Finanznachrichten.de: Endlich Geld für Kaupthing-Kunden

2. Juli 2009

FinanzNachrichten.de | Endlich Geld für Kaupthing-Kunden

01.07.2009 08:12

Liebe Leserinnen und Leser,

die Zitterpartie ist vorüber. Deutsche Kunden der isländischen Bank Kaupthing Edge werden jetzt endlich entschädigt, das heißt, sie erhalten ihre Spareinlagen von der zwischenzeitlich insolventen Bank zurück. Am 22. Juni hat die Finanzaufsicht BaFin das Moratorium (also das verhängte Ein- und Auszahlungsverbot) gegen die Bank aufgehoben, nachdem der isländische Wirtschaftsminister verbindlich klargestellt hatte, die Auszahlung werde nun vorgenommen.

Kaupthing-Kunden brauchen jetzt also nur noch abzuwarten. Meldungen, wonach alle Gelder allerdings schon Ende Juni ausgezahlt wurden oder spätestens Anfang Juli beim Empfänger eintreffen, sind nicht korrekt. Die Auszahlung ist erst eingeleitet worden. Bei einigen Kunden kann es noch einige Wochen dauern, bis sie ihre Ersparnisse wieder haben. Ausgezahlt werden zunächst die Ersparnisse ohne Zinsen. Ob auch diese noch ausgeschüttet werden (können), ist noch nicht abschließend geklärt.

Die Auszahlung kommt nicht von Kaupthing selbst, sondern von einem von Kaupthing beauftragten Finanzinstitut. Betroffen sind mehr als 34.000 Anleger. Sie dürften jetzt aufatmen.

Noch einmal mein dringender Appell an Sie: Bevor Sie Ihr Geld einer Bank anvertrauen, informieren Sie sich, wie es um die Einlagensicherung steht. EU-weit sind seit 1. Juli dieses Jahres 50.000 Euro als Mindestabsicherung pro Bankkunde vorgeschrieben. Sie sollten sich aber nicht auf diese Gesetzesvorschrift allein verlassen, sondern zudem prüfen, wer für die Sicherung geradesteht.

Im Fall Kaupthing war es die isländische Einlagensicherung, und nicht die deutsche. Gerade bei Auslandsbanken rate ich Ihnen daher stets nur zu Kreditinstituten, die sich dem deutschen Einlagensicherungssystem angeschlossen haben. Welche das sind, erfahren Sie auf der Internetseite der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH. Klicken Sie auf „Infos für Verbraucher“, und Sie finden eine Liste aller Banken, die zumindest diesen staatlichen Mindestschutz bieten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Erhard Liemen,
Chefredakteur von:
„Bankkunden – vertraulich“
„Der Deutsche Wirtschaftsbrief“

Anmerkung Jan: Für mich eine gelungene Stellungnahme (v.a. der vorletzte Absatz) bis auf zwei Dinge:

„Die Auszahlung kommt nicht von Kaupthing selbst, sondern von einem von Kaupthing beauftragten Finanzinstitut.“

Nur weil das Geld technisch über isländische Zentralbank und Bundesbank läuft, hat dennoch Kaupthing gezahlt.

„Bei einigen Kunden kann es noch einige Wochen dauern, bis sie ihre Ersparnisse wieder haben.“

Dafür gibt es bisher keine Anhaltspunkte: Kaupthing selbst hat von zwei Wochen Dauer gesprochen, das wäre bis Ende kommender Woche. Das BMF geht sogar von spätestens dieser Woche aus.  Nachtrag: So ist es anscheinend dann auch gekommen. 🙂

4 Reaktionen zu “Finanznachrichten.de: Endlich Geld für Kaupthing-Kunden”

  1. Pressam 3. Juli 2009 um 11:19 Uhr

    @jan

    Im Gegensatz zu Dir (obwohl auch Du zwei Minuspunkte erkannt hast) sehe ich diese Meldung als wenig gelungen.

    Nach annähernd neun Monaten Kaupthing-Krise sollte man meinen, die Fakten wären auch im hintersten Winkel von bundesdeutschen Presseorganen angekommen. In jedem Falle aber sollten sie bei Journalisten gelandet (und verinnerlicht) sein, die sich explizit mit Finanzthemen beschäftigen.

    In Falle von Dr. Liemen hege ich starke Zweifel.

    Erstens:
    Er schreibt: „Deutsche Kunden der isländischen Bank Kaupthing Edge werden jetzt endlich entschädigt.“
    Entschädigt bedeutet, dass jemand einem anderen einen entstandenen Schaden ersetzt. In unserem Falle ist das leider nicht so. Wir erhielten/erhalten unsere eingezahlten Beträge zurück – mehr nicht. Der Schaden – entgangener Zinsgewinn, etwaige Nebenkosten etc. – wird nicht ersetzt. Ergo wird niemand „entschädigt“.

    Zweitens:
    Er schreibt: „Meldungen, wonach alle Gelder allerdings schon Ende Juni ausgezahlt wurden oder spätestens Anfang Juli beim Empfänger eintreffen, sind nicht korrekt. Die Auszahlung ist erst eingeleitet worden.“ (geschrieben am 01.07.2009!)
    Auch das ist nicht korrekt. Fakt ist: Die Mehrzahl der Kauphting-Kunden erhielten die Rückzahlungen mit der ersten Rückzahlungswelle am 25./26. Juni.

    Drittens:
    Er schreibt: „Noch einmal mein dringender Appell an Sie: Bevor Sie Ihr Geld einer Bank anvertrauen, informieren Sie sich, wie es um die Einlagensicherung steht…. Sie sollten sich aber nicht auf diese Gesetzesvorschrift allein verlassen, sondern zudem prüfen, wer für die Sicherung geradesteht.“
    Was glaubt Herr Liemen eigentlich, was viele (!) Kaupthing-Kunden getan haben, bevor sie ihr Geld in Deutschland (!) angelegt haben? Viele von uns haben sich vorher (!) eingehend informiert, u.a. bei der Bank selbst, bei der BAFIN oder sogar bei zwei Rating-Agenturen in Deutschland. Aber vor Betrug ist niemand gefeit!

    Ich bin solche Finanzexperten-Flach-Parolen einfach leid.

  2. Janam 3. Juli 2009 um 18:02 Uhr

    @Press: Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich finde ihn sehr gut, da er genau das aufgreift, was ich mit solchen Artikeln erreichen möchte: Ich will hier keineswegs die reine Wahrheit predigen, sondern nur Anregungen bieten. Kaupthing hat uns auf’s Deutlichste gezeigt: Wir müssen selbst nachdenken, uns die Informationen selbst zusammen tragen und dann selbst entscheiden, einfach blind den Finanzexperten zu folgen hilft uns nicht.

    Erstens:
    Du hast natürlich Recht: Rückzahlung ist nicht das Gleiche wie Entschädigung. Aber Entschädigung bedeutet auch nicht den Ersatz aller Schäden (das ist Schadenersatz). Eine Entschädigung muss nicht mal dem vollen Wert entsprechen, siehe isl. Einlagensicherungsfonds: Eine begrenzte Sicherung bis 20.887 € ist kein vollständiger Schadenersatz, aber eine Entschädigung.

    Zweitens:
    Da hast du völlig Recht.

    Drittens:
    Auch da hast du Recht, was die Informationen über die BANK betrifft. Herr Liemen bezieht sich aber auf die Einlagensicherung. Und DA sollte man nicht nur lesen „20.887 € sicher, alles klar“, sondern auch schauen, ob so eine Einlagensicherung auch leistungsfähig ist bzw. vom Staat gestützt werden kann. Nur leider hat DAS nur die Stiftung Warentest (Finanztest) erkannt, auf die ich damals bei der Geldanlage nicht gestoßen bin.

  3. Pressam 4. Juli 2009 um 09:57 Uhr

    @jan:

    Danke für deine Antwort, die ich Wort für Wort unterstreiche.
    Nur eine kleine Restbemerkung noch zum Thema „Einlagensicherung“:

    Ich kann zwar nur für mich sprechen, aber ich glaube, dass auch weitere KE-Anleger so oder so ähnlich verfahren sind:
    Ich habe damals, bevor ich Geld bei KE angelegt habe, mehrfach der KE-Bank in Deutschland geschrieben und viele Fragen gestellt. Auch zum Thema „Einlagensicherung“. Ich habe damals auch vorab und zusätzlich die BAFIN sowie zwei Rating-Agenturen in Deutschland angeschrieben, die sowohl KE wie auch Island rateten. Von allen Seiten wurde nur positiv geantwortet, die Antwort war immer dieselbe: Der Staat Island stecke hinter der Einlagensicherung, es sei genügend eingezahlt, KE habe selbst ein Vielfaches an Vermögen etc. bla bla (im Nachhinein bla bla!). Damals traute ich den Informationen voll und ganz. Heute wissen wir es alle besser: Kein Staat der Welt ist gefeit vor einer derartigen Krise. Und wenn ich mir die Einlagensicherung Deutschlands anschaue, die durch den Lehman-Zusammenbruch angeblich vollständig aufgebraucht ist, dann wird mir ganz schwindelig… Aber wie merkelte Angela? „Ich sage hier in aller Deutlichkeit, die Einlagen der deutschen Sparer sind…“

  4. Janam 4. Juli 2009 um 20:19 Uhr

    @Press: Und auch da triffst du den Kern!

    Natürlich gab es einige Warnrufe. Aber nur ein einziger hat auch die Einlagensicherung in Frage gestellt. Stattdessen hielten die meisten ein paar wirtschaftliche Schwierigkeiten in Island, der „Schweiz des Nordens“, aber die gab es überall, ohne dass man gleich überall vom Staatsbankrott ausgehen musste. Ich habe mich auch informiert – und für mich war nach Anfrage an die Bank klar: Eine Bank, die hier in Deutschland tätig wird, für die auch die BaFin zuständig ist und die mit Einlagensicherung „bis 20.887 € zu 100% sicher“ deutschlandweit an die Öffentlichkeit tritt, auf die muss Verlass sein. Diese Formulierung zur Einlagensicherung hat selbst die BaFin benutzt, ich werde noch eine diesbezügliche Antwort an Mitstreiter Reiner einstellen. Großbanken, IHKs etc. haben ihr Geld ganz anders und ohne Einlagensicherung direkt in Island investiert und auch zu deutlich höheren Zinssätzen. Ich gehe davon aus, dass die „9%“ von Hr. Steinbrück im Beckmann-Interview vom Oktober aus diesem Dunstkreis stammen.
    Dazu kam noch die von dir völlig zu Recht angeführte Merkel-Garantie, bei der unser Finanzminister bei einem ersten Konkretisierungsversuch selber deutsche Niederlassungen mit einbezog (nachzulesen in der Chronik), aber es sich die deutsche Politik am Ende wohl anders überlegte und nicht mehr für rechtlich ausländische Banken haften wollte.
    Und am Ende sollten wir schlauer sein und uns „besser informieren“ als Großbanken, BaFin und Politiker (Steinbrück: „Ich hätte Ihnen den isländischen Staatsbankrott nicht voraussagen können“) und die überwiegende Mehrheit der Medien („Schweiz des Nordens“) zusammen? Da kann man nur festhalten: Gegen den Mainstream schwimmen, lohnt sich immer.

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