FTD: Zeise – Der Geburtsfehler der EU

2. Februar 2010

Lesenwerte Kolumne in der Financial Times Deutschland, insbesondere mit berechtigter Kritik am sog. „EU/EWR-Passverfahren„.

Zweifelhaft dagegen das hohe Lob auf die deutsche Regierung in Bezug auf die Rückzahlung: Der Regierung ist der Erfolg eher in den Schoß gefallen. Anders gesagt: In Island hat man die entscheidenen Schritte für die Rückzahlung gemacht, die deutsche Regierung hat „nur“ unterstützt. Richtig ist dagegen, dass es langfristig klug war von der Regierung, eher vorsichtig zu handeln und nicht den „dicken (Anti-Terror-)Max“ wie Großbritannien zu spielen: Das hat Deutschland (und seinen Steuerzahlern) langfristig viel bilateralen Ärger erspart.

Zweifelhaft auch die Verdammung der isländischen Banken als reine „Zockerbanken“: Richtig ist, dass die Banken zu unkontrolliert und falsch expandiert haben und durch eine kleine Gruppe von Geschäftsleuten untereinander zu eng verflochten waren. Richtig ist aber auch, dass Kaupthing bis zum Schluss profitabel gearbeitet hat und die Einlagensicherungsverpflichtungen zu 100% aus der Insolvenzmasse erfüllen konnte. Vergessen wird auch, dass das Bankendomino in den USA und den EU-Staaten begann. Das wäre genauso ausgegangen wie in Island – nur dank der üppigen kurzfristigen Verschuldung (die Island nicht offen stand) wurde dies verhindert. Vergessen wird auch, dass einige Länder wie Schweden versucht haben, mit Überbrückungskrediten das Schlimmste zu verhindern, während andere Länder wie Großbritannien mit zweifelhaften Anti-Terror-Maßnahmen noch Öl ins Feuer gossen.

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