem isländischen Bankenzusammenbruchs bereits unsere Artikel vom 15.06.09, 23.05.09, 25.03.09, 26.02.09, 01.02.09 und 19.01.09 sowie die dort enthaltenen Links.

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