Noch was für die Geschichtsbücher: Wie die isländischen Banken zusammenbrachen

10. Januar 2010

Fakt 1: In Island wurden Fehler gemacht bei Aufsicht, Geschäftspolitik und Einlagensicherung der Banken. Allerdings war das in den USA und in Deutschland erst Recht der Fall, die im Gegensatz zu den isländischen Banken im großen Stil in Ramschanleihen investierten. Gerade die deutschen Banken haben die isländische Geschäftspolitik unterstützt. Und wir ja letztlich auch, indem wir der Bonität dieser Einlagensicherung vertrauten. Gut möglich, dass Island verpflichtet ist, die Zahlungsfähigkeit der Einlagensicherung mit Krediten sicherzustellen, wenn die Richtlinie 94/19/EG so auszulegen ist, dass Einlagen bis 20.000 € zu 90% zur Not vom Staat im Wert bezahlt werden müssen. Gut möglich aber auch, dass die isländische Ansicht voll mit EU-Recht vereinbar ist. Siehe dazu den Ausschnitt der britischen (!) Times Online (sinngemäß übersetzt): „Nach EU-Recht ist es sehr strittig, ob Island verpflichtet ist, britische und niederländische Sparer auszuzahlen. Das Land trat ‚Pass-Regeln‘ bei, die Banken das Operieren über die Landesgrenzen hinaus ermöglicht, falls sie an einem Einlagensicherungssystem in ihrem Heimatstaat teilnehmen. Aber entscheidend ist, dass  diese Sicherungen unter den Staaten unterschiedlich sind, in ihrer Höhe und darin, wer sie betreibt. In Großbritannien kommt die Sicherung von der Regierung und wurde auf 50.000 Pfund angehoben, kurz bevor Landsbanki zusammenbrach. Island bot die Sicherung durch den ‚Depositors’ and Investors’ Guarantee Fund‘ an, der durch private Banken errichtet wurde und nur über Vermögen in Höhe von 1% der Spareinlagen verfügt. Das entsprach EU-Recht [so meint jedenfalls Times Online], das einen gleichzeitigen Zusammenbruch des gesamten Bankensystem des Landes.“ Die Frage müssen eigentlich die europäischen Gerichte klären.

Fakt 2: Der Zusammenbruch der isländischen Banken wäre vermeidbar gewesen, die Island-Krise hätte weniger Kreise gezogen, wenn eine von zwei Voraussetzungen erfüllt worden wäre. Warum brachen in Island die Banken zusammen und sonst in keinem anderen Land in Europa? Kurz gesagt: Island hat das Gegenteil von internationaler Solidarität zu spüren bekommen. Und die „Lizenz zum Gelddrucken“ war im Gegensatz zu den Dollar-Amerikanern und Euro-Europäern wirkungslos. Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich den sehr interessanten Artikel „Island und die Dämonie des Geldes“ in zeit-fragen.ch

Fakt 3: Angesichts alldessen haben wir riesiges Glück gehabt, dass Kaupthing (im Gegensatz zu Landsbanki) trotz allem seriös gewirtschaftet hat und daher für alle Kapitalspareinlagen aufkommen konnte. Und dass die Isländer geschickterweise im Oktober 2008 die Spareinlagen als „Priority Claims“ in ihr Insolvenzrecht schrieben.

3 Reaktionen zu “Noch was für die Geschichtsbücher: Wie die isländischen Banken zusammenbrachen”

  1. budisovam 11. Januar 2010 um 16:58 Uhr

    Gehört hier eigentlich nicht her, aber einfach mal zur Info:
    Auch für unsere Kaupthing-Leidensgenossen of der Isle of Man zeichnet sich nun eine Lösung ab: http://www.telegraph.co.uk/finance/personalfinance/savings/5152174/Kaupthings-Isle-of-Man-savers-to-get-their-money-back.html

  2. Janam 14. Januar 2010 um 11:56 Uhr

    Vielen Dank, @budisov für den Hinweis. Der passt gut zu unserer früheren Berichterstattung über unsere Leidensgenossen der Isle of Man. Wer deren Geschichte noch einmal nachlesen möchte, bitte einfach auf das jeweilige Datum klicken: 20.07.09, 04.07.09, 01.07.09, 30.05.09, 23.05.09, 28.04.09, 10.04.09, 27.03.09, 02.03.09, 24.02.09, 18.02.09, 14.02.09, 30.01.09, 28.01.09, 22.01.09, 19.01.09, 17.01.09, 12.01.09, 26.12.08, 22.12.08, 16.12.08, 10.12.08, 28.11.08 und 24.11.08.

  3. Janam 15. Januar 2010 um 17:32 Uhr

    @budisov: Habe den Bericht jetzt mal angelesen. Der ist aber auch schon vom 14.04.09. Dieses Entschädigungsprogramm, was dort beschrieben wird, ist aber an den Sparern selbst gescheitert. Naja, da ist ja jetzt die Linksammlung, da kann man die Geschichte seit April 2009 nochmal nachlesen, wenn man möchte.

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