Island wieder obenauf

10. März 2011

So schnell kann’s gehen. Während vor zwei Jahren Island die Zockerbude war und der Euro der sichere Hafen, hat inzwischen Island mächtig aufgeholt, während alle Welt über Überschuldung im Euro-Raum debattiert. 😉

Die Krise hat Island letztlich recht gut bewältigt, auch wenn so mancher dafür wegen des fehlenden Rundum-Sorglos-Banken-Rettungspakets auf Zinsen verzichten muss. Dafür ist der ohnehin vom Wirtschaftseinbruch und Inflation gebeutelte isländische Steuerzahler nicht noch mehr mit eben jenen Rettungspaketen belastet worden. Mit der aktuellen Wirtschaftslage Islands befasst sich das WirtschaftsBlatt.

Auch die Aufklärung von Wirtschaftskriminalität geht weiter, wie die FTD berichtet.

2 Reaktionen zu “Island wieder obenauf”

  1. budisovam 10. April 2011 um 12:10 Uhr

    Heute also das endgültige Nein der Isländer zur Entscheidigung ausländischer Sparer. Hätten der britische und niederländische Einlagensicherungsfonds das Geld nicht vorgestreckt, die dortigen Sparer würden immer noch auf ihr Geld warten. Zur Erinnerung: In Deutschland wollte man das Geld nicht vorstrecken. Hätte Kaupting das Geld nicht zusammengekratzt und uns vorrangig behandelt, würden wir noch immer auf unser Geld warten. Fazit: Wir haben wahnsinnig viel Glück gehabt.

    Eigentlich bin ich froh, dass die Isländer mit Nein gestimmt haben. Jetzt müssen Gerichte die spannende Frage klären, ob der Staat eine Einlagensicherung nur installieren muss, oder ob er selbst notfalls die Sparer entschädigen muss.

    Ich denke fast, dass eine solche staatliche Pflicht des Im-Notfall-Einspringens gar nicht existiert. Lustigerweise hat sich die deutsche Regierung ja auch erst im Lichte von Kaupting zur Stärkung der Verhandlungsposition durchgerungen, der überforderten Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen zu Hilfe zu kommen.

    Sollten die internationalen Gerichte zu dem Schluss kommen, dass keine staatliche Stützungspflicht besteht, hieße das, dass die „staatliche“ Einlagensicherung so ziemlich wertlos ist.

    Ich hoffe, dass letztendlich dabei herauskommt, dass der Staat die Einlagensicherung stützen MUSS. Die Isländer machen es sich auch sehr einfach. Jahrelang haben sie von den Geldzuflüssen europäischer Sparer profitiert, hat man sich große Autos gekauft und Häuser gekauft, die man sich eigentlich nicht hätte leisten können. Ich war dort, ich hab’s gesehen. Jahrelang hat man die entsprechenden Parteien gewählt, die mit einer Arroganz sondergleichen im Ausland auftraten. Ex-Premier Geir Haarde, der in Großbritannien damit prahlte, dass man über den EWR wunderbar Bankgeschäfte in Europa tätigen könne, ohne die mit der EU-Mitgliedschaft verbundenen Zahlungsverpflichtungen einzugehen.

    Jetzt wollen die Isländer von alledem nichts mehr wissen und stellen sich als Opfer der bösen Banken dar. Das ist es ein leichtes eine Neuverschuldung von nicht mehr als 3 Prozent hinzubekommen.

  2. Janam 15. April 2011 um 18:54 Uhr

    In der FAZ (hier) war ein guter Artikel zum von budisov genannten Thema.

    Ich teile deine Ansicht. Während ich die Isländer beim ersten Mal verstehen kann, haben sie ihre Karten jetzt überreizt. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass der isländische Staat für die mangelhafte Einlagensicherung einspringen muss. Ich denke nicht, dass Island aus dieser Verantwortung vor Gericht herauskommt. Es geht nicht darum, ob Island für Privatbanken einspringen muss, das muss der Staat nicht. Es gibt aber eine europarechtlich verbindliche Verpflichtung, eine Einlagensicherung mit einer bestimmten Mindesthöhe einzurichten. Es wäre ein Witz, wenn diese Verpflichtung mit einer ,,leeren Kasse“ erfüllt wäre, dann könnte man sich das Ganze gleich schenken. Island muss dafür sorgen, dass die Kasse im Ernstfall auch funktioniert und wenn es den Banken erlaubt, in ganz Europa auf Spareinlagenjagd zu gehen, dann muss entweder die Einlagensicherung aufgestockt werden oder aber der Staat muss im Ernstfall das Geld selbst bereitstellen. Da hast du, budisov, das Ganze richtig beschrieben, auch die Bürger können nicht alles auf die Politik und die Banken schieben. Als es gut lief haben die Bürger den Beutezug der Finanzwikinger ins Uferlose, auch auf ausländische Spareinlagen, nicht nur gewählt, sondern waren sogar noch stolz drauf… Wer die Party schmeißt und feiert, muss sie auch bezahlen… Das wird auch im Falle Islands so kommen…

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