Enthüllungen über Geschäftspraktiken der ehemaligen Kaupthing-Bosse

2. Juli 2009

IceNews: Massengräber voller Leichen werden aus Kaupthings Keller gespuckt

Die Kaupthing Bank hat an ihr Personal allein im Jahr 2006 umgerechnet ca. 640 Mio. US-Dollar (Kurs zum damaligen Zeitpunkt) an Krediten für den Kauf von Anteilen an der Bank selbst vergeben. Dies stammt aus der Boulevardzeitung „DV“, die behauptet, eine vollständige Kopie des Kaupthing-Kreditverzeichnisses aus dem Jahr 2006 zu besitzen. Die Zeitung berichtet u.a., dass an Kristjan Arason – seinerzeit Leiter des Commercial Banking (Einlagen-, Kredit- und Zahlungsverkehrgeschäft) – umgerechnet ca.  12 Mio. € an sog. „bullet loans“ (Darlehen mit einem einzigen Tilgungsrückzahlungstermin am Ende der Laufzeit). Arason ist der Ehemann der ehemaligen Bildungsministerin Thorgerdur Kartin Gunnarsdottir von der Unabhängigkeitspartei (siehe dazu bereits unseren Artikel vom 25.03.09).

Helgi Sigurdsson, der Chef-Jurist der Bank, nahm ebenfalls einen Kredit im Wert von ca. 6 Mio. US-Dollar zur selben Zeit auf, als ein privater Schriftsatz ausgeteilt wurde, der den Bankeigentümern versicherte, dass die persönliche Haftung für Kredite zum Anteilskauf abgeschrieben würde, wenn es nötig sei. In einem Interview mit der Zeitung sagte er, dass nicht er hinter dem Schriftsatz zu den Kreditabschreibungen stecke, obwohl er als Chef-Jurist anerkanntermaßen verantwortlich für den Schriftsatz war.

Ähnliche Nachrichten gab es bei Visir.is Ende Februar, als enthüllt wurde, dass der ehemalige Kaupthing-Direktor Hreidar Mar Sigurdsson ein Unternehmen im eigenen Namen gegründet hatte, und einen Kredit aufnahm, um Anteile an der Bank zu kaufen. Der Kredit summiert sich auf umgerechnet ca. 47 Mio. US-Dollar und ist ein „bullet loan“ mit Rückzahlungsdatum in 2011.

Ein weiteres verblüffendes Geschäft ist ersichtlich geworden und führte zu noch mehr Frust: Es scheint, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Kaupthing, Sigurdur Einarsson, einen todsicheren Weg gefunden hat, um sich selbst ein gewaltiges Gartenhaus ohne persönliches Risiko zu bauen.

Er gründete ein ganzes Unternehmen, das für den Bau des luxuriösen Zweitwohnsitzes haftet. Deshalb trifft alle Verantwortung für Erfolg oder Scheitern des Vorhabens das Unternehmen und nicht ihn. Dies war schlau, da bei dem Vorhaben im Jahr 2007 bereits eine starke Möglichkeit bestand, dass die Grundstückspreise fallen würden, wodurch das fertige Haus weniger wert als erwartet sein würde.

Und hier ist der Scherz-Teil: Einarsson stellte sicher, dass er persönlich der langdauerndste und größte Kapitalgeber war – und daher der vorrangige Gläubiger, falls das Unternehmen untergehen sollte. Er investierte umgerechnet ca. 3 Mio. US-Dollar in das Vorhaben, bevor das Unternehmen einen ca. 2,7 Mio. US-Dollar-Kredit von VIS nahm – ein Unternehmen, das Exista gehörte, die wiederum Kaupthings größter Anteilseigner war. SPRON wurde ebenfalls für 76 Mio. Japanische Yen angezapft. Für alle Kredite wurde das Haus als Sicherheit bestellt.

Nun, da das Vorhaben als halbfertiges Haus tatsächlich gescheitert ist, wird es wahrscheinlich versteigert. Einarsson und die Vertreter von VIS und SPRON werden alle anwesend sein. Der Gewinner wird vermutlich Einarsson selbst sein, da jedes Gebot, dass er bis zu einer Höhe von umgerechnet ca. 3 Mio. US-Dollar abgibt, direkt an ihn selbst gehen wird. Damit wird das Geld abgedeckt, das ihm das zusammengebrochene Unternehmen als bevorzugtem Gläubiger für ihren bankrotten Grundbesitz schuldet.

SO, liebe Freunde, bekommt man ein halbfertiges luxuriöses, 840 qm² Gartenhaus als ‚frei Haus‘.

Sinngemäße Übersetzung des Artikels bei IceNews (in Englisch).

Anmerkung Jan: Sprich, Herr Einarsson muss wahrscheinlich für sein halbwertiges Haus am Ende „nur“ seinen ursprünglichen Eigenanteil aufbringen, für die zusätzlich aufgenommenen Kredite haftet dagegen das Hausbau-Unternehmen. Und selbst wenn er das Haus nicht ersteigern sollte, würde er als vorrangiger Gläubiger den Versteigerungserlös und damit seinen Eigenanteil zurückbekommen.

Wer jetzt rein isländische Verhältnisse annimmt, der möge sich auch einmal die deutsche Bankenlandschaft anschauen, z.B. die Vorgänge bei IKB (siehe Bericht von n-tv) und KfW (siehe Berichte von Reuters und SPIEGEL Online).

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